+++ Jetzt kommt die Corona-Warn-App: Was sollten Sie wissen? +++

14. Juni 2020

Von übermorgen an soll die von Telekom und SAP entwickelte und vom Robert-Koch-Institut (RKI) herausgegebene Corona-Warn-App dazu beitragen, Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu stoppen: App-Nutzer werden gewarnt, sofern sie Kontakt zu einer Person mit positivem Corona-Testergebnis hatten. Apple und Google lassen für ihre Betriebssysteme nur eine Corona-Warn-App pro Land zu, deutsche Nutzer haben folglich keine Alternative. Die Corona-Warn-App ist nicht identisch mit der Corona-Datenspende-App; diese erfasst regionale Auffälligkeiten anhand von Fitnessdaten, Infektionen lassen sich mit ihr nicht nachverfolgen. Wie die Corona-Warn-App funktioniert und was Sie beachten sollten, beantwortet corona24.info im Folgenden.

Funktionsweise
Die Corona-Warn-App dient primär der Risiko-Ermittlung. Sie verfolgt Kontakte zu anderen App-Nutzern, sobald diese angegeben haben, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sind. Daraufhin bewertet die App das Infektionsrisiko des Nutzers selbst: Trifft er auf keine infizierten Personen, zeigt sie „Niedrig“ an. Trifft er auf einen infizierten App-Nutzer, wird dies von der App registriert, und sie stuft das Infektionsrisiko entsprechend ein. Basierend auf dem individuell ermittelten Risikowert stellt sie darüber hinaus verschiedene Verhaltens- und Gesundheitshinweise bereit.

Bei Aktivierung der Risiko-Ermittlung ruft die App mehrmals täglich zwei Listen vom Server ab: eine Liste mit den anonymen IDs all jener Nutzer, die ihr positives Testergebnis in die App eingetragen haben, und eine Liste mit den anonymen IDs all jener Nutzer, mit denen man Kontakt hatte. Anschließend gleicht die App die beiden Listen - Infizierte-IDs und Kontakt-IDs – miteinander ab. Stellt die Software eine Übereinstimmung fest, werden Datum, Dauer und Signalstärke, also Nähe, der Begegnung ausgewertet und das persönliche Infektionsrisiko ermittelt. Sämtliche Daten werden auf dem Smartphone, also offline, verarbeitet. Auch das ermittelte Infektionsrisiko wird ausschließlich in der App gespeichert und ist für keinen anderen Empfänger einsehbar.

Installation freiwillig
Installation und Nutzung der Corona-Warn-App sind freiwillig.

Hoher Datenschutz
Um einen hohen Datenschutz zu gewährleisten, sammelt die App so wenig Daten wie möglich. Die Corona-Warn-App erfasst keine Informationen, die es dem Robert-Koch-Institut oder anderen Nutzern ermöglichen, Identität, Gesundheitsstatus oder Standort des Nutzers zu ermitteln. Zur zusätzlichen Anonymisierung erhält der Nutzer kontinuierlich neu generierte anonyme IDs.

Kein Eintrag von Kontaktpersonen
Sämtliche Kontakte werden automatisch und anonym per Bluetooth erfasst. Es werden also auch völlig unbekannte Kontakte erfasst, beispielsweise Mitreisende in Bahn und Bus.

Keine Namensnennung
Aus Datenschutzgründen werden Namen von Coronavirus-Infizierten nicht an Kontaktpersonen weitergegeben. Im Falle eines Kontaktes zu einem Nutzer mit positivem Testergebnis erhält der App-Nutzer eine Push-Benachrichtigung mit dem Hinweis auf diesen Kontakt sowie eine entsprechende Handlungsempfehlung, zum Beispiel Kontaktaufnahme mit entsprechendem Fachpersonal oder Gesundheitsamt sowie eine freiwillige häusliche Isolation.

Die Empfehlungen der Corona-Warn-App sind rechtlich nicht verbindlich - Sie können also selbst entscheiden, ob Sie ihnen folgen. Sie sollten allerdings bedenken, dass das Risiko einer Weiterverbreitung hoch ist, wenn Sie sich nicht an die Empfehlung halten.

Verarbeitete Daten
Die App erfasst folgende Daten:

Zugriffsdaten

  • IP-Adresse
  • Datum und Uhrzeit des Abrufs (Zeitstempel)
  • übertragene Datenmenge
  • Meldung über erfolgreichen Abruf
  • anfragende Domain
  • verwendetes Betriebssystem
  • Gerätetyp, Hersteller und Modell

Begegnungsdaten

  • Datum des Kontakts
  • Dauer des Kontakts
  • Bluetooth-Signalstärke des Kontakts

Gesundheitsdaten

  • Falls die Risiko-Ermittlung den Kontakt zu einem Infizierten erkennt
  • Sofern der App-Nutzer einen Test registriert
  • Sofern der App-Nutzer ein positives Testergebnis teilt

Mitwirkung nötig
Ein positiv getesteter App-Nutzer sollte dies in die App eintragen, da nur dann gewährleistet ist, dass dessen Kontaktpersonen gewarnt werden und sich das Coronavirus in dessen Umfeld möglichst nicht weiter ausbreiten kann. Den Eintrag ist freiwillig, er erfolgt unter „Wurden Sie getestet?“. Sofern vorhanden, muss der QR-Code vom Test gescannt oder die TAN eingegeben werden, um das Testergebnis zu verifizieren. Wer weder über QR-Code noch über TAN verfügt, kann über die Telefon-Hotline eine TAN abfragen.

Einsehbare Open-Source
Da die Corona-Warn-App im Rahmen eines Open-Source-Projektes programmiert wurde, kann der gesamte Quellcode auf der Plattform GitHub eingesehen werden.

Keine Akku-Belastung
Da die Corona-Warn-App mit Bluetooth Low Energy betrieben wird, verbraucht die App weniger Akku als beispielsweise das Streamen von Musik auf einen Bluetooth-Lautsprecher.

QR-Scanner integriert
Zum Einlesen von Corona-Testergebnissen nutzt die App einen QR-Code-Scanner. Hierfür verfügt die Corona-Warn-App über einen integrierten QR-Scanner; der App-Nutzer benötigt also lediglich die Kamera seines Smartphones.

Test-TAN statt Test-QR-Code
Wer beim Test keinen QR-Code bekommen hat, kann alternativ die beim Test erhaltene TAN-Nummer eingeben. Wer auch die nicht hat, ruft eine App-Hotline an und erhält dort eine TAN-Nummer.

Kostenfrei
Die App ist für alle Nutzer kostenfrei im Google Play Store und im Apple App Store erhältlich.

Die von Telekom und SAP entwickelte Corona-Warn-App soll dazu beitragen, Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu stoppen. Credit: RKI

+++ Neuer Virus-Typ auf chinesischem Großmarkt entdeckt +++

14. Juni 2020

Erstmals seit zwei Monaten gibt es in Peking neue Corona-Fälle. Die Furcht vor einer zweiten, möglicherweise größeren Welle geht um. Bei einem Krisentreffen der Behörden in der chinesischen Hauptstadt wurden diese aufgefordert, in den „Kriegszustand“ zu gehen, um einen zweiten Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 zu verhindern.

Forscher alarmiert: Neu entdecktes Virus anders als bisheriger Typ

Besonders alarmierend: Bei der Sequenzierung des Genstamms stellten Forscher fest, dass das neu entdeckte Virus anders ist als der Typ, der China zuvor heimgesucht hat. Um die Herkunft des aktuellen Virus‘ zu ermitteln, sollen die Ergebnisse mit Analysen aus anderen Ländern verglichen werden. Bislang wurde das Virus bis zu einem Hackbrett auf dem Xinfadi-Großmarkt in Peking zurückverfolgt – auf dem Brett war importierter Lachs verarbeitet worden. China importiert Lachs aus Chile, Australien, Norwegen, Kanada und von den Färöer-Inseln.

Der 150 Fußballfelder große Xinfadi-Markt wurde mittlerweile geschlossen und „gründlich“ desinfiziert. Auch elf Wohngebiete und sechs weitere Märkte wurden geschlossen. Experten fürchten Versorgungsengpässe mit Lebensmitteln. Angrenzende Städte und Gemeinden in der Provinz Hebei sowie Stadtviertel der Hauptstadt forderten die Bewohner auf, sich umgehend zum Coronavirus-Test zu melden, wenn sie jüngst auf dem Xinfadi-Markt oder einem der sechs anderen geschlossenen Märkten in Peking waren.

Unter den Infizierten ist auch der Fahrer eines Shuttle-Busses des Pekinger Flughafens. Er hatte den Xinfadi-Großmarkt am 3. Juni besucht, sich anschließend unwohl gefühlt und am Freitag Fieber bekommen. Er hatte drei Krankenhäuser aufgesucht, bis schließlich Covid-19 bei ihm diagnostiziert wurde. Der Pekinger Covid-19-Krisenstab kündigte an, die Kontrolle von Reisenden und Fracht bei der Einreise zu verschärfen, um eine weitere Einschleppung des Virus‘ zu verhindern.

Auf dem Xinfadi-Großmarkt in Peking wurde jetzt ein neuartiges Coronavirus entdeckt. Die Behörden haben den "Kriegszustand" ausgerufen. Credit: N509FZ (Wiki)

+++ "Mit Wums aus der Krise": Koalition beschließt 130-Milliarden-Konjunkturpaket +++

5. Juni 2020

Um die deutsche Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder anzukurbeln, hat sich die Koalition auf ein umfangreiches Konjunkturpaket geeinigt. Das Paket soll rund 130 Milliarden Euro umfassen und die Option auf einen eventuellen Nachtrag von 156 Milliarden Euro enthalten. Die Grafik zeigt die Hauptbestandteile des Konjunkturpakets und ihren jeweiligen Finanzbedarf.

Mehrwertsteuersenkung soll Konsum stimulieren

Der Löwenanteil der 130 Milliarden Euro soll der Stärkung der Wirtschaft dienen, etwa durch Entlastung der Kommunen (Gewerbesteuerausgleich) und mithilfe von Überbrückungshilfen für mittelständische Unternehmen. Ferner will der Bund die Mehrwertsteuer vom 1. Juli bis Ende des Jahres von 19 auf 16 Prozent senken und damit das Konsumverhalten der Bevölkerung stimulieren. Auch Familien werden unterstützt; geplant ist ein Einmal-Bonus von 300 Euro pro Kind.

Die Hilfsmaßnahme enthält zudem ein „Zukunftspaket“ über 50 Milliarden Euro, das vor allem Umweltschutz und Modernisierung vorantreiben soll. Die von der Autoindustrie geforderte Kaufprämie für Benziner und Diesel wird es nicht geben. Ferner sieht sich die Bundesregierung in der Pflicht, auf europäischer und globaler Ebene bei der weiteren Bekämpfung der Pandemie zu helfen. Hierfür stellt sie bis zu drei Milliarden Euro zur Verfügung.

Präsident des Ifo-Instituts nennt Konjunkturpaket „ausgewogen“

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, nannte das Konjunkturpaket im Deutschlandfunk ausgewogen. Es werde die Rezession sicherlich dämpfen, „aus der Welt schaffen kann man sie natürlich nicht.“ Die befristete Mehrwertsteuer-Senkung könne den Konsum kurzfristig ankurbeln, sollten die Sätze jedoch wieder steigen, bestehe die Gefahr, dass der Konsum abbreche: „Man verlässt sich darauf, dass im nächsten Jahr das Gröbste vorbei ist.“

Es wäre unfair, die Corona-Belastungen von Familien und Alleinerziehenden mit einem Einmal-Bonus abzugelten, sagte Fuest: „Es kann nicht sein, dass man sich mit den 300 Euro von dieser Verpflichtung loskauft.“ Es sei richtig, dass der Bund keine Altschulden der Kommunen übernehme. Auch die Förderung emissionsarmer Autoantriebe begrüßte Fuest. Damit fördere der Bund Investitionen in Innovation.

Um die deutsche Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder anzukurbeln, hat sich die Koalition auf ein 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket verständigt. Credit: Statista

+++ Corona-Masseninfektion im Göttinger "Iduna-Zentrum" belegt fragile Lage +++

5. Juni 2020

Mit der vom Robert-Koch-Institut (RKI) ermittelten Reproduktionszahl R = 0,57 bleibt das Infektionsrisiko in Deutschland insgesamt vergleichsweise gering. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist aktuell mit 351 (5. Juni) niedrig. Doch wie fragil die Lage unverändert ist, zeigt ein Blick auf die sogenannten „Hotspots“, die nun im Fokus der Aufmerksamkeit stehen.

Händeschütteln und Umarmungen beim Zuckerfest

Für besonderes Aufsehen sorgt in diesem Kontext die grob fahrlässige Missachtung der Abstands- und Hygieneregeln im Göttinger „Iduna-Zentrum“, im „Corona-Block“, wie die Anwohner sagen. Hier hatten aus Jugoslawien stammende muslimische Großfamilien überschwänglich das Zuckerfest gefeiert, reihum Hände geschüttelt und einander in den Armen gelegen, wie ein Schüler seiner Schulleitung berichtete.

Über 120 Covid-19-Infektionen sind mittlerweile bestätigt, ein Mann wird auf der Intensivstation künstlich beatmet. Mehr als 300 Kontaktpersonen im Großraum Göttingen, in Thüringen und Nordrhein-Westfalen mussten in Quarantäne. Weil darüber hinaus 24 Kinder infiziert sind, sah sich die Stadt genötigt, alle gerade wieder geöffneten Schulen und mehrere Kindertagesstätten erneut zu schließen. Zudem wurde den Sportvereinen der Trainings- und Wettkampfbetrieb untersagt.

Eltern erschüttert über unverantwortliches Handeln

„Es ist erschreckend, dass es Menschen gibt, die meinen, für sie gelten die Regeln nicht oder für sie wären die Regeln unter bestimmten Umständen außer Kraft gesetzt“, sagt Lars Humrich, Leiter der Gesamtschule Neue IGS Göttingen. Auch der Vorsitzende des Göttinger Stadtelternrat, Janek Freyjer, ist sauer: „Die Eltern sind erschüttert, dass eine Minderheit so unverantwortlich gehandelt hat, so dass jetzt die Schulen wieder geschlossen werden mussten.“

Massentest im "Iduna-Zentrum"

Heute hat die Stadt mit einem dreitägigen Massentest bei den insgesamt rund 700 Bewohnern des „Iduna-Zentrums“ begonnen. Notfalls soll mit Hilfe der Polizei durchgesetzt werden, dass alle Bewohner zu den Test erscheinen, da sich viele von ihnen den behördlich angeordneten Tests bislang entzogen hatten. Die möglichen strafrechtlichen Konsequenzen macht der Sprecher der Staatsanwaltschaft deutlich: „Die Stadt ist vorerst damit beschäftigt, die Infektionsketten nachzuvollziehen. Sobald sie etwas mehr Luft haben, werden sie entscheiden, gegen wen Ordnungswidrigkeiten-Verfahren eingeleitet und gegen wen Strafanzeigen erstattet werden sollen.“

Auch gegen Quarantäne-Brecher will die niedersächsische Landesregierung robust vorgehen: Wer sich nicht an eine Quarantäne-Auflage halte, begehe eine Straftat und könne vom Gericht in eine geschlossene Einrichtung überstellt werden, betont die stellvertretende Leiterin des Krisenstabs, Claudia Schröder.

Ob Göttingen nun ein neuer Lockdown droht, macht die Stadtverwaltung vom Verlauf des Infektionsgeschehens abhängig. Die Stadt rechne jedoch mit weiteren Infizierten, sagt Sprecherin Cordula Dankert.

Die Missachtung der Abstands- und Hygieneregeln führte im Göttinger "Iduna-Zentrum" zur Masseninfektion. Credit: F. Welter-Schultes

+++ BILD-Attacken gegen Drosten eskalieren: Worum geht es eigentlich? +++

30. Mai 2020

Seit ihrer Gründung 1952 hat die BILD-Zeitung häufig eher zum Vorschlaghammer als zur spitzen Feder gegriffen, um sich Aufmerksamkeit und Gehör bzw. Leser zu verschaffen. Dies bekommt gegenwärtig der Charité-Virologe Christian Drosten zu spüren.

Worum geht es?

Am 29. April publiziert das von Christian Drosten geleitete Institut für Virologie an der Berliner Charité auf der institutseigenen Website eine „Analysis of SARS-CoV-2 viral load by patient age“, eine Analyse von SARS-CoV-2-Virallasten bei Patienten unterschiedlichen Alters. Dieses zusammenfassende Vorab-Papier ist noch nicht von unabhängigen Experten geprüft.

Für die Kurzstudie hatte die Charité die Viruskonzentration im Rachen von Kindern und Erwachsenen analysiert und hierfür positive Covid-19-Befunde von 3.712 Patienten ausgewertet. Von diesen waren 37 Kindergarten-Kinder, 16 Grundschulkinder und 74 Kinder weiterführender Schulen.

Am 30. April geht Christian Drosten in seinem NDR-Podcast auf die am Vortag veröffentlichten Ergebnisse der Charité-Kurzstudie ein: Kinder könnten eine ebenso hohe Viruslast aufweisen wie Erwachsene. „Es könnte gut sein“, schränkt Drosten ein.

Beantwortung binnen einer Stunde gefordert

Am 25. Mai, 15:00 Uhr, schreibt der 28-jährige, für das BILD-Politik-Ressort tätige Filipp Piatov eine Mail an Drosten, konfrontiert ihn mit verkürzten Zitaten von vier Wissenschaftlern, die sich kritisch mit Drostens Studie über die Viruskonzentration in verschiedenen Altersgruppen befasst haben, und bittet ihn, ihm binnen einer Stunde, bis 16:00 Uhr, auf drei Fragen zu antworten.

Drosten veröffentlicht Piatovs Mail-Anfrage – zunächst möglicherweise versehentlich inclusive des Headers der Mail und damit der Kontaktdaten des BILD-Reporters – auf Twitter mit der Bemerkung, BILD „plant eine tendenziöse Berichterstattung über unsere Vorpublikation zu Viruslasten und bemüht dabei Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang“. Die unüblich kurze Fristsetzung kommentiert Drosten kurz und knapp: „Ich habe Besseres zu tun.“

Am 25. Mai, 16:34 Uhr, berichtet BILD in der Online-Ausgabe und am 26. Mai in der Papierausgabe auf Seite 1: „Star-Virologe Christian Drosten (48) lag mit seiner wichtigsten Corona-Studie komplett daneben. Brisant: Nach BILD-Informationen findet die Kritik auch Zustimmung in Drostens Forscherteam. Intern wurden die Fehler bereits eingestanden. Fiel die deutsche Schulpolitik einer falschen Studie zum Opfer?“

Alle vier Zitatgeber distanzieren sich von BILD

BILD zitiert die Wissenschaftler Leonhard Held (Uni Zürich), Dominik Liebl (Uni Bonn), Christoph Rothe (Uni Mannheim) und Jörg Stoye (Cornell University, New York) zwar mit Kritik an der Charité-Studie, gesprochen hat das Blatt jedoch mit keinem von ihnen.

Alle vier BILD-Kronzeugen distanzieren sich daraufhin von der Darstellung: „Ich wusste nichts von der Anfrage der BILD und distanziere mich von dieser Art, Menschen unter Druck zu setzen aufs Schärfste. Wir können uns mehr als glücklich schätzen, @c_drosten und sein Team am Wissenschaftsstandort Deutschland zu haben. They saved lifes!“ twittert Dominik Liebl. „Niemand von #Bild hat mit mir gesprochen, und ich distanziere mich ausdrücklich von dieser Art der Berichterstattung“, schreibt Christoph Rothe. Auch der in den USA forschende deutsche Statistiker Stoye geht auf Distanz: „Drosten ist ein Gigant der Virologie. Ich habe von seiner Disziplin keine Ahnung, ich bin Statistiker. Die für die Studie untersuchten Kinder tragen weniger Viren in sich als Erwachsene. Die Frage ist nun: Ist das nur Zufall? Oder ist es ein Muster? Ich glaube an Letzteres, anders als die Studie. Da sind wir tatsächlich unterschiedlicher Meinung. Ich unterstelle Professor Drosten und seinen Mitautoren jedoch keine Intention, schon gar keine bewusste Irreführung.“

Auch Briten gehen auf Distanz

Obwohl sich die vier deutschen Kronzeugen der BILD-These, eine Studie des Virologen „über ansteckende Kinder“ sei „grob falsch“, am 26. Mai von der Berichterstattung des Blattes distanzieren, legt BILD am 27. Mai nach – nun mit zwei britischen Wissenschaftlern als Gewährsmännern. Doch auch die Briten distanzieren sich umgehend von BILD.

Vom „Spiegel“ auf die BILD-Berichterstattung über Drosten angesprochen, bestreitet Chefredakteur Julian Reichelt eine „Anti-Drosten-Kampagne“. Dieser Vorwurf sei „Quatsch und frei erfunden.“ Vielmehr führten andere Medien wie „Spiegel“ und „FAZ“ eine „üble Kampagne gegen die vollkommen legitime Berichterstattung der BILD“. Er sei verwundert, „dass wir beim Thema Heiligenverehrung in den Medien so weit gekommen sind“. Drosten hätte aus einer Vorstudie „keine politische Handlungsempfehlung ableiten dürfen“, hält Reichelt dem Virologen vor.

Nicht das erste "Totalversagen" des BILD-Autors

Georg Streiter, von 2011 bis 2018 stellvertretender Regierungssprecher und von 2005 bis 2009 BILD-Ressortleiter Politik („Wir sind Papst!“), rügt Stil und handwerkliche Fehler: „Selbst wenn man die nur als niederträchtig zu bezeichnenden „Recherche“-Methoden von Herrn Piatov ignoriert, bleibt festzustellen: Diese Schlagzeile ist durch NICHTS belegt. Es ist nicht das erste Totalversagen von Filipp Piatov: Im Februar 2018 fiel er auf einen „Titanic“-Mitarbeiter rein und schrieb – gegen massive Bedenken in der Redaktion - eine große Titelgeschichte über eine „Neue Schmutz-Kampagne bei der SPD“. Piatov veröffentlichte damals angebliche kompromittierende E-Mails von Juso-Chef Kühnert, die sich im Nachhinein als Fälschungen entpuppten. Selbst als die Geschichte schon öffentlich in Zweifel gezogen wurde, twittere Piatov noch: „Liebe Kritiker der Kühnert-Titelgeschichte, es handelt sich bei den E-Mails nicht um eine „plumpe Fälschung“. BILD bekam Zugang zur Mail des Informanten. Mehr im Artikel.“ Bei aller Kritik am Autoren darf man natürlich nicht vergessen, wer dafür die Verantwortung trägt. Das ist Julian Reichelt, der „Vorsitzende der Chefredaktionen“. Es ist wie bei Hundebesitzern: Das Problem befindet sich in der Regel am oberen Ende der Leine.“

Gesundheitsminister plädiert für pflegliche Debattenkultur

Im Streit zwischen BILD und Drosten hat sich nun auch Gesundheitsminister Jens Spahn zu Wort gemeldet. „Mir ist wichtig, dass Politik und Wissenschaft miteinander eine Debattenkultur pflegen und immer sagen, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse entwickeln. Die Wahrheit ist, dass wir aktuell eine Studienlage haben, die keine echten Schlüsse zulässt, inwieweit Kinder zur Verbreitung des Virus beitragen. Da gibt es sehr unterschiedliche Bewertungen – und das macht es besonders schwer, politische Entscheidungen zu treffen.“

BILD-Chef vergleicht Corona- mit Flüchtlingskrise

Die hochkochende Debatte um den Umgang mit dem Coronavirus führt Reichelt darauf zurück, dass Deutschland gegenwärtig in zwei Lager zerfalle: Die eine Seite bestehe aus „Hygiene-Demonstranten“, angetrieben auch von Verschwörungstheoretikern. Die andere Seite „verehrt und vergöttert alles, was aus dem Komplex Bundesregierung oder Christian Drosten an Politik hervorgegangen ist, und erwartet, dass das nicht zu hinterfragen ist“. In wenigen Wochen, so prognostiziert Reichelt, würden sich die beiden Lager „ähnlich unversöhnlich gegenüberstehen wie in der Flüchtlingskrise“ – Wunschdenken eines ehemaligen Kriegsreporters?

Beschwerde von Friede Springer, Auflagenschwund am Kiosk

Bei Verlegerin Friede Springer kann Reichelt mit seinem „aggressiven Kampagnenjournalismus“ nicht punkten: Sie habe sich unlängst „sehr emotional“ beim Vorstand über den BILD-Chefredakteur beschwert, heißt es im Haus. Und auch am Kiosk hat Reichelt mit seiner extremen Polarisierung und Zuspitzung keinen Erfolg: Seit seinem Antritt als Vorsitzender der BILD-Chefredaktionen im Februar 2017 ist die verkaufte Auflage von 1,79 Millionen auf 1,36 Millionen Exemplare zurückgegangen.

Zitierte Wissenschaftler distanzieren sich von BILD-Kampagne gegen Charité-Virologen Christian Drosten. Credit: BILD

+++ Pfingsten: aktuelle Corona-Regeln im Überblick +++

30. Mai 2020

Während Städtereisen ins europäische Ausland und Kurzurlaube außerhalb der deutschen Grenzen derzeit noch nicht möglich sind, lassen immer mehr Bundesländer einheimische Touristen zu Pfingsten ins Land. Ein aktueller Überblick:

Baden-Württemberg
Restaurants dürfen wieder öffnen, auch Ferienwohnungen, soweit dort die Selbstversorgung möglich ist. Touristisches Camping ist ebenfalls wieder zugelassen. Hotels dürfen von Freitag, 29. Mai, an wieder öffnen, also rechtzeitig zum Pfingstwochenende. Während Museen wieder öffnen dürfen, bleiben Kinos vorerst geschlossen.

Weitere Corona-Infos: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/

Bayern
Gaststätten und Biergärten dürfen ihre Außenbereiche öffnen, ihre Innenräume von Montag, 25. Mai, an. Hotels und Ferienwohnungen sollen von Sonnabend, 30. Mai, an öffnen dürfen. Dauercamper dürfen bereits jetzt auf ihre Campingplätze zurückkehren. Touristisches Camping ist dagegen erst vom 30. Mai an erlaubt. Museen sind geöffnet, Kinos bleiben fürs Erste geschlossen.

Weitere Corona-Infos: https://www.corona-katastrophenschutz.bayern.de/faq/index.php

Berlin
Restaurants dürfen von 6 bis 22 Uhr, Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen von Montag, 25. Mai, an öffnen. Museen haben geöffnet, Kinos müssen vorerst geschlossen bleiben.

Weitere Corona-Infos: https://www.berlin.de/corona/

Brandenburg
Restaurants dürfen öffnen, die Öffnungszeiten sind allerdings eingeschränkt. Ferienwohnungen dürfen bereits heute Gäste aufnehmen, Hotels und Campingplätze von Montag, 25. Mai, an. Dauercamper dürfen bereits jetzt auf ihre Campingplätze zurückkehren. Museen können wieder öffnen, Kinos dagegen vorerst nicht.

Weitere Corona-Infos: https://kkm.brandenburg.de/kkm/de/corona/regionale-informationen/

Bremen
Restaurants dürfen öffnen, Gäste müssen sich mit Namen und Kontaktdaten eintragen. Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen dürfen ebenfalls öffnen. Auch Museen sind geöffnet, Kinos bleiben zunächst geschlossen.

Weitere Corona-Infos: https://www.bremen.de/corona

Hamburg
Restaurants dürfen ebenso wie Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen öffnen. Auch Museen sind geöffnet, Kinos bleiben zunächst geschlossen.

Weitere Corona-Infos: https://www.hamburg.de/coronavirus/

Hessen
Restaurants dürfen öffnen, Gäste müssen sich mit Namen und Kontaktdaten eintragen. Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen dürfen ebenfalls öffnen. Auch Museen sind geöffnet. Kinos dürfen prinzipiell ebenfalls öffnen, sofern sie die Hygiene- und Abstandsregeln gewährleisten können.

Weitere Corona-Infos: https://www.hessen.de/fuer-buerger/aktuelle-informationen-zu-corona-hessen

Mecklenburg-Vorpommern
Restaurants dürfen öffnen; pro Tisch muss ein Gast seine Kontaktdaten hinterlassen. Für Mecklenburger und Pommer sind die Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen bereits geöffnet, alle anderen dürfen erst vom Montag, 25. Mai, an einreisen – Ausnahme: Touristen aus Risikogebieten und Landkreisen, in denen die Grenze von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten wurde, dürfen nicht einreisen. Museen dürfen wieder öffnen, Kinos möglicherweise in der kommenden Woche.

Weitere Corona-Infos: https://www.regierung-mv.de/corona/

Niedersachsen
Die Nordseeinseln bleiben für Tagestouristen vorerst gesperrt. Restaurants und Campingplätze dürfen öffnen, jedoch nur jeden zweiten Platz vergeben. Auch Ferienwohnungen dürfen wieder vermietet werden. Von Montag, 25. Mai, an dürfen Hotels mit maximal halber Auslastung öffnen. Sowohl für Campingplätze, als auch für Ferienhäuser und Ferienwohnungen gibt es eine Wiederbelegungssperre von mindestens sieben Tagen. Museen können wieder öffnen, Kinos bleiben vorerst geschlossen.

Weitere Corona-Infos: https://www.niedersachsen.de/Coronavirus

Nordrhein-Westfalen
Restaurants dürfen öffnen, Gäste müssen sich mit Namen und Kontaktdaten eintragen. Ferienwohnungen, Campingplätze und Hotels dürfen wieder touristisch genutzt werden. Museen sind bereits offen, Kinos dürfen mit reduzierten Besucherzahlen von Sonnabend, 30. Mai, an wieder betrieben werden.

Weitere Corona-Infos:  https://www.land.nrw/corona

Rheinland-Pfalz
Restaurants und Gaststätten dürfen mit beschränkten Öffnungszeiten öffnen; Stühle an der Theke bleiben leer. Gäste müssen sich mit Namen und Kontaktdaten eintragen. Ferienwohnungen, Campingplätze und Hotels dürfen ohne Einschränkungen öffnen. Museen dürfen wieder öffnen, Kinos sollen von Montag, 27. Mai, an öffnen dürfen.

Weitere Corona-Infos: https://corona.rlp.de/de/service/faqs/

Saarland
Restaurants dürfen öffnen, Gäste müssen vorab reservieren und ihre Kontaktdaten hinterlassen. Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen dürfen erneut für den Tourismus öffnen. Museen und Kinos sind ebenfalls geöffnet.

Weitere Corona-Infos: https://corona.saarland.de/DE/home/home_node.html

Sachsen
Restaurants dürfen wieder öffnen; die Speisekarten müssen abwischbar sein. Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen können öffnen. Museen sind wieder geöffnet, Kinos dagegen noch geschlossen.

Weitere Corona-Infos: https://www.coronavirus.sachsen.de/index.html

Sachsen-Anhalt
Restaurants dürfen wieder öffnen. Gleiches gilt für Campingplätze. Ferienwohnungen und Hotels stehen zunächst Gästen aus dem eigenen Bundesland offen. Besucher aus anderen Regionen müssen sich noch gedulden. Museen dürfen öffnen, Kinos sind dagegen noch geschlossen.

Weitere Corona-Infos: https://ms.sachsen-anhalt.de/themen/gesundheit/aktuell/coronavirus/

Schleswig-Holstein
Die Nordseeinseln Sylt, Amrum und Föhr bleiben für Tagestouristen vorerst gesperrt. Die Ostseeinsel Fehmarn ist dagegen zugänglich. Restaurants sind offen, auch Hotelaufenthalte sind möglich. Museen sind offen, Kinos dürfen mit reduzierten Besucherzahlen öffnen.

Weitere Corona-Infos: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Schwerpunkte/Coronavirus/coronavirus_node.html

Thüringen
Restaurants, Hotels, Campingplätze, Ferienwohnungen und Museen dürfen ohne Einschränkungen öffnen. Für Kinos steht der Öffnungstermin noch aus.

Weitere Corona-Infos: https://corona.thueringen.de/

Die Nordseeinseln Sylt, Amrum und Föhr bleiben für Tagestouristen vorerst gesperrt. Credit: dronepicr

+++ Verdoppelung des Corona-Kulturprogramms „Neustart“ +++

22. Mai 2020

Das Corona-Kulturprogramm „Neustart“ wird um zehn auf 20 Millionen Euro aufgestockt. Mit "Neustart" will Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, kleine und mittlere Kultureinrichtungen fit für die Wiedereröffnung nach dem Shutdown machen.

Gefördert werden Investitionen zwischen 10.000 und 50.000 Euro, beispielsweise der Einbau von Schutzvorrichtungen und die Optimierung der Besuchersteuerung. Damit soll das Programm einen Beitrag zur Revitalisierung der kulturellen Infrastruktur leisten.

Antragsberechtigt sind Museen, Ausstellungshallen, Gedenkstätten, Veranstaltungsorte, soziokulturelle Zentren und Kulturhäuser. Innerhalb von drei Wochen sind bereits über tausend Anträge eingegangen. Die Vergabe erfolgt nach dem „Windhund-Prinzip“ – Anträge sollten daher so schnell wie möglich gestellt werden.

https://antrag.soziokultur.de/neustart/

Monika Grütters, Kulturbeauftragte der Bundesregierung, stockt das Corona-Kulturprogramm „Neustart“ auf 20 Millionen Euro auf. Credit: Elke A. Jung-Wolff

+++ Mehrheit gegen weitere Corona-Lockerungen +++

15. Mai 2020

Die vor einer Woche von Bund und Ländern gelockerten Alltagseinschränkungen hatte die Bevölkerung mehrheitlich befürwortet. 54 Prozent der Bundesbürger hatten sich in einer vom ARD-Morgenmagazin in Auftrag gegebenen infratest-dimap-Umfrage für eine größere Lockerung der Maßnahmen ausgesprochen, 41 Prozent waren dagegen für ein Festhalten an bestehende Einschränkungen.

Auf die Frage nach weitergehende Normalisierungsschritte antworten die Bundesbürger aktuell dagegen zurückhaltender: 40 Prozent stehen ihnen positiv gegenüber, 56 Prozent sind eher ablehnend und plädieren für die Beibehaltung der derzeit bestehenden Einschränkungen. Weitere Lockerungen befürworten weiterhin vor allem die Anhänger von FDP (63 Prozent) und AfD (61 Prozent).

Mehrheit gegen Wiederaufnahme der Bundesliga

Mit 56 Prozent äußert sich mehr als die Hälfte der Bundesbürger kritisch über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs der Fußball-Bundesliga. Lediglich 31 Prozent halten die Fortsetzung der Bundesliga zum jetzigen Zeitpunkt für richtig. Auch unter denjenigen, die sich insgesamt weitere Lockerungen wünschen, votieren nur 40 Prozent für die Fortsetzung des Liga-Betriebs, 45 Prozent äußern dagegen Zweifel an der Wiederaufnahme der Saison.

Impfstoff in frühestens zwei Jahren

Vasant Narasimhan, seit Februar 2018 Chief Executive Officer des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, hat die Hoffnungen auf einen kurzfristig verfügbaren Impfstoff gegen Covid-19 gedämpft: „Wenn alles so läuft, wie wir es erhoffen, dürfte es 24 Monate dauern, bis wir einen Impfstoff haben.“

100 Milliarden Euro für EU-Kurzarbeiterprogramm

Die EU hat sich auf Details ihres angekündigten Kurzarbeiterprogramms „Sure“ geeinigt: Mithilfe von Garantien der Mitgliedsländer über 25 Milliarden Euro, wird die EU-Kommission bis zu 100 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen und als preiswerte Kredite für Kurzarbeiterhilfen an EU-Staaten weiterreichen. „Sure“ ist ein Element im 500-Milliarden-Euro-Paket, das die EU-Finanzminister Anfang Februar ausgehandelt haben. Die Staats- und Regierungschefs haben das Paket bereits gebilligt. Alle Hilfen sollen vom 1. Juni an bereitstehen. Gedacht sind die Hilfen vor allem für jene EU-Staaten, die von Pandemie und Wirtschaftskrise am stärksten betroffen sind, wegen hoher Verschuldung selbst jedoch nicht so günstige Konditionen am Kapitalmarkt bekommen wie die EU-Kommission.

Corona kostet in diesem Jahr 8,8 Billionen Dollar

Allein in diesem Jahr wird die Corona-Pandemie zu einer weltwirtschaftlichen Einbuße von bis zu 8,8 Billionen Dollar führen, schätzt die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) – knapp zehn Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Im April lag die Prognose noch bei bis zu 4,1 Billionen Dollar.

36 Millionen US-Amerikaner arbeitslos

In den vergangenen zwei Monaten haben 36 Millionen US-Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Damit stieg die US-Arbeitslosenquote auf 14,7 Prozent im April. Im Mai dürfte die Quote bereits bei etwa 20 Prozent liegen. Es handelt sich um die dramatischste Lage am Arbeitsmarkt seit dem Zweiten Weltkrieg – in elf Bundesstaaten ist nach Angaben der US-Handelskammer mehr als ein Viertel der Beschäftigten arbeitslos.

Sechs Monate vor der Wahl sieht sich US-Präsident Donald Trump mit 20 Prozent Arbeitslosigkeit konfrontiert. Credit: White House

+++ Urlaubsaison 2020 wird wegen Corona ganz anders +++

9. Mai 2020

Seit wenigen Tagen sind die Strände an Nord- und Ostsee für Besitzer von Ferienimmobilien mit gemeldetem Zweitwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wieder zugänglich, und vom 25. Mai an dürfen dort Unterkünfte für Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet öffnen.

Bei vielen wächst derzeit die Sehnsucht nach ein, zwei Wochen Sommerurlaub. Doch wo wird das möglich sein angesichts von Ausgangsverboten und Reisebeschränkungen? Erstmals in seiner Geschichte hat das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung für alle nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland ausgesprochen.

"Urlaubsaison 2020 wird ganz anders"

"Wer aktuell ins Ausland reist, weiß nicht, ob er überhaupt wie geplant nach Deutschland zurückkehren kann", warnt Bundesaußenminister Heiko Maas. "Der internationale Flugverkehr liegt am Boden, viele Grenzen sind geschlossen, und es bestehen auch innerhalb der Urlaubsländer Ausgangssperren und Reisebeschränkungen. Die Urlaubsaison 2020 wird ganz anders, als wir es zuletzt gewohnt waren, das lässt sich schon jetzt sagen. Und sie wird anders, als wir uns das alle unter normalen Umständen wünschen."

Urlaubsdestinationen im Einzelnen

Belgien


Seit 20. März 2020 werden von den belgischen Behörden Grenzkontrollen durchgeführt. Nicht zwingend notwendige Grenzübertritte sind verboten, vor allem Reisen zu touristischen Zwecken. Das Reiseverbot gilt auch für Personen mit Zweitwohnungen in Belgien. ICE und Lufthansa verkehren selten, Brussels Airlines hat alle regulären Flüge bis einschließlich 15. Mai 2020 storniert. Restaurants dürfen frühestens vom 8. Juni an wieder öffnen, Cafés und Bars sollen später folgen.

Belgiens größter Badeort Ostende erwägt, in diesem Sommer Belgier bei der Quartiervergabe zu bevorzugen und einen Strandpass einzuführen, der den Zugang zu den Stränden beschränkt.

Dänemark

Seit dem 14. März 2020 sind die Grenzen geschlossen, das Land hat einen Einreisestopp verhängt. Dies gilt für alle Einreisen nach Dänemark, für die keine wichtigen Gründe vorliegen. Reisende müssen diese Gründe durch Dokumente am Grenzübergang bei der Einreise belegen können. Jeder einzelne Einreisefall wird durch die Grenzbeamten geprüft und entschieden. Ferienreisen, Urlaube, normale Familienbesuche und Dienstreisen werden nicht als wichtige Gründe anerkannt, die Einreise wird verweigert. Bis zum 1. Juni soll entschieden werden, ob die Grenzkontrollen verlängert oder beendet werden.

Frankreich

Bis zum 15. Juni sollen "geschlossene Grenzen die Regel und Öffnungen die Ausnahme" bleiben. Nur wer einen "triftigen Grund" hat, darf nach Frankreich einreisen. Seit dem 6. April müssen Einreisende eine internationale Einreisebescheinigung mit sich führen, die sie auf der Website der französischen Botschaft Berlin herunterladen und vor Einreise selbst ausfüllen müssen.

Nach dem 15. Juni soll es eine schrittweise, mit den EU-Partnern abgestimmte Öffnung der Grenzen geben. In "grünen" Departements mit geringen Infektionszahlen wie Bretagne, Atlantikküste und Mittelmeer könnten Anfang Juni die Restaurants und Cafés wieder öffnen, sofern deren Bürgermeister einen schlüssigen Plan haben, wie sie den Abstandsregeln Geltung verschaffen wollen. "Rote" Departements mit hohen Infektionszahlen wie Hauptstadtregion, Lothringen, Elsass und Burgund bleiben dagegen vorerst weitgehend geschlossen.

Griechenland

Die Ein- bzw. Ausreise auf dem Land- und Seeweg nach und aus Griechenland ist derzeit für deutsche Staatsangehörige nicht möglich. Der übliche Fährverkehr für den Passagierverkehr wurde eingestellt. Flugverbindungen können ebenfalls kurzfristig entfallen. Alle einreisenden Personen müssen damit rechnen, bei Einreise einem COVID-19-Test unterzogen zu und hierfür von den zuständigen Behörden in einem Hotel untergebracht werden. Einreisende müssen sich in jedem Fall in eine 14-tägige Hausquarantäne begeben.

Ab Juli sollen auch ausländische Touristen kommen dürfen – wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können, der noch im Abreiseland gemacht werden muss. Für Länder, in denen die Verbreitung des Virus ähnlich erfolgreich eingehegt wurde wie bisher in Griechenland, sollen „sichere Reisekorridore“ geschaffen werden; Touristen aus diesen Ländern sollen bevorzugt einreisen dürfen.

Italien

Im gesamten Land gilt eine Notfallverordnung. Die Einreise nach Italien ist nur gestattet, wenn es sich um nachweisbare berufsbedingte Fahrten, gesundheitliche Gründe oder sonstige absolute Notwendigkeit handelt. Dies müssen Reisende in Form einer schriftlichen, überprüfbaren Einreiseerklärung darlegen. Über die Anerkennung der im Einzelfall vorgebrachten Gründe entscheidet die italienische Grenzpolizei bei der Einreise.

Im Falle der Einreise mit einem Beförderungsunternehmen müssen Reisende beim Einstieg in das Transportmittel dem Beförderer diese Einreiseerklärung übergeben und ihm eine Prüfung der gemachten Angaben ermöglichen. Die Beförderer müssen vor dem Einstieg die Körpertemperatur der Reisenden prüfen und bei Fieber den Einstieg verweigern. Nach der Einreise nach Italien besteht die Pflicht zur Anzeige der Einreise beim örtlichen italienischen Gesundheitsamt und die Pflicht zu 14-tägiger Isolation in Italien.

Einige wenige Flugverbindungen mit Lufthansa, Alitalia und Eurowings bestehen fort. Der Betrieb italienischer Passagier- und Kreuzfahrtschiffe ist ausgesetzt. Das Anlegen von unter ausländischer Flagge fahrenden Passagier- und Kreuzfahrtschiffen in italienischen Häfen ist verboten.

In ganz Italien gelten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Nicht notwendige Fortbewegungen sollen vermieden werden. Mit Kontrollen ist landesweit zu rechnen. Eine Selbsterklärung über die Notwendigkeit der Fahrt muss bei jeder Fortbewegung ausgefüllt mitgeführt werden.

Kroatien

Am 19. März 2020 hat das Land eine generelle Einreisesperre verhängt. Ausgenommen sind kroatische Staatsangehörige, die nach Kroatien zurückkehren, sowie Angehörige bestimmter Berufsgruppen. Einreisende unterliegen einer 14-tägigen häuslichen Quarantänepflicht.

Vom 11. Mai an sollen Hotels und Campingplätze in Istrien wieder öffnen. Kroatien wird voraussichtlich Ende Mai zunächst die Grenzen nach Slowenien öffnen, im Juni auch für Reisende aus anderen Ländern, sofern diese einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen können.

Wie Griechenland, so strebt auch Kroatien für diesen Sommer "Tourismuskorridore" mit Ländern wie Deutschland, Österreich, Tschechien und Ungarn an; Touristen aus diesen Ländern müssen sich auf direktem Wege an ihren gebuchten Urlaubsort begeben. Freies Umherreisen im Land selbst ist unerwünscht. Hotels sollen Verfahren zum digitalen Einchecken entwickeln, bei denen Gäste und Personal nicht miteinander in Berührung kommen. Zimmertüren sollen per App geöffnet werden können. Apartments sollen Schlüsselboxen verfügen, damit sich Vermieter und Mieter nicht begegnen. Restaurants sollen nur Außenbereiche zugänglich machen.

Niederlande

Zwischen den Niederlanden und Deutschland finden derzeit keine Grenzkontrollen statt. Jedoch sind bei der Rückreise nach Deutschland die Quarantäne-Regelungen der Bundesländer zu beachten.

Alle Flugreisenden von Flughäfen in Risikogebieten müssen mindestens bis zum 20. Mai 2020 ein vor Reiseantritt am Flughafen ausgefülltes Gesundheitszeugnis mit sich führen. In Deutschland sind Flughäfen in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen betroffen. Wird eine der Fragen im Formular mit "Ja" beantwortet, wird die Einreise verweigert.

In der Provinz Zeeland und in den Regionen Twente und Rijnmond-Rotterdam sind alle Übernachtungen zu touristischen Zwecken verboten. Restaurants, Strandlokale, Museen, die meisten Geschäfte sowie Strände und Parkplätze an der Nordsee sind geschlossen. Diese Maßnahmen gelten mindestens bis zum 1. Juni. Danach dürfen Cafés und Restaurants ihre Außenbereiche wieder öffnen, jedoch für maximal 30 Personen unter Wahrung des Abstandsgebots.

Norwegen

Seit dem 16. März 2020 ist die Einreise für ausländische Staatsangehörige nur noch möglich, sofern sie einen dauerhaften Wohnsitz in Norwegen bzw. eine norwegische Aufenthaltserlaubnis haben oder Angehörige eines EWR-Staates sind und in Norwegen arbeiten. Einreisende müssen sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

Die größeren Flughäfen bleiben offen; eine Ausreise per Flugzeug ist grundsätzlich möglich. Die Reedereien Color Line und Fjord Line bieten nur noch einzelne Fährverbindungen nach Dänemark an.

Österreich

Vom 15. Mai an können Gastronomiebetriebe unter strengen Auflagen Gäste empfangen, ab 29. Mai sollen auch Hotels, Tourismusbetriebe und Sehenswürdigkeiten wieder öffnen. Personen, die von Deutschland nach Österreich einreisen wollen, müssen im Rahmen der Grenzkontrolle ein ärztliches Zeugnis (molekularbiologischer Test – nicht älter als vier Tage) vorweisen.

Schweden

Einreisen aus der EU sind zwar nicht strikt verboten, doch warnt die schwedische Regierung vor allen nicht notwendigen, touristischen Reisen. Auch rät sie aktuell von Reisen innerhalb Schwedens ab, u.a. wegen der dadurch drohenden Überlastung des örtlichen Gesundheitswesens weniger dicht besiedelter Landesteile. Auch für den Sommer erwarten die schwedischen Behörden eine anhaltend hohe Beanspruchung des Gesundheitswesens.

Spanien

Vorerst bis zum 15. Mai 2020 gilt ein Einreiseverbot für alle Ausländer nach Spanien; ausgenommen sind Bürger des Schengenraums, die sich auf der Rückreise zu ihrem Wohnsitz befinden. Zu den Balearen und den Kanaren gibt es seit dem 19. März 2020 nur noch wenige Flüge vom spanischen Festland aus. Internationale Flüge können zwar weiter landen, derzeit fliegt jedoch nur Lufthansa Madrid und Barcelona einmal täglich an. Auf die Kanaren und Balearen bestehen keine direkten Flugverbindungen. Spanische Häfen sind für Kreuzfahrtschiffe gesperrt. Die meisten Geschäfte sowie alle Hotels, Ferienwohnungen und Camping- und Wohnmobilstandplätze sind geschlossen.

Türkei

Vom 15. Juni an dürfen deutsche Staatsbürger wieder in die Türkei einreisen. An jenem Tag will Turkish Airlines seine internationalen Flüge wieder aufnehmen. Dann soll es auch wieder möglich sein, sich frei und ohne Einschränkungen im Land zu bewegen. Vom 1. Juni an sind die Hotels wieder für einen normalen Betrieb geöffnet; für Privatunterkünfte gab es keine Einschränkungen.

In Venedig gilt derzeit wie in ganz Italien eine Notfallverordnung. "Die Urlaubsaison 2020 wird anders", sagt Außenminister Heiko Maas. Credit: Benh Lieu Song, WikiCommons

+++ "Neue Normalität": Robert-Koch-Institut stellt Briefing ein +++

7. Mai 2020

Die heutige live übertragene Lageeinschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) war die letzte. Seit März hatten RKI-Präsident Lothar Wieler und Vizepräsident Lars Schaade zunächst werktäglich und dann zweimal pro Woche über die Entwicklung der Corona-Krise informiert. Weil in Berlin morgen Feiertag ist, verabschiedete sich Schaade bereits heute von Presse und Öffentlichkeit: "Wir werden wieder Briefings anbieten, aber anlassbezogen und nicht mehr regelmäßig."

Zugleich machte Schaade noch einmal deutlich, dass die Pandemie keineswegs beendet sei, sondern noch "am Anfang stehe" und sich noch viele Monate hinziehen könne. Auch eine "zweite Welle" sei möglich – eventuell bereits im August und September. "Es gibt eine neue Phase der Pandemie", betonte Schaade.

"Wir gehen einen mutigen Weg"

Auch die gestrige Videoschaltkonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Regierungschefs der Länder wird vorerst die letzte sein: Die Länder treiben weitere Lockerungen voran, und die Kanzlerin lässt sie weitgehend gewähren. "Wir gehen einen mutigen Weg", sagt Merkel mahnend. Die Pandemie sei zwar "einigermaßen unter Kontrolle", doch sei dies "eine Momentaufnahme".

Bereits im Vorfeld der gestrigen Schaltkonferenz hatten zahlreiche Ministerpräsidenten im Alleingang Lockerungen für ihre Bundesländer verkündet und waren damit von Merkels Politik der Behutsamkeit abgerückt. Seit gestern tragen sie damit die Verantwortung für die "neue Normalität" und die Folgen ihrer Maßnahmen, von der Kinderbetreuung bis zur Gastronomie.

Sollte die Zahl der Infektionen in einer Region jedoch ein bestimmtes Maß übersteigen, muss das betroffene Land die Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder hochfahren. Dabei legten die Regierungschefs den Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche fest. Wird dieser überschritten, werden wieder neue Beschränkungen verhängt.

"Nachhaltiges Schutzkonzept statt Rein-Raus-Politik"

Dem Virologen Alexander Kekulé gehen die gestern beschlossenen Lockerungen zu schnell: Die Nachverfolgbarkeit von Infektionen sei "noch nicht so weit wie gewünscht", auch Risikogruppen seien noch nicht hinreichend geschützt, sagte Kekulé heute im ZDF. Durch die nun vereinbarten Lockerungen werde "das Niveau der Sicherungen reduziert", was zu einem "viralen Sturm im Herbst führen" könne, warnt der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle. Wichtig sei "ein nachhaltiges Schutzkonzept", keine Politik des "rein – raus".

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet macht sich seit längerem für Lockerungen stark. Credit: Olaf Kosinsky, WikiCommons

+++ Bundesregierung tritt "Impfzwang"-Falschmeldungen entgegen +++

6. Mai 2020

Die Große Koalition ist in Social Media gestreuten Spekulationen und Falschmeldungen entgegengetreten, ein "Impfzwang" gegen das Coronavirus sei bereits beschlossene Sache. Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich bereits wiederholt gegen eine Impfpflicht ausgesprochen. Er habe den Eindruck, die allermeisten Bürger würden sich freiwillig impfen lassen, sobald ein Corona-Impfstoff verfügbar sei: "Wo Freiwilligkeit zum Ziel führt, braucht es keine gesetzliche Pflicht." SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas pflichtet Spahn bei: "Auch dann, wenn wir einen Impfstoff haben und mehr über eine mögliche Immunität wissen, gilt für uns: Es darf keine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Infizierten und Nicht-Infizierten geben. Es kann und es wird keine Impfpflicht geben. Eine Corona-Impfpflicht stand nie im Gesetzentwurf, zu keinem Zeitpunkt", betont Bas.

Lange vor Corona: Infektionsschutzgesetz gilt seit 2001

Stein des Anstoßes ist zum einen der Infektionsschutzgesetz-Paragraph 20 Abs. 6: "Das Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates anzuordnen, dass bedrohte Teile der Bevölkerung an Schutzimpfungen oder anderen Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe teilzunehmen haben, wenn eine übertragbare Krankheit mit klinisch schweren Verlaufsformen auftritt und mit ihrer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist." Mit dem Coronavirus hat das Infektionsschutzgesetz jedoch nichts zu tun, es stammt aus dem Jahre 2001.

Von Impfpflicht nirgends die Rede

Mit dem Paragraphen vermengt wird in den Social Media ein aktueller Entwurf ("Formulierungshilfe") zur Reform des Infektionsschutzgesetzes; in Paragraph 28 Abs. 1, Satz 3 heißt es: "Soweit von individualbezogenen Maßnahmen abgesehen werden soll oder Ausnahmen allgemein vorgesehen werden, hat die betroffene Person durch eine Impf- oder Immunitätsdokumentation nach §22 oder ein ärztliches Zeugnis nachzuweisen, dass sie die bestimmte übertragbare Krankheit nicht oder nicht mehr übertragen kann." Von einer Impfpflicht ist in der "Formulierungshilfe" nirgends die Rede.

Deutscher Ethikrat um Stellungnahme gebeten

Doch noch bevor der Gesetzentwurf überhaupt in den Bundestag kommt, ist das Vorhaben "Impf- oder Immunitätsdokumentation" auch schon wieder vom Tisch. Wissenschaftler wenden ein, eine Immunität nach einer Corona-Infektion sei zwar möglich, aber nicht erwiesen. Die bisherigen Antikörpertests sind noch recht unzuverlässig, und auch Daten- und Patientenschützer haben Vorbehalte: Der geplante Immunitätsausweis sei "zutiefst diskriminierend" und spalte die Gesellschaft, kritisiert Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnt, eine Impf- oder Immunitätsdokumentation könne dazu führen, dass Menschen sich "auch aus wirtschaftlicher Not" absichtlich infizieren, sofern eine Immunität Voraussetzung sei, um eine bestimmte Tätigkeit auszuüben.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat das Thema nun zunächst dem Deutschen Ethikrat mit der Bitte um eine Stellungnahme übergeben. Ob eine Impf- oder Immunitätsdokumentation sinnvoll sei, solle "in Ruhe abgewogen und debattiert werden", sagt Spahn. Die 26 Mitglieder des Ethikrates kommen am 28. Mai zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen; sie werden sich bereits in ihrer ersten Sitzung mit diesem heiklen Thema befassen.

Gesundheitsminister Spahn lässt Impf- oder Immunitätsdokumentation von Deutschem Ethikrat prüfen. Credit: Stephan Baumann WikiCommons

+++ Neuer Roche-Antikörpertest bereits im Mai verfügbar +++

4. Mai 2020

In Anwesenheit von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gab Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz heute den Startschuss zur Massenproduktion des Elecsys Anti-SARS-CoV-2. Hierfür investiert das größte Biotech-Unternehmen der Welt 170 Millionen Euro in den Ausbau seiner biochemischen Anlagen im bayerischen Penzberg.

Wichtiger Baustein im Kampf gegen Corona-Virus

Bereits im Mai sollen diese Tests an Gesundheitseinrichtungen in Deutschland ausgeliefert werden. "Antikörpertests helfen uns zu wissen, wer eine Corona-Infektion schon durchgemacht hat", hob Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Bedeutung dieser Roche-Innovation hervor. "So gewinnen wir Erkenntnisse über das tatsächliche Ausbruchsgeschehen. Sobald gesicherte Erkenntnisse über eine mögliche Immunität nach durchgemachter Infektion vorliegen, gewinnen die Tests noch größere Bedeutung. Die Kooperation mit Roche ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen das Corona-Virus."

Monatlich hohe zweistellige Millionenzahl an Tests

"Wir sind stolz, heute mit Elecsys Anti-SARS-CoV-2 einen besonders hochwertigen Test anbieten zu können", erläuterte Franz und ergänzte: "Die Auswertung tausender Proben in kürzester Zeit bestätigt eine sehr hohe Testspezifität von 99,8 Prozent". Mit Hochdruck arbeite Roche daran, die Produktionskapazität auf eine hohe zweistellige Millionenzahl monatlich hochzufahren.

Im Laufe der nächsten vier Jahre wird Roche weitere 250 Millionen Euro in seinen Standort Penzberg investieren und hier die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für diagnostische Tests zu bündeln; bereits heute ist Penzberg mit rd. 6.400 Arbeitsplätzen das größte europäische biotechnologische Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionszentrum des Schweizer Unternehmens.

USA genehmigen Roche-Test in Notfallsituationen

Gestern hatte Roche bekanntgegeben, dass die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) für den neuen Elecsys®-Anti-SARS-CoV-2-Antikörpertest des Unternehmens die Genehmigung zur Verwendung in Notfallsituationen (Emergency Use Authorization, EUA) erteilt hat. Die ersten Packungen haben das Lager in Mannheim bereits verlassen, um ab sofort weltweit die Gesundheitssysteme der Länder in der aktuellen Krisensituation bestmöglich zu unterstützen.

Im bayerischen Penzberg nimmt Roche nun die Massenproduktion des Tests "Elecsys Anti-SARS-CoV-2" auf. Credit: Roche

+++ Negativer Corona-Test in 14 Bundesliga-Clubs +++

3. Mai 2020

Bei mindestens 14 Fußball-Bundesligisten sind die ersten Untersuchungen auf das Coronavirus negativ ausgefallen. Nach den bekannt gewordenen positiven Resultaten der Spieler Niklas Hauptmann und Ismail Jakobs beim 1. FC Köln ist die Situation "nur noch an drei Standorten undurchsichtig", schreibt heute Abend der "kicker". Ergebnisse vom FC Augsburg liegen noch nicht vor, Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig wollen "keine Zwischenergebnisse zwischen den Testreihen bekannt geben beziehungsweise sich nur im Wochenrhythmus äußern."

Am Donnerstag hatten die Vereine der Bundesliga und 2. Liga mit den Tests begonnen, um auszuschließen, dass infizierte Spieler am Mannschaftstraining teilnehmen, das - die Genehmigung der Behörden vorausgesetzt - in der kommenden Woche starten soll.

1. FC Köln ins Quarantäne-Trainingslager?

Nach dem positiven Corona-Test der Spieler Niklas Hauptmann und Ismail Jakobs plant der 1. FC Köln im Falle der Fortsetzung der Saison in der Fußball-Bundesliga ein Quarantäne-Trainingslager in der Sportschule Hennef. Die Corona-infizierten Spieler mussten in 14-tägige Quarantäne, das Training der übrigen Spieler soll unter Berücksichtigung des Hygienekonzepts von morgen an wie zuvor in Kleingruppen weitergehen, sofern bei der heute durchgeführten zweiten Testung keine weiteren positiven Infektionen entdeckt werden.

Merkel kündigt "sehr klare Entscheidungen" für 6. Mai an

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für die nächste Konferenz mit den Ministerpräsidenten am 6. Mai "sehr klare Entscheidungen" für den Sport in der Coronakrise angekündigt. In der nächsten Schaltkonferenz am kommenden Mittwoch soll unter anderem die Empfehlung der Innen- und Sportminister diskutiert werden, den Spielbetrieb in der Bundesliga Mitte oder Ende Mai als "Geisterspiele" wieder aufzunehmen. Denkbar ist ein Start am 16. oder 23. Mai.

Bundesinnenminister plädiert für Wiederaufnahme

Bundesinnenminister Horst Seehofer befürwortet eine zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Fußball-Bundesliga, allerdings unter strengen Auflagen: "Ich finde den Zeitplan der DFL plausibel und unterstütze einen Neustart im Mai", sagt Seehofer heute und fügt hinzu: Bei einem Corona-Fall in einer Mannschaft während des voll angelaufenen Spielbetriebs müsse der gesamte Klub für zwei Wochen in Quarantäne. "Ich will kein Fußball-Spielverderber sein, aber was für alle gilt, gilt auch für Fußballprofis. Es bestehen also Risiken für den Spielplan und die Tabelle. Das erfordert bei allen Beteiligten hohe Disziplin bei der Corona-Vorsorge. Ich bin aber dafür, dass wir einen Versuch wagen, um das Spielgeschehen wieder zu ermöglichen."

Eine Extrawurst wird es für den Fußball jedoch nicht geben. "Es kann keine Privilegien für die Fußball-Bundesliga geben", betont Seehofer. "Es kann nicht sein, dass Profispieler öfter getestet werden als etwa Ärzte, Pfleger oder Polizisten, die in täglichem Kontakt mit den Menschen sind. Und es darf durch ein höheres Testaufkommen im Sport an keiner Stelle zu Engpässen im öffentlichen Gesundheitswesen kommen, etwa bei den Tests oder in den Laboren. Das ist für mich die Grundbedingung."

Bund und Länder wollen am 6. Mai „sehr klare Entscheidungen“ für den Sport treffen. Denkbar ist ein Start der „Geisterspiele“ am 16. oder 23. Mai. Credit: Aanderud

+++ Boris Johnson enthüllt Corona-Kampf auf Leben und Tod +++

3. Mai 2020

"
Eine derart ernste Situation habe ich noch nie erlebt", räumt Premierminister Boris Johnson heute im Interview mit der britischen Zeitung "The Sun on Sunday" ein. "Die Ärzte waren darauf vorbereitet, meinen Tod bekanntzugeben. Es war eine herausfordernde Situation, das leugne ich nicht."

Freimütig spricht der britische Regierungschef im Exklusivinterview mit der reichweitenstarken Boulevardzeitung über seine Todesangst auf der Intensivstation des Londoner St. Thomas Hospitals, wo die Ärzte ihn während seiner schweren Covid-19-Erkrankung künstlich hatten beatmen müssen. Hier im Krankenhaus wurde dem Premier bewusst, dass es kein Heilmittel gegen Covid-19 gibt. Er habe bereits mit seinem Ableben gerechnet.

"Ich wusste, dass es Notfallpläne gab"

"Es war schwer zu begreifen, dass sich meine Gesundheit innerhalb weniger Tage derart verschlechterte", sagt Johnson. Literweise habe man ihm Sauerstoff geben müssen, um ihn am Leben zu erhalten. "Ich war nicht in besonders brillanter Form, und ich wusste, dass es Notfallpläne gab. Die Ärzte hatten alle Vorkehrungen für den Fall getroffen, dass es schief geht."

Dankbar für die wunderbare Betreuung

"
Der schlimmste Moment war schließlich die Entscheidung der Ärzte, mir einen Beatmungsschlauch in die Luftröhre zu legen und darüber nachzudenken begannen, wie sie dies der Öffentlichkeit vermitteln sollten. Es ist der wunderbaren, wunderbaren Pflege zu verdanken, dass ich es geschafft habe", sagt Johnson gerührt und mit feuchten Augen. Er hält inne, atmet tief durch und fährt schließlich fort: "Ich werde emotional… es war ein außergewöhnliches Erlebnis."

17 Tage nach Entlassung zum sechsten Male Vater

Am 29. April, nur 17 Tage nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus, wurde Boris Johnson zum sechsten Male Vater; gestern veröffentlichte seine Verlobte Carrie Symonds das erste Bild des gemeinsamen Sohnes. Er heißt Wilfred Lawrie Nicholas – eine Geste der Dankbarkeit gegenüber den Ärzten Nicholas Price und Nicholas Hart, die das Leben des Premierministers retteten.

"Die Ärzte waren darauf vorbereitet, meinen Tod bekanntzugeben", sagt Premier Boris Johnson. Credit: EU2017EE Estonian Presidency

+++ Corona-Andersland Schweden "Modell für die Zukunft" +++

2. Mai 2020

Für seinen "Sonderweg" hat Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell viel Kritik einstecken müssen. Während die skandinavischen Nachbarn wie auch die meisten Länder Mitteleuropas ihren Bürgern strenge Ausgangsbeschränkungen auferlegten und das öffentliche Leben dadurch weitestgehend erlahmte, sorgten Frühlingsbilder aus Stockholm mit dichtgedrängt sitzenden Menschen in geöffneten Restaurants, regulärem Schul- und Geschäftsbetrieb für ungläubiges Staunen.

Laissez-faire-Politik mit hohem Preis

Staatsepidemiologe Tegnell appellierte an die Vernunft seiner Mitbürger statt ihnen ihren bisherigen Lebensstil zu verbieten. Der Preis für diese Laissez-faire-Politik ist hoch: Die Zahl der an und mit Covid-19 verstorbenen Schweden ist mit bislang 2.669 Todesfällen nahezu 13 mal höher als im Nachbarland Norwegen mit 210 Corona-Todesfällen bei halb so vielen Einwohnern oder in einem Land mit gleicher Einwohnerzahl wie Portugal mit 1.023 Todesfällen.

Selbst 20.000 Todesfälle nicht unwahrscheinlich

Schätzungen, denen zufolge es in Schweden 8.000 oder gar 20.000 Todesfälle geben könnte, hält Tegnell für nicht unwahrscheinlich und räumt ein, diese Zahl sei weitaus höher, als er gehofft habe. Dennoch verteidigt er seinen Kurs: Strikte Verbote könnten nicht lange durchgehalten werden, doch sei eine längerfristige Lösung bis zur massenhaften Verfügbarkeit eines Impfstoffes vonnöten. Mittlerweile ist die Reproduktionszahl von 1,4 Anfang April auf 0,85 Ende April zurückgegangen.

Lob vom WHO-Exekutivdirektor

Nun bekommt Tegnell überraschend Lob von höchster Stelle. Der irische Epidemiologe Michael Joseph Ryan, ein ausgewiesener Experte für Pandemien und Exekutivdirektor des WHO-Programms für Gesundheitsnotfälle, lobt das schwedische Konzept: "Von unseren Kollegen in Schweden können wir möglicherweise lernen, wie wir zu einer Gesellschaft ohne Lockdown zurückkehren können."

"Modell für die Zukunft"

Es sei ein Missverständnis zu glauben, Schweden habe keine Maßnahmen getroffen, betont Ryan. Im Unterschied zu anderen habe man sich hier nicht auf Verbote, sondern auf die Einsicht und Bereitschaft der Bürger verlassen, sich selbst zu regulieren und Abstand zu halten. Dies sei ein "Modell für die Zukunft" zur Beendigung der getroffenen Restriktionen. Denn nun sei die Gesellschaft gefordert, ihre "physischen und sozialen Bedingungen" über einen langen Zeitraum an das Virus anpassen.

Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell hat einen "Sonderweg" eingeschlagen. Credit: Frankie Fouganthin

+++ Wirtschaft erwartet von Merkel am 6. Mai konkreten Exit-Plan +++

2. Mai 2020

Angesichts des derzeitigen Konjunktureinbruchs dringt die deutsche Wirtschaft auf ein baldiges Ende der Corona-Schutzmaßnahmen. Jede Woche Shutdown koste die Volkswirtschaft einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag an Wertschöpfung, betont Dieter Kempf, Präsident des Industrieverbandes BDI. Er fordert daher kurzfristig einen „verbindlichen Planungshorizont“: Die Unternehmen müssten nach dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ländern am 6. Mai erfahren, in welchen Stufen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder anlaufen könne.

Konjunkturerholung wahrscheinlich erst 2022

Ein Einschnitt wie der Shutdown lasse sich nicht über Monate aushalten und erzeuge massive Wohlstandsverluste und dauerhaften Schaden in Wirtschaft und Gesellschaft, warnt Kempf. Die Politik müsse jetzt daran arbeiten, den Wiedereinstieg so schnell und verlässlich wie möglich sicherzustellen, denn eine konjunkturelle Erholung werde sich „wahrscheinlich erst im übernächsten Jahr“ einstellen.

„Heben Sie den Lockdown auf, bevor es zu spät ist!“

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) stößt ins gleiche Horn. In einer Umfrage, an der sich 2.500 BVMW-Mitgliedsunternehmen beteiligt hatten, plädierten 78,8 Prozent für eine Beendigung des Lockdown spätestens Ende Mai, 34,3 Prozent forderten sogar für einen sofortigen Exit. In einem „Offenen Brief“ des BVMW an die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder heißt es daher: „In großer Sorge um die Zukunft dieses Landes und um den Wohlstand seiner Bürger appellieren wir an die Politik: Beenden Sie die einseitige Fixierung auf eine rein virologische Sichtweise und damit auf das gefährliche Spiel mit den Zukunftschancen dieses Landes. Es geht um das Schicksal des deutschen Mittelstands. Heben Sie den Lockdown auf, bevor es zu spät ist!“

Existenz Hunderttausender Menschen gefährdet

Im deutschen Mittelstand mache sich „große Verzweiflung“ breit, heißt es in dem Brief. „Wir fordern, dass künftig die Erfordernisse der Wirtschaft in Ihrer Corona-Politik einen deutlich höheren Stellenwert erhalten als bislang. Unser Land steht vor dem größten Konjunktureinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Trotz eines staatlichen Rettungspakets von mehr als einer Billion Euro droht eine Pleitewelle unbekannten Ausmaßes, die die Existenz Hunderttausender Menschen binnen weniger Wochen vernichten könnte.“

Jedes dritte deutsche Mittelstandsunternehmen fordert ein sofortiges Ende des Lockdown. Credit: BVMW

+++ Übergewicht größtes Risiko für schweren Covid-19-Verlauf +++

1. Mai 2020

Das Coronavirus gefährdet vor allem alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Welche Vorerkrankung sich besonders schwer auswirkt, haben jetzt Forscher des Langone Medical Center an der New York University herausgefunden.

"Ziemlich überraschendes Ergebnis"

Das größte Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 – also der Betreuung oder gar Beatmung auf der Intensivstation – haben demnach Menschen mit Übergewicht. "Das war ein ziemlich überraschendes Ergebnis für uns", sagt der Studienleiter, Internist Christopher Petrilli. Denn nicht nur in Kombination mit einer weiteren schwerwiegenden Vorerkrankung ist Fettleibigkeit ein Risikofaktor, sondern auch für sich allein betrachtet.

Höheres Risiko mit Übergewicht als mit Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankung

Adipositas ist "in einem substanziell höheren Risikoverhältnis als jede Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung", heißt es in der Studie. Von Fettleibigkeit spricht man von einem Body Mass Index (BMI), also des Gewichts in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat, von 25 an. Menschen mit einem BMI von 30 und mehr gelten als adipös. 4.100 Patienten hatten die Forscher zwischen 1. März und 1. April für die New Yorker Studie herangezogen.

Rund 40 Prozent der stationär aufgenommenen Patienten seien adipös gewesen, heißt es in der Studie. 50 Prozent dieser Patienten hätten beatmet werden müssen. An Covid-19 erkrankte Fettleibige unter 60 Jahren müssen doppelt so häufig ins Krankenhaus und doppelt so häufig intensivmedizinisch betreut werden wie Normalgewichtige im gleichen Alter.

+++ Home-Office und Home-Schooling – Tipps zur Entlastung +++

1. Mai 2020

Für im Home-Office arbeitende Eltern mit kleinen Kindern bot die jüngste Videoschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder nichts Neues: Die Entscheidung über die Öffnung von Kindergärten und Schulen wurde auf den 6. Mai vertagt.

Kitas und Schulen noch länger geschlossen?

Ob am 6. Mai jedoch grundlegende Weichenstellungen erfolgen werden, erscheint nach den jüngsten Erkenntnissen des Virologen Christian Drosten und seines Teams am Institut für Virologie der Berliner Charité zumindest fraglich. Wie Drosten in einer Analyse von 3.712 Proben herausgefunden hat, entwickeln sich bei mit SARS-CoV-2 infizierten Kindern und Jugendlichen nämlich genauso viele Viren im Rachen wie bei Erwachsenen.

Angesichts dieses Befundes warnen die Forscher: "Wir warnen vor einer uneingeschränkten Wiedereröffnung von Schulen und Kindergärten in der aktuellen Situation. Kinder könnten genauso infektiös sein wie Erwachsene." Bislang war nur bekannt, dass sich Kinder ähnlich häufig anstecken wie Erwachsene, die meisten Infektionen bei ihnen jedoch keine Symptome hervorrufen. Ob Kinder für andere Menschen ansteckend sind, war bislang indes unklar.

Tipps für gemeinsamen Alltag unter einem Dach

Vor diesem Hintergrund müssen im Home-Office arbeitende Eltern mit ihren Kindern möglicherweise über den 6. Mai hinaus im Alltag miteinander auskommen. Wie lässt sich diese Ausnahmesituation lösen? Im Folgenden ein paar Tipps:

Arbeitsbereich abgrenzen
Wie im Büro, so ist es auch zu Hause wichtig, einen Platz zu schaffen, an dem sich möglichst ungestört arbeiten lässt. In einer geräumigen Umgebung fällt dies natürlich leichter, hier kann einer der Räume in ein zeitweiliges Büro umgewandelt werden, sofern es nicht bereits ein Arbeitszimmer gibt. In beengten Verhältnissen eignen sich besonders Ess- und Schlafzimmer als ungestörte Arbeitsräume.

Kinderschlaf zu konzentrierter Arbeit nutzen
Da die Kinder derzeit nicht frühmorgens aufstehen müssen, um pünktlich um 8 Uhr in der Schule zu sein, können die Eltern sie etwas länger schlafen lassen und die frühen Morgenstunden zur ungestörten Arbeit im Home-Office nutzen. Gleiches gilt für den Mittagsschlaf kleinerer Kinder; auch diese Zeit eignet sich besonders gut für Aufgaben, die hohe Konzentration erfordern, und für Telefonate mit Kollegen und Kunden.

Kindern abwechslungsreiche Aufgaben stellen
Basteln, kneten, ausmalen, zeichnen – es gibt eine Fülle von spielerischen und ruhigeren Aktivitäten, mit denen kleinere Kinder beschäftigt werden können, damit sie ihre berufstätigen Eltern nicht ständig bei deren Arbeit unterbrechen. Wie die Schule, so lässt sich auch das Kinder- und Wohnzimmer in verschiedene Spielbereiche unterteilen: Eine Ecke des Kinderzimmers eignet sich zum Spielen, eine andere zum Lesen. Kindgerechte Beiträge im Fernsehen und auf Netflix und das Hören eines Podcast sind weitere Optionen. Oder vielleicht rufen die Kinder mal ihre Großeltern an?

Arbeitsalltag strukturieren
Der Arbeitsalltag sollte klar strukturiert sein: Wichtiges sollte zuerst in Angriff genommen werden, am besten in den frühen ruhigen Morgenstunden. Die Strukturierung des Tages ist auch für die Kinder wichtig, die diese Ordnung schließlich aus der Kita und der Schule kennen. Je ähnlicher die Struktur, desto rascher werden sich die Kinder an die neue Situation gewöhnen.

Hausaufgaben sollten einen festen Platz im Tagesablauf haben. Dieser Tagesablauf kann auf einer Tafel optisch sichtbar gemacht werden. Haben die Kinder eine Aufgabe erledigt, haken sie diese auf der Tafel ab. Auf Konzentrationsphasen folgen idealerweise kreative Entspannungsphasen, um einen Ausgleich zu schaffen. Regelmäßige Bewegung an frischer Luft ist ein wichtiges Element im Tagesablauf. Natürlich ist dabei darauf zu achten, dass der Kontakt zu den möglicherweise infektiösen Nachbarskindern unterbleibt.

Gemeinsame Durchsicht der Hausaufgaben
Mehrmonatiges Home-Schooling hat natürlich Auswirkungen auf den Lernstoff. Die Eltern sollten ihren Kindern jeden Tag ein paar Hausaufgaben geben, damit sie gegenüber dem Schulunterricht nicht zu sehr zurückfallen. Nach getanen Hausaufgaben sollten sich die Eltern die Zeit nehmen, diese gemeinsam mit ihren Kindern zu überprüfen.

Ältere Kinder können sich durchaus an der Hausarbeit beteiligen. Warum sollten sie nicht ihr Zimmer aufräumen, morgens ihr Bett machen, die Geschirrspülmaschine füllen und leeren? Auch eignet sich die Corona-Zeit vortrefflich, um endlich die Schränke aufzuräumen, altes Spielzeug auszusortieren und im Internet zum Verkauf anzubieten – mit dem Verkaufserlös lässt sich das Taschengeld aufbessern.

Effizient einkaufen und kochen
Es reduziert die Ansteckungsgefahr und spart Zeit, ein-, zweimal pro Woche größere Mengen einzukaufen. Gleiches gilt für die Zubereitung der Mahlzeiten: Wer diese am Wochenende im Voraus zubereitet, hat werktags nach getaner Arbeit im Home-Office mehr Zeit für seine Kinder.

Aufgaben partnerschaftlich verteilen
Wenn auch Ihr Partner von zu Hause aus arbeitet, kann es sinnvoll sein, sich mit den Kindern abzuwechseln. Während ein Elternteil sich auf seinen Job konzentriert, kann der andere sich mit den Kindern beschäftigen. Auf diese Weise fühlen sich die Kinder weniger „vernachlässigt“, und beide Elternteile können abwechselnd ungestört arbeiten.

Work-Life-Balance wahren
In den Zeiten der Corona ist es wichtiger denn je, Berufs- und Privatleben auszubalancieren. Am Ende des Arbeitstages sollte der PC ausgeschaltet werden. Der Abend sollte gemeinsamen Aktivitäten vorbehalten bleiben – dem gemeinsamen Spiel, dem Vorlesen eines Buches, dem Angucken von Urlaubsfotos oder eines kindgerechten Films, dem gemeinsamen Anruf der Großeltern.

+++ Hausärztinnen und Hausärzte lassen aus Protest die Hüllen fallen +++

30.04.2020

„Wir sind Ihre Hausärztinnen und Hausärzte. Um Sie sicher behandeln zu können, brauchen wir und unser Team Schutzausrüstung und Unterstützung durch die Politik. Wenn uns das Wenige, was wir haben, ausgeht, dann sehen wir so aus…“

So beginnt der Aufruf vieler Hausärztinnen und Hausärzte, die auf der Website https://www.blankebedenken.org/ nackt und bloß auf ihr Anliegen aufmerksam machen.

Gut geschützt? Viele Hausärzte fühlen sich schutzlos. Sie und ihre Teams müssen immer mehr Covid-19-Patienten und Verdachtspatienten versorgen, ohne sich selbst ausreichend schützen zu können. Allerorten fehlt es unverändert an Schutzkleidung, Desinfektionsmitteln und Einmal-Masken.

Dass die Befürchtungen der Ärzte begründet sind, zeigen Untersuchungen aus Frankreich und Italien, in denen teils hohe Erkrankungsraten und Todesfälle insbesondere unter Hausärzten beschrieben werden. Eine Gruppe deutscher Hausärzte macht auf diesen anhaltenden Missstand nun mit der spektakulären Aktion „Blanke Bedenken“ aufmerksam.

Sie zeigen sich nackt in ihren Praxen. In der dazu geschalteten Webseite www.blankebedenken.org können sich weitere Hausärzte melden und an der Aktion beteiligen. „Die Nacktheit soll symbolisieren, dass wir ohne Schutz verletzlich sind“, sagt Hausarzt Ruben Bernau, der nach eigenen Angaben mit seinem Praxisteam nach wie vor nur unzureichend über Schutzausrüstung verfügt.

Ideengeber der Aktion war der französische Arzt Alain Colombié, der sich nackt in seiner Praxis fotografiert und als „Kanonenfutter“ bezeichnet hatte.

Mit Nacktheit wollen Hausärztinnen und Hausärzte symbolisieren, dass sie ohne Corona-Schutz verletzlich sind. Credit: https://www.blankebedenken.org

+++ Bund und Länder verständigen sich auf weitere Lockerungen +++

30.04.2020

"Wir alle wünschen uns, dass wir schnell wieder so leben können wie vor dem Virus", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrer heutigen Telefonschaltkonferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder. Doch so schnell wird das nicht sein: „Eine Normalität mit Corona, keine andere Normalität", nennt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder die schrittweise Rückkehr zur Normalität.

Spielplätze, Museen, Zoos, Ausstellungen und Kirchen öffnen

„Größere Sportveranstaltungen, Volksfeste mit Zuschauern, größere Konzerte, Festivals, Dorf-, Stadt-, Straßen und weitere Schützenfeste und Kirmesveranstaltungen werden noch für längere Zeit untersagt bleiben müssen", sagte Merkel. Die seit Wochen gesperrten Spielplätze werden dagegen unter Auflagen für die Kommunen wieder geöffnet; einen einheitlichen Zeitpunkt für die Öffnung legte die Runde jedoch noch nicht fest.

Auch Besuche in Museen, Zoos und Ausstellungen sollen in allen Bundesländern unter Auflagen wieder möglich sein, ebenso Gottesdienste sowie religiöse Feste wie Taufen, Beschneidungen, Hochzeiten und Beisetzungen sollen im kleinen Kreis möglich sein. Vorgeschrieben ist dabei unter anderem ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Gläubigen sowie Hygienevorkehrungen.

Entscheidung über Kita, Schule und Bundesliga am 6. Mai

Am 6. Mai werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder in ihrer nächsten Telefonschaltkonferenz über weitere Schulöffnungen, die Ausweitung der Kita-Betreuung sowie den möglichen Neustart der Bundesliga entscheiden.

Auslandsreisen im Sommer "eher unwahrscheinlich"

Bis dahin müssen auch Gastronomie und Hotelgewerbe auf eine Entscheidung über eine Lockerung der Corona-Maßnahmen warten. In der kommenden Woche soll zunächst ein Stufenkonzept vorgelegt werden. Einen Sommerurlaub im europäischen Ausland hält Merkel für eher unwahrscheinlich.

Sommerurlaub im europäischen Ausland hält die Bundeskanzlerin in diesem Jahr für eher unwahrscheinlich. Credit: Wikipedista:Li-sung

+++ Beunruhigung über neuartige Kinderkrankheit – Corona? +++

29.04.2020

Während Deutschland über die Wiedereröffnung von Kitas und Schulen, über die Überforderung durch Home-Schooling und die Isolierung der Kinder zu Hause debattiert, tritt in mehreren europäischen Ländern eine neue, unbekannte Kinderkrankheit auf.

Kinder mit entsprechenden Symptomen dringend ins Krankenhaus

Zunächst klagten 20 Kinder in Großbritannien über unbekannte Beschwerden, die durch eine Überreaktion des Immunsystems ausgelöst werden, wie Gesundheitsminister Matt Hancock erläuterte. Kinder aller Altersstufen leiden dabei unter Symptomen wie Fieber, Beschwerden im Verdauungstrakt und Gefäßentzündungen, die eine Herzschwäche verursachen können. Dem „Guardian“ zufolge fordern die Gesundheitsbehörden Ärzte auf, Kinder mit entsprechenden Symptomen dringend ins Krankenhaus zu überweisen. Einige der britischen Kinder mussten bereits auf der Intensivstation behandelt werden.

Auch Spanien, Italien und Schweiz melden Erkrankungen

Auch der französische Gesundheitsminister Olivier Véran ist beunruhigt: Pariser Ärzte hatten ihn alarmiert, nachdem etwa 15 Kinder aller Altersstufen unter den gleichen Symptomen litten, wie sie aus Großbritannien gemeldet werden. Todesfälle seien seines Wissens bislang nicht vorgekommen, betonte Véran. Spanien, Italien und die Schweiz melden ebenfalls derartige Erkrankungen bei Kindern.

Noch viele Fragen offen

Noch rätseln die Gesundheitsbehörden darüber, ob die Beschwerden ihre Ursache im neuartigen Coronavirus haben, da von den gemeldeten Erkrankungen auch Kinder betroffen sind, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Es gebe noch „viele Fragen“ und nicht ausreichend Beweise, um einen Zusammenhang zwischen den Entzündungsprozessen und dem Coronavirus herzustellen, sagte Véran ernst. Derzeit herrsche daher eine „gewisse Beunruhigung und eine gewisse Wachsamkeit“.

Ähnlichkeit mit Kawasaki-Syndrom

Angesichts der Ähnlichkeit mit den beim Kawasaki-Syndrom auftretenden Beschwerden äußerte sich auch die britische Gesellschaft für Kawasaki-Erkrankungen: „Bei den Fällen, die bisher berichtet wurden, handelt es sich um rund 20 Kinder in Großbritannien, von denen die Hälfte nach Angaben ihrer Ärzte negativ auf Covid-19 getestet wurden.“ Nach bisheriger Datenlage gebe es keine größere Häufigkeit oder Anfälligkeit einer Covid-19-Erkrankung für Kinder, die in der Vergangenheit an der Kawasaki-Krankheit erkrankt seien. „Derzeit werden weniger Fälle der Kawasaki-Krankheit gemeldet, als um diese Jahreszeit normal wären - nicht mehr.“

Véran rief Ärzte und Wissenschaftler in Frankreich und allen anderen Ländern auf, auf derartige Fälle zu achten und so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen.

Noch rätseln die Gesundheitsbehörden darüber, ob die Beschwerden ihre Ursache im neuartigen Coronavirus haben. Credit: Adalhelma, Pixabay

+++ Mainzer BioNTech impft die ersten zwölf Probanden +++

29.04.2020

Das Mainzer Biotech-Unternehmen BioNTech und der US-Partner Pfizer haben heute bekannt gegeben, dass die erste Kohorte der klinischen Phase-1/2-Studie von BioNTech mit BNT162 behandelt worden sei. Zwölf Studienteilnehmer wurden in Deutschland seit dem Studienstart am 23. April mit dem Impfstoffkandidaten BNT162 geimpft. Die Studie ist die erste klinische Prüfung eines COVID-19-Impfstoffkandidaten in Deutschland.

Die Kohorte zur Dosisfindung der Phase-1/2-Studie wird ungefähr 200 gesunde Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren einschließen und einen Dosisbereich von 1µg bis 100µg umfassen, um die optimale Dosis für die weiteren Studien zu finden. Auch die Sicherheit und Immunogenität des Impfstoffes sowie die Auswirkungen einer wiederholten Impfung für die drei Impfstoffkandidaten sollen untersucht werden. Der vierte Impfstoffkandidat wird nach der Verabreichung einer einzigen Impfstoffdosis bewertet.

Erste Daten voraussichtlich Ende Juni bis Anfang Juli

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte die Studie vor Kurzem genehmigt. Erste Daten von etwa 50 bis hundert Teilnehmern sollen voraussichtlich Ende Juni bis Anfang Juli vorliegen. Sollten die ersten Tests positiv verlaufen, sollen mehr Probanden und auch Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion in die Prüfung einbezogen werden.

Börse belohnt Start der klinischen Phase

Die Meldung hat die BioNTech-Aktie heute deutlich beflügelt; der Kurs legte um 6,8 Prozent auf 45,09 Euro zu. BioNTech zählt zu den vielversprechendsten europäischen Biotech-Werten. Spekulationen über einen Verkauf des Unternehmens erteilte dessen im von Alexander dem Großen gegründeten Iskenderun (Türkei) geborener Vorstandschef Uğur Şahin eine Absage: „Übernahmen kommen für die Mehrheitsgesellschafter und uns nicht infrage“, sagt der an der Universität Mainz lehrende Professor für experimentelle Onkologie. „Unsere Vision ist es, ein biopharmazeutisches Unternehmen aufzubauen, das die medizinischen Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts adressiert. Die Suche nach einem Impfstoff ist ein Menschheitsprojekt. Je früher ein effektiver Impfstoff verfügbar ist, desto früher können wir alle in unser altes Leben zurückkehren.“

Dietmar Hopp und Bill Gates forschen mit CureVac AG noch

Weltweit sind über vierzig Impfstoffansätze bekannt, von denen derzeit etwa fünf am Menschen geprüft werden. Große Hoffnungen setzt der SAP-Mitgründer Dietmar Hopp in die Tübinger CureVac AG, an der er über seine Heidelberger Dievini Hopp Biotech Holding 84,97 Prozent hält und die Bill & Melinda Gates Foundation für 46 Millionen Euro rd. vier Prozent erwarb. „Bei positivem Verlauf könnten wir ungefähr im Frühsommer mit klinischen Tests beginnen“, hoffte Hopp noch Mitte März. „Wir wären in der Lage, den Impfstoff im Herbst zu liefern.“ Seit Januar forscht das Pharmaunternehmen daran, die EU unterstützt die Entwicklung mit bis zu 80 Millionen Euro.

Zuversicht bei CureVac

Doch nun hat BioNTech die Nase vorn: „Es geht doch darum, Menschen durch Impfung gut zu schützen, nicht darum, wer Erster ist“, betont Dievini-Geschäftsführer Friedrich von Bohlen. „CureVac hat gesagt, im Frühsommer in die klinische Entwicklung zu gehen. Wir wünschen den Kollegen bei BioNTech ebenfalls viel Erfolg. Ich bin sehr zuversichtlich, dass CureVac einen der besten Impfstoffe haben wird. Auch wenn sich die Ansätze ähnlich anhören, unterscheiden sich die Produkte in wichtigen Details. Letztlich werden es die Daten und die Ergebnisse zeigen.“

Die Bill & Melinda Gates Foundation ist mit rd. vier Prozent am Tübinger Bio-Tech-Unternehmen CureVac AG beteiligt. Credit: Kjetil Ree

+++ Grüner Palmer provoziert mit "brutalem" Corona-Interview +++

28.04.2020

Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer (47) ist bekannt für provokante Aussagen. Im TV-Sender SAT.1 wurde der Politiker heute Morgen gefragt, wie er die Äußerung von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble deute, nicht alles könne dem Schutz von Leben untergeordnet werden. „Ich glaube, dass es ihm darum geht, dass wir tatsächlich alle irgendwann sterben und auch das Grundgesetz das nicht verhindern kann. Wenn Sie die Todeszahlen anschauen durch Corona, dann ist es so, dass insbesondere Menschen über 80 sterben. Also ist Corona jetzt nicht eine Krankheit wie Ebola, die 20-Jährige mitten aus dem Leben reißt, sondern tödlich ist Corona fast ausschließlich für hochaltrige Menschen.“

„Ich sage es Ihnen jetzt mal ganz brutal“

Insbesondere mit dem folgenden Satz löste Palmer kontroverse Reaktionen aus: „Ich sage es Ihnen jetzt mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund Ihres Alters ihrer Vorerkrankungen. Aber die weltweiten Zerstörungen der Weltwirtschaft sorgen nach Einschätzung der Uno dafür, dass der daraus entstehende Armutsschock dieses Jahr zusätzlich eine Million Kinder das Leben kostet.“

Plädoyer für neuen Generationenvertrag

Palmer, der sich im Gegensatz zur Mehrheit der Grünen für eine verpflichtende Corona-HandyApp ausspricht, hatte bereits Anfang April eine rasche Öffnung der Mehrheitsgesellschaft im Gegenzug zu strengen Quarantänemaßnahmen für Risikogruppen gefordert: „Es wäre ein neuer Generationenvertrag, bei dem die Jüngeren arbeiten gehen und die Infektion auf sich nehmen, während die Älteren und Kranken auf soziale Kontakte verzichten.“

Senioren-Isolation schwieriger als Shutdown für alle?

Warum sollte die Isolation von mindestens 16 Millionen Seniorinnen und Senioren schwieriger sein, als drei Monate Shutdown für alle, fragt der Tübinger Oberbürgermeister: „Wenn die Regierung es für denkbar hält, 700 Milliarden Euro zu verbrennen, weil die Wirtschaft ruht, ist es dann nicht vorstellbar, für vielleicht zehn Prozent der Kosten eine optimale Versorgung der Alten und Kranken auf die Beine zu stellen?“

Unterstützung durch Regisseur Frank Castorf

Unterstützung erfährt Boris Palmer von Theaterregisseur Frank Castorf: „Schon die Worte Lockdown und Shutdown machen mich bösartig“, sagt der frühere Intendant der Berliner „Volksbühne“. Die Einschränkungen in der Corona-Krise hält er für überzogen, deren Nutzen nicht dem Aufwand entsprächen. Auch kritisiert Castorf den „Grad der Ideologisierung“ der Entscheidungen. „Ich möchte mir von Frau Merkel nicht mit einem weinerlichen Gesicht sagen lassen, dass ich mir die Hände waschen muss. Das beleidigt meine bürgerliche Erziehung“, sagt der 68-jährige Castorf und fügt hinzu: „Wir Deutschen haben vor allem Angst. Wir unterwerfen uns gläubig den Dekreten von Virologie-Professoren und Politikern.“

FDP-Vize Kubicki wirft RKI "politisch motivierte Zahlen" vor

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki übt scharfe Kritik am Zahlenwerk des Robert-Koch-Instituts: "Die Corona-Zahlen vermitteln eher den Eindruck, politisch motivierte Zahlen zu sein als wissenschaftlich fundiert", bemängelt der Liberaldemokrat. Während die Reproduktionszahl nach RKI-Angaben bundesweit von 0,9 auf 1,0 gestiegen sei, melde Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für das am stärksten von Corona betroffene Bundesland einen R-Wert von 0,57. "Woher der Wert des RKI bei sinkenden Infektionsraten kommen soll, erschließt sich nicht einmal mehr den Wohlmeinendsten."

Dass RKI-Präsident Lothar Wieler auf einen Methodenwechsel bei der Berechnung des Wertes und auf dessen rückläufige relative Bedeutung hinweise, sei erstaunlich. "Es trägt nicht dazu bei, die täglichen Wasserstandsmeldungen des Instituts noch für seriös zu halten." Ihn mache nicht zuletzt das Timing stutzig: "Der R-Wert des RKI steigt ausgerechnet zur Konferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten, bei der vor weiteren Lockerungen gewarnt werden soll. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt."

Boris Palmer: "Wir retten in Deutschland Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären". Credit: Reinhard Kraasch

+++ Einzelhandel befürchtet 50.000 Geschäftsinsolvenzen +++

28.04.2020

Eine Milliarde Euro Umsatzverlust pro Tag – das ist die bisherige Corona-Bilanz des deutschen Einzelhandels. Die Pandemie wird die deutschen Innenstädte verändern: "Wir fürchten, dass bis zu 50.000 Geschäfte von Insolvenzen betroffen sein könnten, weil ihr Eigenkapital insbesondere wegen hoher Mietforderungen nicht ausreicht", prognostiziert Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE).

Vier Wochen Lockdown kosteten Handel 30 Milliarden Euro

"In den vier Wochen Schließungen der Geschäfte im Non-Food-Bereich haben wir rund 30 Milliarden Euro Umsatz verloren, den wir auch nicht wiederbekommen werden", sagt Genth. Trotz der jetzt erfolgten Öffnung seien die Kunden in der ersten Woche weitgehend ausgeblieben, sodass die 300.000 Einzelhandelsgeschäfte derzeit tägliche Umsatzeinbußen im hohen dreistelligen Millionenbetrag hinnehmen müssen.

"Wir fürchten sehr, dass die Innenstädte nach der Krise nicht mehr so aussehen werden wie vor der Krise", begründet Genth seine Forderung nach einem branchenunabhängigen Rettungsfonds: "Bei vielen Unternehmen läuft der Hauptkostenblock - die Miete - trotz geschlossener Läden ja weiter." Besonders institutionelle Vermieter seien oft nicht zur Stundung der Miete bereit oder verlangten Stundungszinsen von fünf bis neun Prozent, kritisiert Genth: "Hier fordern wir eine Risikoteilung."

Forderung nach Wiedereröffnung des gesamten Einzelhandels ab 4. Mai

Im Vorfeld der für Donnerstag angesetzten Beratungen der Bundeskanzlerin mit den Länderregierungen über mögliche weitere Lockerungen fordert der HDE die Rückkehr zum regulären Geschäftsbetrieb im Einzelhandel vom 4. Mai an. "Die Wiedereröffnung der Einzelhandelsgeschäfte mit bis zu 800 qm Verkaufsfläche ist durchweg sehr verantwortungsvoll verlaufen", resümiert Genth. "Ein Kundenansturm auf die Geschäfte ist ausgeblieben, die Kunden verhalten sich besonnen und risikobewusst." Angesichts dieser positiven Erfahrungen stehe der Wiedereröffnung des gesamten Einzelhandels nichts im Wege: "Der Einzelhandel steht bereit, unabhängig von der Größe der Verkaufsfläche unter Einhaltung der erforderlichen Infektionsschutzkonzepte zu öffnen."

Bundeseinheitliche Lösung statt föderalem Flickenteppich

Um Rechtssicherheit und Planbarkeit für die Unternehmen sicherzustellen, plädiert der HDE für eine bundesweite Vereinheitlichung der Hygiene- und Verhaltensregeln. "Um einen geordneten Geschäftsbetrieb und damit die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen zu können, benötigen die Unternehmen einen verlässlichen Rahmen mit umsetzbaren und transparenten Vorgaben", betont Genth. Dies gelte auch für die Durchsetzung der Maskenpflicht: "Die Einzelhändler sind keine Ersatz-Polizei. Die Durchsetzung der Maskenpflicht ist eine hoheitliche Aufgabe."

Eine Milliarde Euro Umsatzverlust pro Tag verzeichnet der Einzelhandel seit Beginn der Corona-Pandemie. Credit: ACBahn

+++ Berlin stellt Masken-Automaten in U-Bahn-Stationen auf +++

27.04.2020

Auch in Berlin gilt von heute an die Verpflichtung, im öffentlichen Nahverkehr eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, da in Bussen, U- und S-Bahnen die Abstandsregeln trotz eines Fahrgastrückganges um bis zu 75 Prozent nicht eingehalten werden können. Bereits seit dem 20. April gilt auf drei Linien wieder der reguläre Fahrplan, zum 4. Mai wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zum Regelfahrplan zurückkehren.

In einigen U-Bahn-Stationen haben die Berliner Verkehrsbetriebe Automaten aufgestellt, an denen die Passanten Mund- und Nasen-Bedeckungen kaufen können. Einige Fahrgäste behelfen sich stattdessen mit einem Schal oder Tuch.

Mund-Nasen-Schutz auch an Haltestellen, auch für Kinder

Auf den Anzeigetafeln in den Bahnhöfen wird darauf hingewiesen, dass die Pflicht zum Abstandhalten und zur Bedeckung von Mund und Nase auch an Haltestellen gilt: „Da es auch beim Einsteigen und Aussteigen zu Situationen kommen kann, bei denen Menschen die Abstandsregeln schwerer einhalten können, gilt die Pflicht eines Mund-Nasen-Schutzes auch an den Haltestellen“, bestätigt Senatssprecherin Melanie Reinsch. „Auch Kinder sollten soweit es eben geht einen Schutz tragen, um sich und andere zu schützen.“

Appell an Einsichtsfähigkeit statt Kontrolle

Kontrolliert wird die Mundschutzpflicht im Nahverkehr vorerst nicht: „Wir haben gar kein Recht dazu, das zu kontrollieren“, sagt BVG-Sprecherin Petra Nelken. „Für die Einhaltung der Maskenpflicht und für die Kontrolle ist das Land Berlin zuständig.“ Der Regierende Bürgermeister Michael Müller setzt auf die Einsicht der Berliner: „Wir gehen davon aus, dass die Menschen sich daran halten, werden die Situation in den Fahrzeugen aber beobachten und gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreifen.“

Gratismasken für Bedürftige

Von heute an lässt die Stadtverwaltung insgesamt 147.000 textile Masken durch die Bezirke verteilen, im Bezirk Mitte an den drei Rathäusern in Mitte, Wedding und Moabit. Bedürftige sollen die Masken an dezentralen Ausgabestellen kostenlos erhalten, kündigt der Regierende Bürgermeister an.

Die Berliner Verkehrsbetriebe haben Automaten aufgestellt, an denen Mund-Nasen-Bedeckungen gekauft werden können. Credit: BVG

+++ Frankreich verhängt Exportstopp für Mund-Nasen-Schutz +++

27.04.2020

Während die meisten Discounter, Drogeriemarktketten und Supermärkte mit Ausnahme von Lidl derzeit noch prüfen, ob sie Mundschutz- oder Atemschutzmasken ins Sortiment aufnehmen, bietet die Drogeriekette Müller Schutz-Masken bereits seit zwei Wochen in ihren Filialen an, und auch der Wettbewerber dm ist aktiv geworden.

"Wir werden unsere Kunden – ab Beginn der behördlichen Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes – am Eingang unserer dm-Märkte per Aushang informieren, dass das Betreten nur noch mit einer Schutzmaske bzw. einer geeigneten Bedeckung von Mund und Nase gestattet ist", sagt Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Drogeriemarktkette dm. "Als Service werden wir für Kunden, die bei uns einkaufen möchten, aber keinen geeigneten Mund-Nasen-Schutz besitzen, einen nach dem Standard für Medizinprodukte zertifizierten Mund-Nasen-Schutz für einen Euro zum Kauf am Eingang der dm-Märkte anbieten. Die Abgabemenge ist auf ein Stück begrenzt und gilt, solange der Vorrat reicht."

dm-Eigenmarke von Dekret der französischen Regierung betroffen

Allerdings schränkt dm ein: „Ein regulärer Verkauf von Mundschutzmasken kann momentan in der derzeitigen Ausnahmesituation nicht gewährleistet werden. Hintergrund ist, dass die Beschaffung der Produkte sehr schwierig ist, da die weltweite Nachfrage nach den Produkten sehr groß ist. So hatten wir bislang für unsere Kunden die Mundschutzmaske unserer dm-Marke Mivolis im Sortiment. Allerdings ist diese bis auf Weiteres nicht mehr verfügbar, da diese in Frankreich produziert werden und daher von dem per Dekret beschlossenen Exportstopp für Atemschutzmasken der französischen Regierung betroffen sind. Wir arbeiten derzeit daran, alternative Produkte in unser Sortiment aufzunehmen."

Auch die Drogeriemarktkette dm ist vom französischen Exportstopp für Mund-Nasen-Schutz betroffen. Credit: Graf Foto, WikiCommons

+++ Drosten äußert konkrete Vermutung zur Coronavirus-Herkunft +++

26.04.2020

In einem heute publizierten Exklusiv-Interview des britischen „Guardian“ mit Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, äußert dieser eine konkrete Vermutung zur Herkunft des Virus.

Medien haben Hinweis in alter Sars-Literatur übersehen

Auch Drosten geht davon aus, dass die Pandemie ihren Ausgangspunkt in China hat. „Doch ich gehe nicht davon aus, dass sie auf dem Lebensmittelmarkt in Wuhan begonnen hat. Es ist wahrscheinlicher, dass sie ihren Ausgangspunkt dort hat, wo der Zwischenwirt gezüchtet wurde. Ich sehe keinen Grund anzunehmen, dass das Virus über das Schuppentier zum Menschen gelangt ist. In der alten Sars-Literatur gibt es eine aufschlussreiche Information. Das Sars-Virus wurde bei Zibetkatzen, aber auch bei Marderhunden gefunden – was die Medien übersehen haben.“

Riesige Pelzfarmen mit "Chinese Raccoon"

Der Handel mit dem Pelz des Marderhundes, der in China wegen seiner optischen Ähnlichkeit mit dem Waschbären „Chinese Raccoon“ genannt wird, stellt in China eine riesige Industrie dar; Schätzungen dreier Tierschutzverbände gehen von Pelzfarmen mit 1,5 Millionen Marderhunden aus. „Wenn mir jemand ein paar hunderttausend Dollar und freien Zugang nach China geben würde, um die Quelle des Virus zu finden, würde ich an Orten suchen, wo Marderhunde gezüchtet werden“, sagt Drosten.

Der Handel mit dem Pelz des Marderhundes (Chinese Raccoon) stellt in China eine riesige Industrie dar. Credit: WikiCommons

+++ Bundesarbeitsminister plant Gesetz für Recht auf Home-Office +++

26.04.2020

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will das Recht auf Arbeit von zu Hause aus gesetzlich verankern: "Ich arbeite an einem neuen Gesetz für ein Recht auf Home-Office, das ich bis Herbst vorlegen werde. Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Home-Office arbeiten können - auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist", sagte Heil heute der "Bild am Sonntag". "Man darf entweder komplett auf Home-Office umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche."

Zahl der Arbeitnehmer im Home-Office mehr als verdoppelt

Ersten Schätzungen zufolge hat sich die Zahl der Arbeitnehmer im Home-Office in der Corona-Krise von zwölf auf 25 Prozent aller Beschäftigten mehr als verdoppelt.

Auch im Home-Office soll es einen Feierabend geben, hofft der Bundesarbeitsminister. Mit „fairen Regeln“ will er verhindern, dass sich „die Arbeit zu sehr ins Private frisst – nicht erst um 22 Uhr“. Home-Office soll freiwillig bleiben: „Wir wollen mehr Home-Office ermöglichen, aber nicht erzwingen.“

"Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Home-Office arbeiten können - auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist", sagt Arbeitsminister Heil. Credit: Alexey Györi

+++ Gericht kippt Öffnungsverbot für Outlet-Center +++

26.04.2020

Während der Passanten- und Käuferandrang in den deutschen Innenstädten auch am Sonnabend trotz der Wiedereröffnung großer Teile des Einzelhandels ausblieb, setzte Norddeutschlands größtes Shopping-Center, das McArthurGlen Designer-Outlet Neumünster, das am Freitag ergangene Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgerichts in Schleswig (OVG) um.

Der unanfechtbaren Entscheidung des OVG zufolge darf das Outlet-Center in Neumünster wieder öffnen, da die Schließung der Geschäfte aus Gründen des Infektionsschutzes gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen habe.

Von den rd. 130 exklusiven Designerstores des als norddeutsches Dorf angelegten Outlets sind 121 Geschäfte unter 800 Quadratmeter groß. Das Gericht vermochte daher nicht zu erkennen, warum die Umsetzung besonderer Hygiene- und Zugangsmaßnahmen im Outlet nicht mindestens so gut gewährleistet werden könne wie in Fußgängerzonen, Einkaufsstraßen und Einkaufszentren.

Nicht gerechtfertigte Benachteiligung

"Aus Sicht des Senats stellt die weitere Schließung des Outlet-Centers eine nicht gerechtfertigte Benachteiligung gegenüber anderen Einzelhandelsgeschäften und Einkaufszentren dar, deren Öffnungsmöglichkeiten mittlerweile gelockert worden sind", heißt es im OVG-Urteil. Die Landesregierung in Kiel müsse vergleichbare Sachverhalte auch vergleichbar regeln und sich die Grundrechtspositionen potenziell Betroffener vor Augen führen. Dazu gehöre die Prüfung, ob es gegenüber einer Schließung eine mildere, ebenso wirksame Maßnahme gebe.

Mit einem Marktanteil von 23,3 Prozent ist die McArthurGlen Group Marktführer in Deutschland. Das 16.000 Quadratmeter große Designer-Outlet in Neumünster zieht jährlich 2,4 Millionen Besucher an.

Nun wieder geöffnet: Von den rd. 130 Designerstores des McArthurGlen Designer-Outlet Neumünster sind 121 Geschäfte unter 800 Quadratmeter groß. Credit: WikiCommons

+++ Finales Statement zu Remdesivir für Ende Mai erwartet +++

25.04.2020

Remdesivir gilt als einer der erfolgversprechendsten Wirkstoffe im Kampf gegen das Coronavirus. Doch die in dieser Woche von „Financial Times“ und „BBC“ unter Berufung auf versehentlich veröffentlichte Dokumente der Weltgesundheitsorganisation WHO in die Welt gesetzte Meldung über die vermeintliche Wirkungslosigkeit des neuen Hoffnungsträgers hat zu erheblichen Irritationen geführt.

Chinesische Studie vorzeitig beendet

Inzwischen hat die WHO die auf ihrer Website publizierte Zusammenfassung gelöscht. Darin hatte es mit Verweis auf eine chinesische Studie geheißen, Remdesivir habe den Zustand der Patienten nicht verbessern und auch nicht dazu beitragen können, das Virus im Blut der Testpersonen zu reduzieren. In der Studie waren demnach 237 Patienten untersucht worden, 158 von ihnen hatten Remdesivir verabreicht bekommen, die übrigen 79 ein Placebo. 13,9 Prozent der Patienten in der Remdesivir-Gruppe seien nach einem Monat gestorben, in der Placebo-Vergleichsgruppe waren es 12,8 Prozent. Angesichts der Nebenwirkungen sei die Studie vorzeitig beendet worden. Es habe keine „klinischen oder virologischen Vorteile“ gegeben.

Positive Resultate in Deutschland

Bei Patienten in der München Klinik Schwabing habe das Medikament erste Erfolge gebracht, betont dagegen Clemens Wendtner, Chefarzt der ebenfalls an der Studie beteiligten Klinik für Infektiologie in München. Noch sei es allerdings zu früh für eine abschließende Bewertung; rd. 7.600 Patienten sollen weltweit an den Studien teilnehmen. „Wir haben noch nicht einmal die Hälfte davon rekrutiert.“

Die chinesischen Zwischenergebnisse dürften nicht die Fortführung der laufenden Studien gefährden, warnt Wendtner. In der chinesischen Studie sei lediglich knapp die Hälfte der angestrebten 453 schwer erkrankten Patienten mit dem Medikament behandelt worden. Dies lasse keine belastbare Aussage zu. Zudem sei nicht definiert worden, was als schwere Covid-19-Erkrankung gewertet wurde.

Daten Ende Mai sollen finales Statement ermöglichen

Ende Mai sollen Daten vorliegen, die dann „ein finales Statement bezüglich Remdesivir zulassen“ werden, dies gelte es, „ganz in Ruhe“ abzuwarten. Solange gelte: „Es gibt nach wie vor kein Medikament, bei dem erwiesen ist, dass es bei Covid-19 wirkt“, hob Wendtner hervor. Entsprechend wichtig sei die Einhaltung der Schutzmaßnahmen.

In Deutschland nehmen neben der Schwabinger Klinik u.a. das Klinikum Rechts der Isar der TU München, das Hamburger Uniklinikum Eppendorf und das Uniklinikum Düsseldorf an der Studie teil.

Fast alle Patienten in weniger als einer Woche entlassen

Auch in den USA berichten Ärzte von ersten ermutigenden Erfahrungen. Medien zufolge wurden in der Universitätsklinik in Chicago 125 Corona-Patienten mit dem Medikament behandelt. Bei ihnen führte das Mittel zu einer schnellen Fiebersenkung und zum Rückgang der Symptome der Lungenkrankheit, sodass fast alle Patienten in weniger als einer Woche entlassen werden konnten.

Der Remdesivir-Hersteller Gilead Science hat Medienberichte über die enttäuschenden Testergebnisse in China zurückgewiesen. Die Studie in China sei wegen mangelnder Teilnehmerzahl vorzeitig abgebrochen worden und daher statistisch nicht aussagekräftig, erklärte der US-Pharmakonzern.

Gleichwohl könne aus den Daten ein positiver Effekt von Remdesivir abgelesen werden, „besonders bei Patienten, die in einer frühen Phase der Erkrankung behandelt werden“. Gilead Science hatte Remdesivir ursprünglich zur Behandlung von Erkrankungen durch die Viren Ebola, Marburg, Mers und Sars entwickelt.

+++ Ifo-Geschäftsklimaindex auf niedrigstem je gemessenen Wert +++

24.04.2020

"Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen ist katastrophal", kommentiert Ifo-Präsident Clemens Fuest die jüngsten Zahlen des von seinem Institut ermittelten Geschäftsklimaindexes. Von 85,9 Punkten im März stürzt dieser auf 74,3 Punkte im April ab. Es ist der niedrigste je gemessene Wert und der stärkste je gemessene Rückgang.

Nie zuvor haben die rd. 9.000 befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage und den Ausblick auf die nächsten Monate derart pessimistisch eingeschätzt.

Von „massivem Pessimismus geprägt“

Angesichts der eingebrochenen Nachfrage nach Industrieprodukten ist das Lagebild im verarbeitenden Gewerbe von "massivem Pessimismus geprägt", konstatiert Fuest. Noch trüber sieht es im Handel und Dienstleistungssektor aus, die Bewertung der aktuellen Situation und der Perspektive fällt hier schlechter aus als je zuvor.

"Die Rezession ist angekommen, die Coronakrise hat die deutsche Wirtschaft erreicht", sagt Fuest. "Beunruhigend ist, dass auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monate sehr negativ sind, die Unternehmen erwarten also keine schnelle Erholung."

Eine über das ganze Jahr hinweg schwache Entwicklung

Ohne die Hilfspakete der Bundesregierung wäre der Absturz wohl noch viel stärker ausgefallen, ist Fuest überzeugt. "Doch die Hilfen sorgen nur dafür, dass die Einfrierungsphase der Wirtschaft einigermaßen überstanden wird. Es wird noch dauern, ehe wir die Wirtschaft stimulieren und die Erholung vorantreiben können. Eine V-förmige Erholung ist daher sehr unwahrscheinlich. Es wird wahrscheinlich bis zum nächsten Jahr dauern, bis eine Impfung oder ein wirksames Medikament verfügbar ist. Die Beschränkungen bleiben uns also erhalten, und das spricht eher für eine über das ganze Jahr hinweg schwache Entwicklung."

 

"Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen ist katastrophal", kommentiert Ifo-Präsident Clemens Fuest die jüngsten Zahlen. Credit: Ifo-Institut

+++ Deutsche Innenstädte beleben sich wieder leicht +++

24.04.2020

Seit der Einzelhandel unter Auflagen wieder öffnen darf, beleben sich die deutschen Innenstädte wieder, wenngleich die Anzahl der Passanten noch deutlich unter dem normalen April-Wert liegt. „Der Einzelhandel kann etwas aufatmen“, kommentiert Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), die jüngsten Zahlen des IfW-Corona-Datenmonitors.

Große regionale Unterschiede

„Dabei gibt es große regionale Unterschiede, die mit der offiziellen politischen Rhetorik korrelieren“, hebt Felbermayr hervor.  So fällt der Effekt der Lockerungen in Nordrhein-Westfalen – hier plädiert Ministerpräsident Armin Laschet für eine stufenweise Rückkehr in die Normalität – deutlich stärker aus als in Bayern, wo Ministerpräsident Markus Söder behutsame Lockerungsschritte vorzieht: Während das Passantenvolumen in Dortmund bereits bei 51 Prozent des normalen Niveaus liegt, sind es in München trotz der dortigen Lockerungen lediglich 13 Prozent.

Während des harten Lockdowns zwischen 23. März und 17. April waren die deutschen Innenstädte nahezu menschenleer; in München betrug das Passantenaufkommen acht Prozent des normalen Publikumsverkehrs, in Hamburg waren es elf Prozent. Den höchsten Publikumsverkehr verzeichnete die Frankfurter Innenstadt, wo durchschnittlich 29 Prozent der unter normalen Umständen zu erwartenden Passanten unterwegs waren.

Umsätze erholen sich spürbar

„Nimmt man an, dass der Umsatz proportional zu den Passantenzahlen ist, dann lagen die Einbußen während des harten Lockdowns zwischen 92 Prozent (München) und 71 Prozent (Frankfurt) und erholen sich nun“, resümiert Felbermayr. „In Mannheim und Hannover können bereits über die Hälfte der sonst üblichen Umsätze erzielt werden, in Frankfurt, Dortmund, Koblenz und Wiesbaden rund die Hälfte. Die tatsächlichen Umsätze könnten sogar noch etwas höher sein, wenn die Kunden ihre Ausgaben pro Innenstadtbesuch im Vergleich zur Normalsituation erhöhen.“

Der Effekt der Lockerungen fällt in Frankfurt und Hamburg deutlich aus als in München. Credit: IfW

+++ Europaweite Rückrufaktion: diverse Masken mangelhaft +++

23.04.2020

Kaum haben sich alle 16 Bundesländer auf eine „Maskenpflicht“ verständigt, da veröffentlicht die Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz der Europäischen Kommission bereits eine Warnung: Mehrere importierte Atemschutzmasken weisen dem Schnellwarnsystem der EU für Verbraucherschutz (Rapex) zufolge eine mangelhafte Filterwirkung auf und erfüllen daher nicht die Anforderungen der europäischen Norm EN 14.

Da die vom 27. April an vorgeschriebenen Masken gegenwärtig kaum über den Großhandel zu beziehen sind, bestellen auch Apotheken oft direkt bei ihnen unbekannten, meist aus China stammenden Herstellern. Das Schnellwarnsystem für Verbraucherschutz Rapex hat eine Liste der betroffenen Produkte veröffentlicht:

Protective Mask - Respiratory Protection

  • Hersteller: Daddy Baby
  • Modellbezeichnung: KN95 / FFP2, KZ01S50B
  • Losnummer EAN-Code: 6938457900045
  • Herkunftsland: China

Protective Mask - Earloop Face Mask

  • Hersteller: Daddy Baby
  • Modellbezeichnung: E-KZ01L50, FFP2
  • Losnummer EAN-Code: 6938457900007
  • Herkunftsland: China

Self Suction Filter Type Anti Particle Respirator

  • Hersteller: Likelove
  • Losnummer EAN-Code: 6972761491073
  • Herkunftsland: China

Three Dimensional Protective Respirator (disposable respirator)

  • Hersteller: Unbekannt
  • Losnummer EAN-Code: Unbekannt
  • Herkunftsland: China

KN95 Respirator Mask

  • Hersteller: NEP
  • Modellnummer: 8410
  • Losnummer EAN-Code: Unbekannt
  • Herkunftsland: China

Da nicht auszuschließen ist, dass die Masken auch in Deutschland verkauft worden sind, warnt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) auch deutsche Endverbraucher vor Nutzung der betroffenen Masken. Generell wird derzeit dringend dazu geraten, Schutzmasken nicht über das Internet zu bestellen, sondern im stationären Handel zu kaufen.

Weltärztepräsident Montgomery kritisiert Maskenpflicht

Frank Ulrich Montgomery kritisiert die geplante bundesweite Maskenpflicht. "Wer eine Maske trägt, wähnt sich sicher, er vergisst den allein entscheidenden Mindestabstand", sagte Montgomery der „Rheinischen Post“. Bei unsachgemäßem Gebrauch könnten Masken gefährlich werden. Im Stoff konzentriere sich ein Virus, beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut, schneller könne man sich kaum infizieren, sagte Montgomery. Eine gesetzliche Maskenpflicht könne es nur für echte Schutzmasken geben, eine Pflicht für Schals oder Tücher sei "lächerlich". Alle "echt wirksamen Masken" benötige derzeit das medizinische Personal sowie Pflegende und Gefährdete.

Mehrere importierte Atemschutzmasken weisen eine mangelhafte Filterwirkung auf und erfüllen daher nicht die Anforderungen der europäischen Norm EN 14. Credit: Europäische Kommission

+++ GfK misst rabenschwarze Stimmung der Deutschen +++

23.04.2020

Pessimismus macht sich breit: Angesichts wachsender Angst vor dem Jobverlust befinden sich Einkommenserwartung und Verbraucherstimmung der Deutschen im freien Fall. Für Mai prognostizieren die Marktforscher der GfK in Nürnberg einen massiven Einbruch des Konsumklimaindexes auf den historischen Tiefstand von -23,4 Punkten – 25,7 weniger als im April.

Schwere Rezession vor Augen

Im Erhebungszeitraum in den ersten zwei Aprilwochen begannen die Verbraucher, das volle Ausmaß der Geschäftsschließungen und Produktionsstilllegungen zu spüren. Den Absturz in eine schwere Rezession vor Augen, fällt die Konjunkturerwartung der Verbraucher auf -21,4 Punkte, lediglich übertroffen von -26 Punkten während der Finanz- und Wirtschaftskrise im Mai 2009.

Höchster seit 1980 gemessener Monatsverlust

Noch dramatischer als die Konjunkturaussichten bewerten die Deutschen ihre Einkommenserwartung: Das Minus von 47,1 Punkten gegenüber April markiert den höchsten je gemessenen Monatsverlust seit Beginn der monatlichen Erhebung im Jahre 1980. Der Indikator fällt auf -19,3 Punkte.

Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist der GfK-Umfrage zufolge riesig, die Angst vor Arbeitslosigkeit stark gestiegen. Entsprechend stürzt die Anschaffungsneigung ab: Der Indikator büßt 36 Punkte ein und rutscht auf -4,6 Punkte ab – im Vorjahresvergleich ein Minus von rd. 58 Punkten.

Schwierige Monate vor uns

"Da sich nun abzeichnet, dass die Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 aus Vorsichtsgründen nur sehr langsam vor sich gehen werden, dürften auch dem Konsumklima in den nächsten Monaten schwierige Zeiten bevorstehen", prognostiziert GfK Konsumexperte Rolf Bürkl.

https://www.gfk.com/de/insights/press-release/corona-schock-konsumklima-erreicht-historischen-tiefpunkt/

Angesichts wachsender Angst vor dem Jobverlust befinden sich Einkommenserwartung und Verbraucherstimmung der Deutschen im freien Fall. Credit: GfK

+++ Gericht kippt 800-Quadratmeter-Beschränkung im Einzelhandel +++

22.04.2020

In einer heute veröffentlichten Eilentscheidung hat das Verwaltungsgericht Hamburg die vom Senat der Hansestadt zur Eindämmung der Corona-Pandemie aufrechterhaltene Schließung von Läden mit mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche für unzulässig erklärt. Damit ist ein wichtiges Kriterium der Corona-Eindämmungsverordnung des Senats vorerst ungültig. Mit seinem Beschluss folgt das Gericht argumentativ der Inhaberin eines Sportgeschäfts in der Hamburger Innenstadt, die sich gegen die Begrenzung ihrer Verkaufsfläche gewehrt hatte.

Unverhältnismäßige Beschränkung der Berufsausübungsfreiheit

Für die Anordnung spezifischer infektionsschutzrechtlicher Maßnahmen sei es ausreichend, Kranke, Krankheitsverdächtige, Ansteckungsverdächtige oder Ausscheider einer übertragbaren Krankheit festzustellen. Die Differenzierung zwischen Verkaufsstellen des Einzelhandels mit einer Verkaufsfläche bis 800 m², die öffnen dürfen, und größeren Verkaufsstellen, die nur bis zu dieser Größe öffnen dürfen, stelle eine unverhältnismäßige Beschränkung der Berufsausübungsfreiheit dar und sei nicht geeignet und erforderlich, die mit ihr verfolgten Zwecke umzusetzen.

Physische Distanzierung auf großen Flächen sogar einfacher

Es sei nicht ersichtlich, dass die getroffenen Infektionsschutzanordnungen in großflächigen Einzelhandelsgeschäften nicht umgesetzt werden können. Im Gegenteil: Es liege auf der Hand, dass die spezifischen Vorgaben auch in großflächigen Einzelhandelsgeschäften umsetzbar seien, in denen die Möglichkeiten einer physischen Distanzierung zumindest ebenso gut wie in kleineren Einrichtungen oder sogar besser als dort einzuhalten seien.

Gesetzliche Vorgaben nicht zutreffend gesehen

"Dem Gericht ist es nicht verwehrt, die behördlich vorgenommene Beurteilung und Bewertung des Sachverhalts daraufhin zu überprüfen, ob die Behörde die gesetzlichen Vorgaben zutreffend gesehen hat", schreibt das Gericht in seiner Urteilsbegründung. "Dies ist hinsichtlich Sinn und Zweck der Ermächtigung nicht der Fall."

Grenzmarke von 800 m² aus Zusammenhang gerissen

Zudem fehle die unmittelbar infektionsschutzrechtliche Begründung für die Grenzmarke von 800 m². Diese sei vielmehr der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts entnommen, dem es dabei um die "gebietsverträgliche" Genehmigung großflächiger Einzelhandelsgeschäfte in einer geordneten Stadtentwicklungsplanung gegangen sei. "Vor diesem Hintergrund kommt dem Abgrenzungskriterium ein infektionsschutzrechtlicher Aspekt unmittelbar nicht zu."

Attraktivität des Warenangebots entscheidender als Verkaufsfläche

Auch für die Annahme, von großflächigen Einzelhandelsgeschäften gehe eine hohe Anziehungskraft mit der Folge entsprechend frequentierter Innenstadtstraßen und öffentlicher Verkehrsmittel aus, liegt nach Auffassung der Richter "keine gesicherte Tatsachenbasis" vor: "Die befürchtete Infektionsgefahr, die von Menschen ausgeht, die sich im öffentlichen Raum bewegen und dort aufhalten, entsteht im gleichen Maß, wenn die Anziehungskraft von attraktiven und nah beieinanderliegenden ‚kleinen‘ Verkaufsstellen des Einzelhandels ausgeht."

Entscheidender ist nach Auffassung der Kammer weniger die Größe der Verkaufsfläche, als vielmehr die Attraktivität des Warenangebots. „So werden etwa im Auto- und Möbelhandel großflächige Verkaufsstellen erforderlich sein, ohne dass von ihnen eine besondere Anziehungskraft auf eine Vielzahl potentieller Kunden ausgeht.“

Hamburger Senat legt Beschwerde ein

Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg legte umgehend Beschwerde gegen die Entscheidung beim Oberverwaltungsgericht (OLG) als nächsthöherer Instanz ein. Zugleich beantragte der Senat, die Verordnung bis zur OLG-Entscheidung in Kraft zu lassen und der Geschäftsinhaberin bis dahin nur den Verkauf auf 800 m² zu erlauben.

Beschluss PDF

Nicht nur Ladeninhaber in der Hamburger Europa-Passage haben das heutige Urteil des Verwaltungsgerichts Hamburg mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. Credit: Harald Hoyer, WikiCommons

+++ Grünes Licht für klinische Prüfung eines Covid-19-Impfstoffs +++

22.04.2020

Das bundeseigene, für die Zulassung von Impfstoffen und biomedizinischen Arzneimitteln zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat heute die erste klinische Prüfung des BNT162-Impfstoffprogramms zur Verhinderung einer Covid-19-Infektion in Deutschland genehmigt. Dies teilten heute das PEI und die den Impfstoff entwickelnden Unternehmen BioNTech SE und Pfizer Inc. mit.

Die Erprobung sogenannter "Impfstoffkandidaten" am Menschen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu sicheren und wirksamen Impfstoffen gegen Covid-19. Die nun genehmigten klinischen Prüfungen haben das Ziel, die generelle Verträglichkeit der Impfstoffkandidaten und deren Fähigkeit zu ermitteln, eine spezifische Immunantwort gegen den Erreger zu erzeugen.

Projekt "Lightspeed" mit 200 gesunden Probanden

Das Mainzer Biotechnologieunternehmen BioNTech wird die vier im Rahmen seines Projektes "Lightspeed" entwickelten Impfstoffkandidaten an 200 gesunden Probanden zwischen 18 und 55 Jahren testen; diese werden mit jeweils einer der vier gering modifizierten Impfstoffvarianten geimpft. Nach einer Wartezeit zur Beobachtung der Geimpften werden im zweiten Teil der klinischen Prüfung weitere Probanden der gleichen Altersspanne geimpft. Der dritte Teil der klinischen Prüfung, in dem Probanden mit erhöhtem Infektionsrisiko oder mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung getestet werden sollen, wurde noch nicht genehmigt.

Weltweit fünfte genehmigte Prüfung

Weltweit ist dies die fünfte genehmigte Prüfung präventiver Covid-19-Impfstoffkandidaten am Menschen. Das PEI geht davon aus, dass in den nächsten Monaten weitere klinische Prüfungen von Covid-19-Impfstoffkandidaten in Deutschland beginnen werden, da für die Bekämpfung der Pandemie mehrere Impfstoffprodukte notwendig sein werden, um die Bevölkerung ausreichend zu versorgen.

Fortschritt schneller als erwartet

"Wir freuen uns, die vorklinischen Studien in Deutschland abgeschlossen zu haben und mit der ersten Studie am Menschen schneller als erwartet beginnen zu können", sagt Uğur Şahin, CEO und Mitbegründer von BioNTech. "Die Schnelligkeit, mit der wir vom Beginn des Programms bis zum Start der Studie voranschreiten konnten, spricht für das hohe Engagement aller Beteiligten." Der seit 2006 als Professor für experimentelle Onkologie am Universitätsklinikum Mainz lehrende Şahin ist zuversichtlich, in den nächsten Wochen auch über einen neuartigen therapeutischen Ansatz für bereits infizierte Patienten berichten zu können.

https://www.pei.de/DE/newsroom/pm/jahr/2020/08-erste-klinische-pruefung-sars-cov-2-impfstoff-in-deutschland.html

https://investors.biontech.de/news-releases/news-release-details/biontech-and-pfizer-announce-regulatory-approval-german

Uğur Şahin, Professor für experimentelle Onkologie am Universitätsklinikum Mainz, ist CEO und Mitbegründer von BioNTech. Credit: BioNTech SE

+++ Ölpreis stürzt erstmals in der Geschichte ins Minus +++

21.04.2020

Zum ersten Mal in der Geschichte notiert US-amerikanisches Erdöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) unter null: Am 20. April stürzte der Preis auf minus 37 US-Dollar pro Barrel ab, um heute nach nächtlicher Erholung bei Handelseröffnung in Europa auf minus 4,29 Dollar pro Fass zurückzufallen – den Preis für das Fass nicht eingerechnet, wie der britische "Guardian" sarkastisch bemerkt.

Händler mussten ihre Kunden dafür bezahlen, dass diese ihnen ihr Rohöl kurz vor Auslaufen des Mai-Terminkontrakts abnahmen – Papieröl verwandelte sich in echtes Öl, und die Händler waren verpflichtet, das auf dem Papier gebuchte Öl nun auch physisch abzunehmen.

Öltanks in den Vereinigten Staaten zum Bersten voll

Angesichts des weltweiten Corona-Lockdowns stehen Autos, Flugzeuge und Fabriken still, die Tanks in den Vereinigten Staaten sind zum Bersten voll und die Lagerkapazitäten zur Speicherung des Überangebotes an Öl entsprechend knapp. Der Ausverkauf geht weiter: "Die Preise werden für einige Zeit niedrig und sehr volatil bleiben", prognostiziert der langjährige BP-Manager John Browne in der BBC. "Dies erinnert sehr an die Mitte der 1980er Jahre, auch damals gab es zu viel Angebot und zu wenig Nachfrage. 17 Jahre lang blieben die Ölpreise niedrig."

Russland braucht 42 Dollar pro Barrel

Damals beschleunigte der niedrige Ölpreis den ökonomischen Verfall der Sowjetunion, und auch heute ist Russland auf Rohstoffexporte angewiesen. Vom nächsten Monat an, so hat die Kreml-Führung es mit der Opec vereinbart, darf Russland nur noch 8,5 Millionen Barrel am Tag fördern. 42 Dollar brauchen die Russen pro Barrel, um ihr Öl gewinnbringend zu fördern.

Doch nicht nur der Ölpreis macht dem Kreml aktuell zu schaffen: Aufgrund des schwachen Rubel-Kurses erzielen die russischen Ölkonzerne ein Drittel weniger pro Fass als im vergangenen Jahr. Russlands Exporterlöse dürften mit sieben Prozent noch stärker sinken als in der Weltfinanzkrise 2009. Andrej Kostin, CEO der Staatsbank VTB, rechnet mit dramatischen Kreditausfällen und zweistelligen Milliardenverlusten russischer Banken.

US-Fracking-Industrie pumpt gegen steigende Verluste an

Die US-Amerikaner sitzen im selben Boot, deren Fracking-Unternehmen sind auf einen Ölpreis jenseits der 60 US-Dollar-Marke angewiesen, um bei der aufwendigen Förderung aus Schiefergestein einen positiven Cashflow zu generieren. 42 Fracking-Unternehmen mussten 2019 Insolvenz anmelden, die Gläubiger blieben auf Forderungen in Höhe von fast 26 Milliarden US-Dollar sitzen.

Bei den aktuellen Weltmarktpreisen pumpen die 29 größten amerikanischen Fracking-Unternehmen gegen permanent steigende Schulden an. Mit einer Förderung von 13,29 Millionen Barrel pro Tag haben die Amerikaner Saudi-Arabien zwar als größten Ölproduzenten abgelöst – doch das können die Saudis verschmerzen, fördern sie doch bereits bei einem Preis von rund drei US-Dollar pro Barrel profitabel.

"Dealmaker" Trump sagt Plan für "großartige US-Öl- und Gasindustrie" zu

Für den selbsternannten "Dealmaker" Donald Trump kommt der dramatische Einbruch des US-Ölmarktes angesichts der Corona-Krise und des Jobverlustes von 22 Millionen Amerikanern sieben Monate vor den US-Präsidentschaftswahlen zur Unzeit.

Seit Tagen bemüht sich der US-Präsident bislang vergeblich, die Lage auf dem Ölmarkt zu beruhigen. "Wir werden die großartige US-Öl- und Gasindustrie niemals im Stich lassen", schrieb Trump heute auf Twitter. "Ich habe den Energieminister und den Finanzminister angewiesen, einen Plan auszuarbeiten, der Mittel zur Verfügung stellt, damit diese sehr wichtigen Unternehmen und Arbeitsplätze auch weit in die Zukunft gesichert werden!"

Bohrung im US-Bundesstaat Wyoming am Rande der Rocky Mountains. Credit: Pinedale Field, Wyoming State

+++ Zehn Bundesländer beschließen Maskenpflicht +++

21.04.2020

Zunächst waren es Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, die aus der „dringenden Empfehlung“ der Bundesregierung eigene „Verfügungen“ machten. Nun folgen sieben Bundesländer sowie unabhängig von den Regelungen ihrer Länder einige Kommunen: Von kommender Woche an müssen Mund und Nase in Bussen, Bahnen und Geschäften bedeckt sein.

Weder in der Empfehlung der Bundesregierung, noch in den Verfügungen der Bundesländern ist die Rede von professionellen OP-Masken; diese sind auf absehbare Zeit auch gar nicht in ausreichender Stückzahl verfügbar. Ein Schal oder Tuch, eine selbstgenähte oder gekaufte einfache Maske tun es auch, solange sie Mund und Nase bedeckt.

Wichtig ist die richtige Handhabung der Maske:

Sie muss eng über Mund und Nase anliegen
Vor deren An- und Ausziehen die Hände mindestens 20 Sekunden lang waschen
Stets einen neuen oder frisch gewaschenen Mund-Nasen-Schutz verwenden
Idealerweise nur an den Riemen der Maske festhalten
Bei Wegwerfmasken mit Nasenbügel nur den Nasenbügel in Position drücken

Baden-Württemberg

Vom 27. April an ist das Tragen von Schutzmasken in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend. Über Sanktionen gegen Maskenverweigerer wird in den kommenden Tagen entschieden. In den Städten Sulz am Neckar und Kirchheim unter Teck gilt die Maskenpflicht bereits.

Bayern

Vom 27. April an ist die Verhüllung von Mund und Nase in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend. Die Maskenpflicht gilt vom 7. Lebensjahr an. Bei Verstößen gegen die Maskenpflicht droht ein Bußgeld.

Berlin

Vom 27. April an ist die Verhüllung von Mund und Nase in öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend. In Geschäften wird das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ebenso wie im Kontakt mit Risikopersonen „dringend empfohlen“.

Brandenburg

Die Landesregierung plant bislang kein verpflichtendes Tragen eines Mundschutzes im öffentlichen Raum. Wichtiger ist ihr die Einhaltung des Abstandsgebots. Wo dies nicht eingehalten werden könne, etwa im öffentlichen Nahverkehr, empfiehlt sie das Tragen einer Maske. In der Landeshauptstadt Potsdam gilt vom 27. April an eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen.

Bremen

Der Stadtstaat sieht vorerst von einer Maskenpflicht in der Öffentlichkeit ab, empfiehlt die Verhüllung von Mund und Nase jedoch dringend. Kommen 90 Prozent der Bremer dieser Empfehlung freiwillig nach, wäre das Ziel ohne Verpflichtung erreicht. Am 24. April wird der Senat auf Basis der bis dahin gesammelten Erkenntnisse über die weitere Vorgehensweise entscheiden.

Hamburg

Der Erste Bürgermeister der Hansestadt kündigte eine vom 27. April an geltende Maskenpflicht im Einzelhandel, auf Wochenmärkten und im öffentlichen Nahverkehr an. Die bisherigen Empfehlungen zum Tragen von Masken hätten bei den Hamburgern nicht ausreichend gefruchtet.

Hessen

Die Landesregierung plant eine Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein Kabinettsbeschluss dazu steht aber noch aus. Bereits seit dem 20. April gilt in Hanau das verpflichtende Tragen eines Mundschutzes.

Mecklenburg-Vorpommern

Hier gilt vom 27. April an eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Taxis, zunächst jedoch nicht in Geschäften.

Niedersachsen

Hier gilt bislang keine Maskenpflicht, die Landesregierung setzt vorerst auf das freiwillige Tragen eines Mund-Nase-Schutzes. Wolfsburg hat allerdings bereits eine Maskenpflicht eingeführt, Braunschweig plant, am 25. April nachzuziehen.

Nordrhein-Westfalen

Da die flächendeckende Versorgung mit Alltagsmasken durch den Handel derzeit nicht garantiert werden könne, lehnt die Landesregierung die Maskenpflicht gegenwärtig ab. Sie setzt stattdessen auf die „Verantwortung jedes Einzelnen“. Das Tragen einer Maske bleibt damit eine Empfehlung. Als erste nordrhein-westfälische Großstadt hat Münster eine Maskenpflicht vom 27. April an beschlossen; sie gilt in Läden, auf Märkten, in Bussen und öffentlichen Bereichen der städtischen Verwaltungen.

Rheinland-Pfalz

Eine flächendeckende Maskenpflicht gibt es derzeit nicht. Die Landesregierung stellt allen jetzt gestaffelt in die Schulen zurückkehrenden Schülern eine Mund-Nasen-Maske zur Verfügung.

Saarland

Die Landesregierung hat noch nicht über eine Maskenpflicht entschieden.

Sachsen

Im Freistaat gilt bereits seit dem 20. April eine Maskenpflicht in Geschäften und im Nahverkehr.

Sachsen-Anhalt

Die Landesregierung beschloss eine Maskenpflicht vom 23. April an; sie gilt beim Einkaufen und beim Fahren mit Bus und Bahn. Neben OP-Masken sind auch selbstgenähte Stoffmasken oder über das Gesicht gezogene Schals und Tücher als Schutzbarriere erlaubt.

Schleswig-Holstein

Die Landesregierung wird am 22. April eine vom 29. April an geltende Maskenpflicht einführen.

Thüringen

Hier gilt vom 24. April an eine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen. Verstöße werden jedoch zunächst nicht geahndet. Die thüringische Universitätsstadt Jena hatte als erste Stadt in Deutschland eine Maskenpflicht eingeführt. Auch im Kreis Nordhausen ist der Gesichtsschutz vorgeschrieben.

Vom 27. April an gilt in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln der meisten Bundesländer eine Maskenpflicht. Credit: Anestev, Pixabay

+++ O'zapft is net +++

21.04.2020

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hatten abzuwägen zwischen sechs Millionen traurigen Augustiner-, Hacker-Pschorr-, Hofbräu-, Löwenbräu-, Paulaner- und Spaten-Trinkern und einem unkalkulierbar hohen Corona-Infektionsrisiko.

Die beiden Politiker gehen auf Nummer Sicher: Das Oktoberfest, größtes Volksfest der Welt, fällt in diesem Jahr aus.

"Normalerweise hätten wir ein großes Interesse, dass dieses Fest stattfindet. Aber wir leben in besonderen Zeiten", sagte Söder heute Vormittag auf einer Pressekonferenz. "Wir sind übereingekommen, dass das Risiko schlicht und ergreifend zu groß ist." Und es trifft nicht allein das Oktoberfest: "Wir haben noch einige andere Feste, die in dieser Zeit stattfinden, Gillamoos und andere. Über die müssen wir hier ähnlich entscheiden", betonte der aus dem fränkischen Nürnberg stammende Ministerpräsident.

Über eine Milliarde Euro Umsatzausfall

Für viele Bayern – sie stellen 70 Prozent der Oktoberfest-Besucher – ist die seit 1810 jährlich auf der Theresienwiese ausgerichtete "Wiesn" das Highlight des Jahres. Leicht sei die Entscheidung daher nicht gefallen, betont auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Das ist schon eine bittere Pille. Alle werden das Oktoberfest schmerzlich vermissen - auch im Geldbeutel.“ Die Wiesn 2019 generierten inclusive Übernachtungen einen Gesamtumsatz von über 1,2 Milliarden Euro.

Die Einhaltung der Abstandsregeln wäre den über sechs Millionen Wiesn-Besuchern nach 7,3 Millionen Maß Bier mit 13,5 Prozent Stammwürze und 6,4 Volumenprozent Alkohol vermutlich schwergefallen. Credit: Bayreuth2009, WikiCommons

+++ Pfiffige Produktideen in den Zeiten der Corona +++

20.04.2020

In Asien ist sie wegen der Luftverschmutzung seit langem gang und gäbe, mit dem Coronavirus hält die Gesichtsmaske nun auch Einzug in die westlichen Gesellschaften. Viele hadern noch mit der "Maskenpflicht", und so kommt Danielle Baskin mit ihrer Idee eigentlich gerade zur rechten Zeit.

"Be protective and be recognized. It's so easy", lautet der Claim ihres in San Francisco beheimateten Start-Ups Resting Risk Face. "Verhalte Dich schützend und werde erkannt. Es ist so einfach".

Maske mit den eigenen Gesichtszügen

Der Kunde lädt ein bei Tageslicht aufgenommenes Foto seines Gesichts mit der Web-App von Resting Risk Face hoch und optimiert die digitale Vorschau auf seine Maske. Anschließend druckt Danielle Baskin die verzerrungsfreien Gesichtszüge des Kunden mittels Computational Mapping auf die Oberfläche einer Maske. Sie sieht so täuschend echt aus, dass sie sogar Gesichtserkennungssoftware und die True-Depth-Kamera des iPhone X zu überlisten imstande ist. Selbst das Gummiband der Maske wird an den Hautton des Kunden angepasst.

Kauforder über 10.000 Masken aus China

Die Ankündigung dieses Produktes stieß auf ein überwältigendes Echo. "Binnen weniger Stunden wurde ich tausende Male retweetet", sagt die junge Unternehmerin. "Die Leute liebten oder hassten es. Ich erhielt unterschiedlichste Reaktionen im Netz." 50.000 Zugriffe verzeichnete Danielle Baskin auf ihrer Website, Hunderte von Anfragen gingen per Mail ein, darunter eine Kauforder über 10.000 Masken aus Shenzhen in der Provinz Guangdong nördlich von Hongkong.

"Is this a joke? Yes. No. We’re not sure. Viruses are not a joke"

Die Überraschung oder Enttäuschung – je nach Standpunkt des Lesers – hat sich Danielle Baskin als Abbinder für ihre Unternehmens-Website aufgehoben: "Is this a joke? Yes. No. We’re not sure. Viruses are not a joke." – "Ist dies ein Witz? Ja. Nein. Wir sind nicht sicher. Viren sind kein Scherz. Falls Sie den Kapitalismus im Spätstadium mögen: Die Gesichtserkennungs-Atemschutzmasken werden für 40 US-Dollar im Handel sein. Noch befinden Sie sich in der Entwicklung." Baskin zögert, ihre Idee jetzt auf den Markt zu bringen: „Gerade jetzt, da sich der Virus verbreitet, mangelt es global an Masken. Solange dies so ist, werde ich mein neues Designerprodukt nicht produzieren.“

https://faceidmasks.com/#info
https://abc7news.com/coronavirus-masks-realistic-custom-respirator-danielle-baskin-resting-risk-face/5957083/

Danielle Baskin entwickelte eine spezielle Schutzmaske: Der Kunde bestellt sein eigenes Konterfei. Credit: Resting Risk Face

+++ Welche Erleichterungen treten heute in Kraft? +++

20.04.2020

Nach wochenlangem Lockdown startet Deutschland heute in eine neue Phase. Wie in der föderalen Bundesrepublik üblich, gelten in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Regelungen.

Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen

Die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen gelten bis zum 3. Mai fort. In der Öffentlichkeit ist ein Abstand von 1,5 Metern einzuhalten. Man darf sich dort nur im Kreis der Angehörigen oder mit einer weiteren, nicht im Haushalt lebenden Person aufhalten.

In Bayern werden die Ausgangsbeschränkungen minimal gelockert. Von heute an ist es auch im Freistaat erlaubt, sich mit einer nicht im Haushalt lebenden Person im öffentlichen Raum aufzuhalten.

Versammlungsverbote

Das Versammlungsverbot in Kirchen, Moscheen und Synagogen bleibt vorerst in Kraft. Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August grundsätzlich untersagt.

Weitere Geschäfte öffnen

Nach dem Beschluss von Bund und Ländern dürfen alle Geschäfte mit einer Ladenfläche von bis zu 800 Quadratmetern sowie Kfz- und Fahrradhändler und Buchhandlungen unabhängig von ihrer Größe ihre Türen wieder öffnen, in Bayern darüber hinaus Gärtnereien sowie Bau- und Gartenmärkte, in Nordrhein-Westfalen auch Möbelhäuser und Babyfachmärkte.

In Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland können auch größere Geschäfte öffnen, sofern sie ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter begrenzen. In Brandenburg und Niedersachsen dürfen auch Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern öffnen, die in Einkaufszentren liegen.

In Berlin und Brandenburg öffnen die Geschäfte erst am 22. April, in Thüringen am 24. April, in Bayern in der kommenden Woche.

Am 4. Mai dürfen Friseursalons ihren Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen, sofern sie bis dahin die Hygieneauflagen erfüllen, die Vermeidung von Warteschlangen gewährleisten und Schutzbekleidung für ihre Mitarbeiter erworben haben.

Maskenpflicht in Bayern, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern

In Sachsen muss in Bussen, Bahnen und Geschäften von heute an ein Mundschutz getragen werden; in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern ist vom 27. April an ein Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften vorgeschrieben. Es müssen keine medizinischen Masken sein, einfache Bedeckungen (z. B. ein Tuch) genügen.

Rückkehr in die Schulen

Am 4. Mai kehrt schrittweise der Schulalltag zurück, zunächst für die Abschlussklassen, die obersten Grundschul-Klassen sowie für Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen.

In Berlin, Brandenburg und Sachsen sind Abiturprüfungen und Prüfungsvorbereitungen bereits von heute an zugelassen. Die übrigen Bundesländer ziehen bis Anfang Mai nach.

Und wann öffnen die Kitas?

Von heute an wird eine Arbeitsgruppe von Ländern, Bund und Experten Leitlinien erarbeiten, wie eine schrittweise Wiederöffnung der Kitas aussehen könnte.

Krankschreibungen nicht mehr telefonisch möglich

Von heute an sind Krankschreibungen nicht mehr telefonisch möglich. Die entsprechende Ausnahmegenehmigung lief Ende vergangener Woche aus.

Nächste Schritte

Am 30. April werden Bund und Ländern über die nach dem 4. Mai einzuleitenden Schritte beraten.

Nach fast vier Wochen werden ab heute erste Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus in Deutschland gelockert. Credit: Bundesregierung

+++ Uneins über Strategie: Herdenimmunität vs. Lockdown +++

19.04.2020

„Eine tickende Zeitbombe für Boris Johnson“

Der britische Premierminister war einer ihrer eloquentesten Befürworter. Doch spätestens seit Boris Johnson auf der Intensivstation des Londoner St. Thomas Hospitals mit dem Tode rang („The National Health Service has saved my life“), ist sein Plädoyer für die „Herdenimmunität“ verstummt.

Im Gegenteil: „38 Tage, in denen Großbritannien in eine Katastrophe schlafwandelte“, titelt die „Sunday Times“. Von Ende Januar bis Anfang März habe der Premier an keiner einzigen der fünf Sitzungen des nationalen Krisenrats teilgenommen, schreibt das reichweitenstarke Murdoch-Blatt und zitiert einen Johnson-Berater mit dem Satz: „Du kannst nicht im Krieg sein, wenn der Premierminister nicht da ist.“

Statt die Corona-Pandemie ernst zu nehmen, habe London auf Bitten der Chinesen sogar 279.000 Schutzmasken als Spende nach Peking geschickt. „Die Enthüllungen über Johnsons Auszeit sind schädlich und könnten eine tickende Zeitbombe für seine Popularität sein“, meint Iain Begg, Professor an der „London School of Economics“ angesichts der 16.095 an und mit Corona verstorbenen Briten.

Herdenimmunität in Stockholm im Mai?

Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell dagegen bleibt dabei: „Unsere mathematischen Modelle deuten darauf hin, dass es im Mai in Stockholm möglicherweise eine Herdenimmunität gibt.“ Tom Britton, Professor für mathematische Statistik an der Universität Stockholm, stützt Tegnells Aussage: Seinen Berechnungen zufolge ist bereits ein Drittel der Einwohner Stockholms mit dem neuen Coronavirus infiziert. Die maximale Ausbreitung der Infektion sei bereits vor einigen Tagen erreicht worden, schätzt Britton, in etwa einem Monat werde die Herdenimmunität auftreten. „Allerdings gibt es mehrere Unwägbarkeiten“, räumt der Statistiker ein. „Insbesondere, weil es schwierig ist vorherzusagen, wie sich die Menschen in Zukunft verhalten werden.“

Hohe Sterblichkeitsrate in Alten- und Pflegeheimen

Bislang sind 1.540 der 10,3 Millionen Schweden an oder mit Covid-19 verstorben, 1.054 Menschen liegen derzeit auf den Intensivabteilungen des Landes. „Wir müssen darüber nachdenken, was wir noch tun können, um ältere Menschen besser zu schützen als bisher“, sagt Tegnell mit Blick auf die hohe Sterblichkeitsrate in Alten- und Pflegeheimen. „Wir hatten eine unglückliche Entwicklung in der Altenpflege.“ Nicht zuletzt diese „unglückliche Entwicklung“ hat das Nachbarland Norwegen bewogen, die 1.619 Kilometer lange Grenze zu Schweden zu kontrollieren und einreisenden Norwegern eine zweiwöchige Quarantäne aufzuerlegen. Denn die Regierung in Oslo verfolgt eine strengere Corona-Politik und verzeichnet bislang lediglich 165 Todesfälle bei 5,4 Millionen Einwohnern.

„Gefährliches Experiment“

„Was gegenwärtig in Schweden passiert, ist ein gefährliches Experiment“, warnt Cecilia Söderberg-Nauclér, Viren-Expertin am Stockholmer Karolinska-Institut. „In Schweden und insbesondere in der Gegend um Stockholm kann es zu einer sehr ernsten Situation kommen. Es besteht Grund zur Befürchtung, dass um die Ecke eine Katastrophe auf uns lauert.“ Sie rechnet binnen weniger Wochen mit fast einer halben Million infizierter Hauptstadtbewohner und einer raschen Ausbreitung der Pandemie auf den Rest des Landes, sofern nicht sofort Maßnahmen wie in Dänemark und Norwegen getroffen werden.

„Der Ansatz muss radikal und schnell geändert werden“, drängen Söderberg-Nauclér und 22 ihrer Kollegen in der Zeitung „Dagens Nyheter“. Im „Guardian“ äußert sich die Immunologin noch drastischer: „Unsere Regierung glaubt, sie könne das Virus nicht stoppen, also hat sie beschlossen, die Leute sterben zu lassen.“ Mit ihrer Entscheidung, ihre massive Kritik an der Stockholmer Regierung auch über Putins Auslandsfernsehsender „Russia Today“ zu lancieren, hat Söderberg-Nauclér der Glaubwürdigkeit ihrer Position in Schweden allerdings keinen Gefallen getan.

„Herdenimmunität für Deutschland untauglich“

Für Deutschland ist die Herdenimmunität untauglich, sagt Helge Braun, Chef des Kanzleramtes und promovierter Humanmediziner: „Um nur die Hälfte der deutschen Bevölkerung in 18 Monaten zu immunisieren, müssten sich jeden Tag 73.000 Menschen mit Corona infizieren. So hohe Zahlen würde unser Gesundheitssystem nicht verkraften und könnten auch von den Gesundheitsämtern nicht nachverfolgt werden. Die Epidemie würde uns entgleiten.“

Auch das andere Extrem, die Strategie Südkoreas, das Virus nahezu gänzlich auszurotten, sei für Deutschland mit seinen neun Nachbarländern keine Option: „Selbst wenn wir das Virus stark zurückdrängen, kommt es dann aus dem Ausland immer wieder zurück.“ Breit angelegte Hygienemaßnahmen und fortgesetzt angewandte Abstandsregeln bleiben nach Brauns Auffassung auch bei rückläufigen Neuinfektionszahlen notwendig: „Je niedriger die Infektionszahlen, desto besser gelingt uns die Kontaktnachverfolgung und damit die Unterbrechung der Infektionsketten.“

tv4play

https://www.youtube.com/watch?v=gSqIwXl6IjQ

"Sunday Times" am 19. April: „38 Tage, in denen Großbritannien in eine Katastrophe schlafwandelte“

+++ Erster deutscher Corona-Patient mit Remdesivir geheilt +++

18.04.2020

Zunächst erfolgreich an sechs Rhesusaffen getestet, fand das Ebola-Medikament Remdesivir im zweiten Schritt Anwendung bei 113 schwer an Covid-19 erkrankten amerikanischen Patienten des Universitätskrankenhauses von Chicago. Angesichts signifikanter Behandlungserfolge wurden die Tests daraufhin auf 2.400 massiv von Covid-19 betroffene Patienten in weltweit 152 Krankenhäusern ausgedehnt.

Dank eines Anfang April dieses Jahres vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) genehmigten Härtefallprogramms können auch deutsche Krankenhäuser an diesem Test teilnehmen und das offiziell noch nicht zugelassene Remdesivir bei schwer betroffenen Corona-Patienten einsetzen.

"Ich habe mein Leben zurück"

Einer der Testteilnehmer ist das Krankenhaus Rechts der Isar in München. Hier gelang dem Infektiologen Dr. med. Christoph Spinner nun die erste Heilung eines deutschen Covid-19-Patienten mit Remdesivir. „Ich habe mein Leben zurück“, jubelt der Münchner Curtis Warren Puckett. Der unter der chronischen Lungenerkrankung COPD und Asthma leidende 43-Jährige hatte sich mit SARS-CoV-2 infiziert: „Ich hatte 40 Grad Fieber und starken Husten“, berichtet Puckett. „Meine Lungen taten weh, ich hatte Angst - ein Stück weit Panik.“

Bereits nach vier Tagen Remdesivir symptomfrei

Oberarzt Spinner fragte den Risikopatienten Puckett, ob dieser bereit sein, an der Studie teilzunehmen: „Das Coronavirus vermehrt sich durch Nutzung eines viralen Enzyms, der Polymerase“, erläuterte der Facharzt für Innere Medizin. „Remdesivir hemmt dieses Virus-eigene Eiweiß und sorgt so hoffentlich dafür, die Vervielfältigung der Viren zu verhindern.“ Puckett willigte ein. Fünf Tage lang wurde ihm Remdesivir täglich eine halbe Stunde lang intravenös verabreicht, ohne dass er Nebenwirkungen feststellte. Bereits im Laufe des ersten Behandlungstages ging Pucketts Körpertemperatur auf 38,8 Grad zurück, nach vier Tagen verschwanden Husten und Fieber gänzlich. Schließlich konnte der Münchner das Krankenhaus gesund verlassen.

„Remdesivir hat mich geheilt“, ist Puckett überzeugt. „Ich bin ein Glückspilz, dass ich das Medikament bekommen habe.“ Bereits in der kommenden Woche will Puckett an seinen Arbeitsplatz zurückkehren.

Artikel in statnews

Dem am Krankenhaus Rechts der Isar tätigen Infektiologen Christoph Spinner gelang die erste Heilung eines deutschen Covid-19-Patienten mit Remdesivir. Credit: Krankenhaus Rechts der Isar

+++ Remdesivir erfolgreich bei Covid-19-Patienten getestet +++

18.04.2020

Ursprünglich gegen Ebola entwickelt, führt das Medikament Remdesivir einer Studie der Universitätsklinik Chicago zufolge zu rascher Fiebersenkung und zum Rückgang der Covid-19-Symptome. Fast alle Corona-Patienten konnten nach weniger als einer Woche entlassen werden.

Das amerikanische Pharmaunternehmen Gilead Sciences betonte, die Daten müssten noch analysiert werden, um Schlüsse daraus ziehen zu können. Die Uniklinik Chicago warnte davor, Teildaten einer laufenden Studie zu nutzen, da die Informationen unautorisiert aus einem internen Forum für Wissenschaftler publiziert worden seien. Gilead Sciences geht davon aus, erste Ergebnisse aus der laufenden Phase-3-Studie Ende April bekanntgeben zu können. Die Universitätsklinik Chicago ist eines von 152 Krankenhäusern, das an der Gileads-Studie mit Covid-19-Patienten teilnimmt.

Börse honoriert erste Remdesivir-Erfolge

Die Gilead-Aktie stieg nach dem Bericht auf zeitweise 85,79 Dollar und schloss damit nahe unter seinem jüngst markierten Vierjahres-Hoch. Seit Mitte Januar befindet sich die Aktie des kalifornischen Unternehmens im Aufwärtstrend. Das 1987 vom damals 29-jährigen Arzt Michael Riordan gegründete, nach dem biblischen Ort Gilead benannte Unternehmen mit Sitz in Foster City zählt mit einem weltweiten Umsatz von 22 Milliarden US-Dollar und 9.000 Mitarbeitern zu den größten Pharmaunternehmen der Welt und erforscht maßgeblich Therapien für HIV, Hepatitis B, Hepatitis C und Influenza.

https://www.gilead.com/purpose/advancing-global-health/covid-19

Das Gilead-Medikament Remdesivir führt in ersten Tests zu rascher Fiebersenkung und zum Rückgang der Covid-19-Symptome. Credit: Gilead Sciences

+++ Mutti Merkels Mathestunde +++

17.04.2020

Während Emmanuel Macron in Paris den Krieg gegen einen unsichtbaren Feind beschwört („en guerre sanitaire contre le Covid-19“) und Boris Johnson in London spottet, bis man ihm auf der Intensivstation die Atemmaske aufsetzt („I shook hands with everybody“), nimmt sich Angela Merkel in Berlin der Corona-Herausforderung nüchtern und analytisch an. Keine theatralische Pose, kein süffisantes Grinsen, sondern Mathe-Grundkurs:

"Jeder steckt 20 Prozent mehr an, also von fünf Menschen steckt einer zwei an und vier einen"

„Wir haben Modellbetrachtungen gemacht. Wir sind jetzt ungefähr bei diesem Reproduktionsfaktor 1, also einer steckt einen an – das kann ich immer nur für eine Infektionskette sagen, ob einer einen ansteckt, das ist dann ein Mittelwert, aber es ist ungefähr einer steckt einen an. Schon wenn wir darauf kommen, dass jeder 1,1 Menschen ansteckt, dann sind wir im Oktober wieder an der Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems mit den angenommen Intensivbetten. Wenn wir 1,2 - also jeder steckt 20 Prozent mehr an – also von fünf Menschen steckt einer zwei an und vier einen -, dann kommen wir im Juli schon an die Belastungsgrenze unseres Gesundheitssystem. Und bei 1,3 – das hört sich nicht viel an, wir kommen von drei bis fünf Ansteckungen –, sind wir im Juni an der Belastungsgrenze unseres Gesundheitssystems. Daran sehen Sie also, in welch kleinem Spielraum wir uns aufhalten. Die ganze Entwicklung basiert darauf, dass wir eine Infektionszahl haben, die wir überblicken und nachverfolgen können. Es ist ein dünnes Eis, eine fragile Situation, in der Vorsicht das Gebot ist und nicht Übermut.“

"Souverän die Bedeutung von Dezimalstellen erklären statt große Zukunftsvisionen projizieren“

„In ihren 14 Jahren als Deutschlands Bundeskanzlerin war Angela Merkels klare Darstellung und Abneigung gegen rhetorischen Glanz ein häufiges Problem für Journalisten und Parteikollegen, die sich nach einer leidenschaftlicheren Kommunikation zwischen Regierungschefin und Öffentlichkeit sehnten“, schreibt Philip Oltermann, Deutschland-Korrespondent des britischen „Guardian“. „Doch mitten in der Coronavirus-Krise haben sogar ihre Kritiker eine Politikerin zu schätzen gelernt, die souverän die Bedeutung von Dezimalstellen erklärt statt große Zukunftsvisionen zu projizieren.“

https://www.youtube.com/watch?time_continue=97&v=22SQVZ4CeXA&feature=emb_logo

"Angela Merkel greift bei Covid-19-Erklärung auf wissenschaftlichen Hintergrund zurück", schreibt der "Guardian" voller Anerkennung.

+++ Fox News: Coronavirus wahrscheinlich aus China-Labor +++

17.04.2020

Ungewöhnlich zurückhaltend reagierte US-Präsident Donald Trump auf die von seinem Haussender Fox News verbreitete Meldung, das neuartige Coronavirus sei wahrscheinlich einem Labor im chinesischen Wuhan entwichen. Das Virus sei nicht als Biowaffe entwickelt worden, sondern um zu demonstrieren, dass die Volksrepublik den Vereinigten Staaten in der Virologie nicht nur ebenbürtig, sondern überlegen sei.

Von der „teuersten Vertuschung der Regierung aller Zeiten“ spricht eine der von Fox-News-Anchorman Bret Baier und Anwalt Gregg Re interviewten Quellen. Diesen Informanten zufolge wurde im Labor ein natürlich vorkommender Coronavirus-Stamm untersucht, von einer Fledermaus auf die im Labor tätige „Patientin Null“ übertragen und von dieser in die Bevölkerung in Wuhan getragen. Baier und Re haben um Einsicht in die Belege gebeten, doch wurde ihnen dies mit dem Hinweis verwehrt, die Untersuchung des Falles sei noch nicht abgeschlossen.

"Wir hören diese Geschichte immer häufiger"

Zunächst wurde die These, der Tiermarkt von Wuhan sei nicht der primäre Infektionsort gewesen, primär in der Wissenschaftsgemeinde diskutiert. Nun wurde sie zum Politikum, als Fox-News-Reporter John Roberts den US-Präsidenten mit der Frage konfrontierte, ob er die Version teile, der zufolge sich eine Praktikantin im Labor mit dem Virus infiziert, durch die mangelhafte Biosicherheit geschlüpft und ihren Freund angesteckt habe, mit dem sie auf den Tiermarkt gegangen sei. „Das will ich nicht sagen“, antwortete Trump vage. „Aber ich werde Ihnen sagen, dass wir diese Geschichte immer häufiger hören.“

Wet Market als Ausgangsort widerlegt

Die Version, das Coronavirus habe sich auf einem Meerestiermarkt in Wuhan auf den ersten Menschen übertragen, gilt dem „Washington Post“-Kolumnisten Josh Rogin zufolge als eindeutig widerlegt: Der am 1. Dezember von chinesischen Forschern gemeldete erste bekannte Covid-19-Fall hatte wie auch ein Drittel der nachfolgend infizierten Personen nachweislich keine Verbindung zu dem Fischmarkt. Überdies werden auf dem „Wet Market“ von Wuhan gar keine Fledermäuse zum Verzehr angeboten.

Vielmehr gilt die Fischmarkt-Geschichte mittlerweile als Manöver der Pekinger Führung, von der Laborversion abzulenken. Letztere scheint Gegenstand eines Gesprächs des US-Präsidenten mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping gewesen zu sein. China sei Antworten schuldig geblieben, monierte US-Außenminister Mike Pompeo. Peking müsse die Wahrheit sagen über das, was es wisse.

Wuhan Institute of Virology seit Jahren im Fokus

Bereits im Oktober 2014 hatte das „Wuhan Institute of Virology“ (WIV) im Zuge eines gemeinsamen Forschungsprojektes den Argwohn amerikanischer Virologen der University of North Carolina geweckt, und auch Vertreter der US-Botschaft in Peking waren nach mehreren Besuchen vor Ort alarmiert. Ihre „Sensitive But Unclassified“ überschriebenen Warnungen über die in Wuhan vorgenommenen überaus risikobehafteten Experimente mit Influenza-, Mers- und Sars-Viren in Kombination mit gravierenden Schwächen im Sicherheitsmanagement sandten sie ans State Department.

"Bat Woman" wehrt sich gegen Vorwürfe

Projektleiterin Shi Zhengli (Spitzname „Bat Woman“) und ihr Team setzten ihre gefährliche Arbeit fort, bis sie schließlich um amerikanische Hilfe baten, da sich der Verdacht erhärtet hatte, SARS-ähnliche Turboviren seien von Fledermäusen auf Menschen übertragen worden. Am 14. Januar dieses Jahres sprach der Leiter der Nationalen Gesundheitskommission, Ma Xiaowei, in einem publik gewordenen internen Memo daraufhin von der „schlimmsten Herausforderung seit Sars“. Erst sechs Tage später räumten Chinas Behörden ein, das Virus verbreite sich von Mensch zu Mensch weiter.

Angesichts der in chinesischen sozialen Medien publizierten Vorwürfe, das WIV sei die Quelle des neuartigen Coronavirus, bestritt Shi dies in der „South China Morning Post“ vehement: „Ich schwöre bei meinem Leben: Das Virus hat nichts mit unserem Labor zu tun.“ Virologen bestätigen, keine genetischen Veränderungen an der Struktur des Virus festgestellt zu haben.

Tiere vom Meerestiermarkt unauffindbar

Doch während Shis WIV nach den Standards des Biosecurity Level 4 betrieben wird, unterliegt die Arbeit am benachbarten „Wuhan Center for Disease Control and Prevention“ lediglich dem Biosecurity Level 2. Über Details schweigen sich die chinesischen Behörden bislang aus. Auf wenig Kooperationsbereitschaft trafen auch die im Februar nach China entsandten Fachleute der WHO: Die Tiere vom Meerestiermarkt in Wuhan seien bedauerlicherweise unauffindbar, teilte man ihnen mit.

Foxnews

Washington Post 

Fledermäuse gelten als natürliches Reservoir für viele Krankheitserreger, darunter Sars, Mers, Ebola, Marburg sowie das neue Coronavirus Sars-CoV-2. Credit: Barrakuda1983, WikiCommons

+++ Mannheimer Studie: Je mehr Home-Office, desto weniger Corona-Tote +++

16.04.2020

Regionen mit einem hohen Anteil an WFH- („Working from Home“) Arbeitsplätzen weisen eine wesentlich geringere Zahl an Corona-Neuinfektionen und deutlich weniger Corona-bedingte Todesfälle auf. In ihrer Studie „The Effects of Working from Home on Covid-19 Infections and Production. A Macroeconomic Analysis for Germany” haben die Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Harald Fadinger und Jan Simon Schymik urbane Regionen wie Berlin, Hamburg und Darmstadt mit ländlichen Gegenden wie Oberpfalz, Schwaben und Niederbayern verglichen.

Plädoyer für regional differenzierte Lockerung der Corona-Maßnahmen

In ihrer 20-seitigen Studie plädieren die beiden Ökonomen für eine regional differenzierte Lockerung der Corona-Maßnahmen. Gegenden, deren Wirtschaftsstruktur die Corona-Verbreitung weniger stark begünstigt, könnten bei entsprechenden politischen Weichenstellungen früher in die Normalität zurückkehren als gefährdete Regionen. Die regionalen Unterschiede sind groß: Während der WFH-Anteil in industriell geprägten Gegenden bei unter 40 Prozent liegt, beträgt er in Dienstleistungsmetropolen wie Hamburg, Berlin und Köln 44 bis 45 Prozent.

Weniger Todesfälle dank hoher WFH-Dichte

Entsprechend unterschiedlich hat sich bislang das Virus ausgebreitet: Ein Prozent mehr Home-Office bedeutet auf 100.000 Einwohner bezogen 20 Infektionen und 0,9 Todesfälle weniger. In der konkreten Gegenüberstellung von Berlin (45 Prozent WFH) und Niederbayern (38 Prozent WFH) bedeutet dies: Läge die Berliner WFH-Dichte auf dem Niveau Oberbayerns, hätte die Hauptstadt 9.000 statt 5.000 nachgewiesener Corona-Infektionen und über 200 statt 74 Todesfälle zu beklagen.

Fadinger und Schymik empfehlen daher, die Möglichkeit von Home-Office-Arbeit „so lange wie möglich, auch in der Phase der Reaktivierung der Wirtschaft“ aufrechtzuerhalten.

https://www.vwl.uni-mannheim.de/schymik/

 

Die Fakultät Volkswirtschaftslehre der Universität Mannheim belegt im Times Higher Education World University Ranking Platz 1 in Deutschland, Platz 8 in Europa und Platz 33 weltweit. Credit: Aanderud

+++ "Mit Augenmaß und Zuversicht schrittweise in eine neue Realität" +++

15.04.2020

Als "zerbrechlichen Zwischenerfolg" beschrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel heute den gegenwärtigen Status im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Mit den Ministerpräsidenten der Länder hatte sie sich zuvor auf erste behutsame Lockerungen der Corona-Beschränkungen verständigt.

Die Ergebnisse trug Merkel gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher sowie Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz in einer Pressekonferenz vor. Alle vier Politiker machten deutlich, dass es gelte, sich mit Augenmaß und Zuversicht schrittweise in eine neue Realität zu begeben, bis es einen Impfstoff oder Medikamente gegen das Virus gebe.

Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen werden zunächst bis zum 3. Mai verlängert. In der Öffentlichkeit ist ein Abstand von 1,5 Metern einzuhalten. Im öffentlichen Raum darf man sich fortgesetzt nur allein, im Kreise seiner Angehörigen oder mit einer weiteren, nicht im Haushalt lebenden Person aufhalten. Verstöße werden geahndet.

Eine Maskenpflicht gibt es zwar nicht, doch empfehlen Bund und Länder nachdrücklich, im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel Mund und Nase bedeckende Masken zu tragen.

Einzelhandelsgeschäfte mit Verkaufsräumen von bis zu 800 Quadratmetern dürfen von der kommenden Woche an öffnen. Autohäuser, Fahrradhändler und Buchhandlungen dürfen unabhängig von ihrer Größe öffnen. Friseursalons dürfen öffnen, sofern sie die Abstandsregeln einhalten und Auflagen zur Hygiene beachten. Die Angestellten sollen Schutzkleidung tragen.

Das Versammlungsverbot in Gotteshäusern bleibt bis auf Weiteres in Kraft; Gastronomiebetriebe, Bars, Diskotheken, Kneipen sowie Theater, Opern und Konzerthäuser bleiben vorerst geschlossen; Restaurants dürfen Essen zur Abholung und Lieferung anbieten. Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August grundsätzlich untersagt.

Schulen öffnen Anfang Mai, Kitas vorerst nicht

Vom 4. Mai an werden die Schulen schrittweise geöffnet; den Anfang machen die Klassen, die im Sommer Prüfungen ablegen sowie die jeweiligen Abschlussklassen. Die Kultusministerkonferenz wird bis zum 29. April ein Konzept vorlegen, wie der Unterricht mit reduzierten Klassengrößen sowie Abstands- und Hygieneregeln wieder aufgenommen werden kann.

Prüfungen an Hochschulen dürfen wieder abgenommen werden, Lehrveranstaltungen in speziellen Labor- bzw. Arbeitsräumen sind unter Einhaltung besonderer Hygiene- und Abstandsregelungen erlaubt. Gleiches gilt für Bibliotheken und Archive; hier muss zusätzlich der Zutritt gesteuert werden.

Auf private Reisen und Verwandtenbesuche soll unverändert verzichtet werden. Das gilt auch für überregionale tagestouristische Ausflüge. Die weltweite Reisewarnung besteht fort. Übernachtungsangebote im Inland dürfen fortgesetzt nur für notwendige, ausdrücklich aber nicht für touristische Zwecke zur Verfügung gestellt werden.

Beschluss (PDF)

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich heute mit den Ministerpräsidenten auf eine Politik der kleinen Schritte verständigt. Credit: Tobias Koch, WikiCommons

+++ Corona-Infektionen in UKE-Onkologie +++

15.04.2020

„Im UKE gibt es die strikte Anweisung, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer fieberhaften Atemwegsinfektion zu Hause bleiben sollen“, hatte Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), noch am 8. April auf einer Pressekonferenz betont.

Zu diesem Zeitpunkt war es im hochsensiblen Bereich der UKE-Onkologie bereits zu einer gravierenden Panne gekommen: „Dort sind in der vergangenen Woche rund 20 Patientinnen und Patienten sowie rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Berufsgruppen Covid-19-positiv getestet worden“, räumte UKE-Sprecherin Saskia Lemm auf Nachfrage ein.

Pressestelle berichtete zunächst lieber über Telemedizin

Von sich aus zeigte das Hamburger Universitätsklinikum zunächst keine Neigung, über den Skandal zu informieren: „UKE setzt während Corona-Pandemie auch auf Telemedizin“, lautete noch heute Mittag die aktuellste Meldung der Pressestelle des Hamburger Universitätsklinikums. Erst dank des Hamburger Nachrichtenmagazins „Spiegel“ war der Sachverhalt gestern Abend an die Öffentlichkeit gelangt.

Auch Leukämie-Patienten betroffen

Die genauen Wege der Infektion werden derzeit aufgearbeitet; vermutlich hat eine infizierte Reinigungskraft das Coronavirus eingeschleppt. Sie war dem Klinikpersonal Anfang vergangener Woche wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes aufgefallen und anschließend positiv getestet worden.

Am späten 15. April gab das UKE schließlich eine Pressemitteilung heraus: Demnach werden noch 18 Patienten stationär betreut, darunter drei intensivmedizinisch. Bei den Erkrankten handelt es sich hauptsächlich um Leukämie- und Lymphomerkrankte.

Pressemitteilung


In der Onkologie des UKE wurden in der Woche vor Ostern rund 20 Patienten und rund 20 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet. Credit: UKE

+++ Bereits über 300.000 Freiwillige nutzen RKI-Corona-App +++

14.04.2020

Kaum eine Woche nach dem Launch der App „Corona-Datenspende“ freut sich das Robert-Koch-Institut (RKI) über mehr als 300.000 Nutzer, die die App bereits heruntergeladen und ihre Zustimmung zur wissenschaftlichen Datenauswertung gegeben haben. Damit belegt die App aktuell Platz 1 im Google Play Store und Apple App Store.

Die auf Fitnessarmbändern und Smartwatches („Wearables“) pseudonymisiert gesammelten Daten liefern dem RKI etwaige Hinweise auf Symptome einer Infektion mit COVID-19 und helfen den Wissenschaftlern damit, die Ausbreitung des Coronavirus besser zu erfassen und zu verstehen. Die wissenschaftlich aufbereiteten Informationen gehen in eine interaktive Karte ein, die bereits in Kürze auf https://corona-datenspende.de zu sehen sein wird.

Updates sollen Kinderkrankheiten ausbügeln

Während User einerseits die gute datenschutzrechtliche Umsetzung loben und hinsichtlich der überlasteten Server nachsichtig sind, bemängeln andere die Einbindung von bislang lediglich fünf Fitnesstrackern, beispielsweise Google Fit und Garmin Fenix sind gegenwärtig noch nicht darunter.

Nach Aussage des RKI sollen die größten Mängel mit den nächsten App-Updates behoben sein, dazu zählt auch die in der App angezeigte Übersicht der gespendeten Tage, die bisher aufgrund der großen Serverauslastung nicht immer aktuell ist.

Überwältigende Resonanz: Über 300.000 Personen haben binnen der ersten Woche die Corona-Datenspende-App des RKI heruntergeladen und mit ihrem Fitnessarmband oder ihrer Smartwatch verknüpft. Credit: RKI

+++ Bestnoten für Deutschland in der Coronakrise +++

14.04.2020

„Deutschland hat im Vergleich zu anderen Ländern derzeit das beste Sicherheits- und Stabilitätsranking in Europa und gehört auch weltweit zu den führenden Nationen in Sachen Krisenmanagement“, lobt Dimitry Kaminsky, Gründer des Londoner Analyseinstituts Deep Knowledge Group (DKG), das anlässlich der Corona-Pandemie Zeitpunkt und Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen, Verfügbarkeit von Tests, Ausstattung von Krankenhäusern sowie Krisenmanagement der Regierungen miteinander verglichen und die Ergebnisse Ostern publiziert hat.

Demnach rangiert Deutschland hinsichtlich der Effizienz seiner Maßnahmen vor China und Südkorea; Österreich folgt auf dem 4. Platz. Auch in puncto Sicherheit vor Covid-19 erhält Deutschland als einziges europäisches Land eine hervorragende Benotung; lediglich in Israel sind die Menschen besser vor dem Coronavirus geschützt.

Im DKG-Sicherheitsranking landet die Schweiz auf Platz 11, gefolgt von Österreich auf Platz 12. Frankreich, Italien und Großbritannien schaffen es nicht einmal in die Top-40.

Deutschland erhält Bestnoten für den Umgang mit der Corona-Pandemie. Credit: Deep Knowledge Group

+++ Leopoldina-Forscher legen Fahrplan für Shutdown-Ende vor +++

13.04.2020

Im Jahre 1652 gegründet, ist die nach Kaiser Leopold I. benannte "Leopoldina" in Halle die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt. Mit ihr sollte eine Institution geschaffen werden, die wichtige gesellschaftliche Zukunftsthemen unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Interessen wissenschaftlich bearbeitet, ihre Ergebnisse Politik und Öffentlichkeit vermittelt und sie national wie international vertritt.

"Für mich wird eine sehr wichtige Studie die der Leopoldina sein", hatte die 1986 in Physikalischer Chemie mit "magna cum laude" promovierte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Pressekonferenz zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie kurz vor Ostern erklärt. Am 14. April soll das Papier im Corona-Kabinett, am Donnerstag mit den Ministerpräsidenten erörtert werden.

Auf 17 Seiten dokumentiert das aus 26 namhaften Gelehrten bestehende Autorenteam das Ergebnis seiner über Ostern geführten stundenlangen Telefonkonferenzen. Medizinische Aspekte flossen in die Handlungsempfehlungen des Wirtschaftsweisen Lars Feld, der Ethikerin Claudia Wiesemann, des Rechtsphilosophen Reinhard Merkel und des Soziologen Armin Nassehi ebenso ein wie ökonomische, verfassungsrechtliche und psychologische.

Zweite Infektionswelle um jeden Preis vermeiden

"Wir wollten in der aufgeregten politischen Debatte eine ruhige und abgewogene Grundhaltung einnehmen, den Bürgern aber eine optimistische Perspektive aufzeigen", erläutert Leopoldina-Präsident Gerald Haug die Vorgehensweise der Verfasser. "Oberstes Gebot ist der Schutz jedes einzelnen Menschen vor der Ansteckung mit dem Coronavirus. Eine zweite Infektionswelle müssen wir um jeden Preis vermeiden. Grundregel muss auch weiterhin bleiben, die gelernten Abstands- und Hygienemaßnahmen weiter einzuhalten."

Im Folgenden beschreiben die Autoren Lockerungsmöglichkeiten, denn "optimaler Gesundheitsschutz und die alsbaldige Wiederaufnahme des gegenwärtig weitgehend stillgelegten gesellschaftlichen Lebens stehen nicht prinzipiell in Spannung zueinander, sondern bedingen einander wechselseitig."

Infektions- und Immunitätsstatus der Bevölkerung erforschen

Mit Hilfe geeigneter Stichproben soll der Infektions- und Immunitätsstatus der Bevölkerung erforscht werden. Das Seuchengeschehen soll möglichst in Echtzeit beobachtet werden, um Vorhersagen für die nächsten ein bis zwei Wochen zu ermöglichen. Nur dann kann beurteilt werden, ob die Infektionszahlen trotz Lockerung der Kontaktverbote beherrschbar bleiben oder nachjustiert werden müssen. Für vier Wochen freiwillig bereitgestellte GPS-Daten und Contact-Tracing auf Smartphone-Apps sollen zeigen, mit wem ein Neuinfizierter Kontakt hatte und wer in Quarantäne gehen soll.

Möglichst zeitnahe Rückkehr zur Normalität

Bildung, öffentliches Leben und künftige Wirtschaftspolitik sollen möglichst zeitnah zur Normalität zurückkehren. Da häusliches Lernen die ohnehin stark ausgeprägte soziale Ungleichheit in der Bildung weiter verschärft, sollen die Schulen sobald wie irgend möglich wieder geöffnet werden, dies gilt vor allem für die Grundschulen. Die Kinder sollen "Mund-Nasen-Schutz" tragen, der Unterricht soll in Gruppen von maximal 15 Schülern erteilt und die Pausen getrennt verbracht werden. Schüler der gymnasialen Oberstufe sollen vermehrt mithilfe digitaler Medien selbstorganisiert lernen. An Klausuren und mündlichen Prüfungen, auch Abiturprüfungen, soll festgehalten werden.

Kitas bis zum Sommer nur im Notbetrieb

Kindertagesstätten sollen dagegen bis zu den Sommerferien nur im Notbetrieb betrieben werden, da die Kleinsten nicht mit Schutzmasken umgehen können und die Gefahr der Virusübertragung auf Eltern und Großeltern zu groß ist. Das Sommersemester an den Universitäten soll weitgehend als "Online-/Home-Learning-Semester" fortgeführt werden.

Maskenpflicht im öffentlichen Raum

Schon aus verfassungsrechtlichen Gründen ist die Einleitung einer Exitstrategie geboten. Sofern sich die Zahl der Neuinfektionen auf niedrigem Niveau stabilisiere, können Einzelhandel, Gastronomie und der allgemeine geschäftliche und behördliche Publikumsverkehr wieder aufgenommen werden. Grundsätzlich gilt Maskenpflicht: "Jeder Bürger sollte so ein Ding künftig bei sich tragen und wo immer der Mindestabstand nicht eingehalten, wird auch anziehen", empfiehlt Haug – im Supermarkt, auf den Ämtern, aber auch am Arbeitsplatz. Arbeitsschichten müssen in stets identischer personeller Zusammensetzung organisiert werden; in dieser Besetzung wird auch in der Kantine gegessen. Wer kann, soll im Home-Office arbeiten. Auch für dienstliche und private Reisen gilt größtmögliche Distanz sowie Mund- und Nasenschutz. Die Öffnung von Freizeitveranstaltungen hängt davon ab, wie weit Menschen voneinander distanziert werden können: Theater können demnach früher wiedereröffnen als Fußballspiele in Stadien mit dicht beieinanderliegenden Stehplätzen.

Rasche Abschaffung des Soli

Die Wirtschaft soll durch steuerliche Entlastungen, erweiterte Abschreibungsmöglichkeiten sowie eine zügige Abschaffung des Solidaritätszuschlages für untere und mittlere Einkommensklassen, ggf. sogar für Spitzenverdiener, kurzfristig belebt werden. Umwelt- und Klimaschutz bleiben wichtig, der Green Deal der EU-Kommission soll weiterverfolgt werden. Wachstum soll nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit generiert werden, da hier enorme Potenziale für die wirtschaftliche Entwicklung liegen.

Sitz der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (Saale), ehemaliges Logenhaus Zu den Drei Degen. Credit: Jwaller, WikiCommons

+++ Trumps Oster-Tweet: Time to #FireFauci +++

13.04.2020

„Hätten wir direkt am Anfang alles runtergefahren, hätten wir heute ein anderes Bild“, antwortete Anthony Fauci, seit 1984 Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, auf die Frage von CNN-Moderator Jake Tapper, warum US-Präsident Donald Trump trotz interner Warnungen nicht bereits im Februar, sondern erst Mitte März aktiv geworden sei. „Es gab damals eine Menge Widerstand gegen einen solchen Schritt.“ Mitte Februar hatten die wichtigsten Gesundheitsexperten Trump dringend zum Social Distancing geraten, doch bis Mitte März spielte dieser das Thema öffentlich herunter: Das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge.

"Natürlich hätte man Leben retten können"

Bislang 22.109 US-Amerikaner sind dem Coronavirus ungeachtet möglicher Vorerkrankungen zum Opfer gefallen. Nicht zuletzt der Umstand, dass überproportional viele Afroamerikaner unter den Toten sind, macht das Virus sieben Monate vor den Präsidentschaftswahlen zum Politikum. „Natürlich hätte man Leben retten können, wenn man früher mit der Schadensbegrenzung begonnen hätte“, sagte Fauci auf CNN. „Das wird niemand leugnen.“ 78 Prozent der Amerikaner vertrauen dem Krisenmanagement dieses renommierten Forschers und Beraters von sechs US-Präsidenten, wie die Quinnipiac University jüngst ermittelte. Dass Trump adäquat auf die Coronavirus-Pandemie reagiere, davon sind dagegen lediglich 46 Prozent der US-Amerikaner überzeugt.

Trump feuert aus allen Rohren

Gewohnt dünnhäutig reagierte Trump daher auf die österliche „New York Times“-Recherche: „Trumps wichtigster Berater bestätigt Bericht über Versäumnisse der US-Regierung“. Über Ostern feuerte der Präsident diverse Breitseiten gegen ihm widersprechende Fachleute und die „korrupten Medien“ ab und bemüht sich, von der eigenen Verantwortung für die aktuelle desaströse Lage abzulenken. „The @nytimes story is a Fake, just like the ‘paper’ itself.” Im kleinen Kreis hatte sich Trump bereits verschiedentlich unzufrieden mit Fauci gezeigt, doch am Ostersonntag griff der Präsident die Twitter-Vorlage der ihm treu ergebenen kalifornischen Parteifreundin DeAnna Lorraine auf: „Time to #FireFauci“ – „sorry, Fake News, it‘s all on tape“, ergänzte Trump in seinem Retweet, es sei alles (zu seinen Gunsten) dokumentiert, und macht stattdessen andere verantwortlich: China, die Weltgesundheitsorganisation, seinen Vorgänger Barack Obama, die Gouverneure der Bundesstaaten, den Kongress, die Demokratische Partei, die Medien.

„Bürokratische Matrjoschka-Puppe“

Während die Corona-Epidemie in den Vereinigten Staaten Millionen Arbeitsplätze vernichtet, 16 Millionen Amerikaner innerhalb von nur drei Wochen um staatliche Hilfe bitten müssen und die US-Notenbank neue Billionen-Hilfen für Wirtschaft und Kommunen stemmen will, ist das Weiße Haus unverändert damit befasst, Verantwortung und Zuständigkeit zu definieren.

Als „bürokratische Matrjoschka-Puppe“ verspottete die „Washington Post“ denn auch die konkurrierenden Task Forces, von denen bislang keine einen klaren Plan zur Beendigung der Krise vorgelegt hat – weder die offizielle Task Force unter Leitung von Vizepräsident Mike Pence, noch die „Schatten-Task-Force“ unter Leitung von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, geschweige denn das neue „Opening Our Country Council“.

Im Gegenteil: Mit ihrem unkoordinierten Vorgehen erschwert die Zentraladministration die längst angelaufenen Bemühungen der Bundesstaaten, die medizinische Versorgung auf einem globalen Markt zu sichern. „50 Bundesstaaten und die Bundesregierung verfolgen alle dieselben Unternehmen“, grollt Mike DeWine, republikanischer Gouverneur von Ohio. „Es ist verrückt!“

Anthony S. Fauci, Präsident Donald J. Trump und Vizepräsident Mike Pence auf einer Pressekonferenz im James S. Brady Press Briefing Room des Weißen Hauses. Credit: Andrea Hanks, White House

+++ Was ist Ostern 2020 erlaubt? +++

10.04.2020

Die Bundesregierung ruft dazu auf, Ostern zu Hause zu bleiben und auf Verwandtenbesuche und Ausflüge zu verzichten: „Eine Pandemie kennt keine Feiertage“, bringt es Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Punkt. Die Vermietung von Unterkünften zu Urlaubszwecken ist überall in Deutschland untersagt, doch davon abgesehen weisen die Regelungen der 16 Bundesländer für Ausflüge und Verwandtenbesuche durchaus Unterschiede auf.

Baden-Württemberg

In den eigenen vier Wände („außerhalb des öffentlichen Raums“) sind „Ansammlungen“ von bis zu fünf Personen gestattet; davon ausgenommen sind in gerader Linie miteinander Verwandte, die in einer Wohngemeinschaft leben sowie deren Ehegatten und Lebenspartner. Das Verlassen der Wohnung ist nicht verboten. Draußen dürfen jedoch nur noch zwei Menschen zusammen unterwegs sein; Ausnahmen gibt es lediglich für Familien. Arztbesuche, Einkaufen, frische Luft schnappen, alleine Sport treiben und andere Tätigkeiten im Freien sind weiterhin erlaubt, solange der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt wird und nicht mehr als zwei Personen beziehungsweise eine Familie daran beteiligt sind. Wer einen Zweitwohnsitz im „Musterländle“ hat, darf das Osterfest dort verbringen. Von Tagesausflügen wird zwar abgeraten, verboten aber sind sie nicht.

Bayern

Im Freistaat darf niemand „ohne triftigen Grund“ seine Wohnung verlassen. Davon ausgenommen sind lediglich Lebenspartner, Senioren, Kranke und Menschen mit Einschränkungen. Sofern diese nicht in einer Einrichtung wohnen, dürfen sie besucht werden. Kinder getrenntlebender Eltern dürfen in beiden Haushalten Ostern feiern. Ein Besuch bei älteren Eltern sollte „sehr gut überlegt sein und ist nur angezeigt, wenn er unterstützungsbedingt ist, weil sie etwa auf Hilfe beim Einkauf angewiesen sind“, heißt es seitens der Staatsregierung. Ausflüge und Sport sind erlaubt, jedoch nur allein, mit Angehörigen des Haushaltes und dem Lebenspartner. Picknicken und Grillen im öffentlichen Raum ist grundsätzlich verboten, und auf einer Parkbank sollte man auch nicht allzu lange verweilen: „Möglichst zügig weitergehen“, empfiehlt die bayrische Polizei. Auch von Ausflügen in die Berge wird abgeraten.

Berlin

In der Hauptstadt sollte jeder in der eigenen Wohnung bleiben; „Zusammenkünfte“ jeglicher Art sind auch in den eigenen vier Wänden verboten. Der Besuch des Ehe- und Lebenspartners ist zulässig, der bei den Großeltern muss angesichts der besonderen Corona-Gefährdung älterer Menschen in diesem Jahr dagegen ausfallen. Kinder getrenntlebender Eltern dürfen in beiden Haushalten Ostern feiern. Für Ausflüge bedarf es einer triftigen Begründung, das gilt selbst für die Fahrt zum Zweitwohnsitz. Angehörige in anderen Bundesländern müssen sich mit einem Telefonat oder SMS begnügen, deren Besuch ist verboten. Bewegung an der frischen Luft und Gassigehen sind gestattet, sofern man allein, mit Mitgliedern des eigenen Haushalts oder mit einer weiteren Person unterwegs ist. Der Hund darf in jeder dieser Konstellationen mit, idealerweise hält auch er einen Mindestabstand von 1,5 Metern.

Brandenburg

Private Veranstaltungen müssen auf die Mitglieder des eigenen Hausstandes beschränkt bleiben; Besuche von Personen außerhalb des eigenen Hausstandes verstoßen indes gegen die Eindämmungsverordnung. Auf Ausflüge sollte man verzichten, verboten sind sie nicht. Die eigene Ferienwohnung darf genutzt werden, sofern sie nicht im Landkreis Ostprignitz-Ruppin liegt – hier gilt ein Einreiseverbot. Der Osterspaziergang und die Bewegung an der frischen Luft ist, sofern dies allein, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Haushalts erfolgt, zulässig.

Bremen

„Überdenken Sie Ihren Wunsch, Freunde und Familie zu treffen und wägen Sie jedes Mal ab, ob sich das Risiko, jemanden in gesundheitliche Gefahr zu bringen, vermeiden lässt“, verlautet aus dem Rathaus der Hansestadt. Familienbesuche sind jedoch grundsätzlich erlaubt. Gleiches gilt für private Feiern in den eigenen vier Wänden, an denen theoretisch sogar nicht zur direkten Familie oder dem Hausstand gehörende Personen teilnehmen dürfen. Ausflüge und Sport sind erlaubt, jedoch nur allein, mit Angehörigen des Haushaltes und dem Lebenspartner.

Hamburg

Verboten ist der Besuch bei oder von Verwandten nicht, doch sollte er möglichst vermieden werden, rät der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher. Die Einreiseverbote der benachbarten Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen gelten für Tourismus und Freizeitaktivitäten, nicht für Verwandtenbesuche. An Alster und Elbe bestehen weder Ausgangssperren noch Ein- und Ausreiseverbote. Solange ausreichend Abstand eingehalten wird, ist das Ostereiersuchen in eigenen und Gemeinschaftsgärten auch in diesem Jahr erlaubt.

Hessen

„Ostern ist klassischerweise Urlaubszeit, eine Zeit, in der sich Familien und Freunde besuchen, Tagesausflüge unternommen werden“, beginnt Ministerpräsident Volker Bouffier, um dann zu appellieren: „Ich bitte herzlich um Verständnis, dass das an diesem Osterfest unterbleiben sollte.“ Größere Feiern und Zusammenkünfte sind auch in privaten Räumen zu unterbinden. Kontakte zu einer einzelnen, nicht dem eigenen Hausstand angehörenden Person sind dagegen möglich. Dies gilt auch für Besuche dieser Person in der eigenen Wohnung. Ausflüge sind nur alleine, mit einer nicht im eigenen Haushalt lebenden Person und im Kreise der Angehörigen des eigenen Hausstandes erlaubt. Bei Begegnungen mit anderen Personen gilt: Mindestabstand 1,5 Meter.

Mecklenburg-Vorpommern

„Wir empfehlen allen Bürgern, dieses Jahr zu Ostern zuhause zu bleiben, den Osterspaziergang in der näheren Umgebung zu machen und auf Reisen, Ausflüge und Familienbesuche nach Möglichkeit zu verzichten“, bittet Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Touristische Reisen nach Mecklenburg-Vorpommern sind untersagt, Reisen zu privaten Besuchen bei „Familienangehörigen (Kernfamilie), die ihren ersten Wohnsitz (Haupt- oder alleinige Wohnung nach dem Bundesmeldegesetz) in Mecklenburg-Vorpommern“ haben, dagegen erlaubt. Zur Kernfamilie zählen Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Lebensgefährten, Kinder, Eltern und Großeltern. Ein solcher Familienbesuch ist jeweils auch zusammen mit dem Ehegatten, eingetragenen Lebenspartner oder Lebensgefährten möglich, sofern häusliche Gemeinschaft besteht, heißt es in der Landesverordnung. Ausflüge sind den Einheimischen am Osterwochenende weitgehend untersagt. Wer lediglich einen Zweitwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern hat, wird zur Ausreise aufgefordert. Spaziergänge und Sport im Freien sind nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person und im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstandes gestattet.

Niedersachsen

Direkte Kontakte zu nicht im eigenen Hausstand lebenden Angehörigen sollen auf ein absolut nötiges Minimum reduziert werden. Auch in der eigenen Wohnung und auf dem eigenen Grundstück soll der Kreis der sich dort treffenden Menschen möglichst klein und möglichst gleichbleibend sein. Grundsätzlich dürfen Verwandte und enge Freunde empfangen werden. Auf den Besuch bei den Großeltern soll aufgrund des hohen Ansteckungsrisikos möglichst verzichtet werden. Ausflüge an die Nordseeküste sind ebenso verboten wie der kurzfristige Aufenthalt am Zweitwohnsitz.

Nordrhein-Westfalen

„Auch wenn Besuchsreisen zu Ostern in Nordrhein-Westfalen nicht ausdrücklich verboten sind: Tun Sie es nicht“, bittet das Gesundheitsministerium in Düsseldorf. Zusammenkünfte im öffentliche Raum unterliegen den bundesweit gängigen Beschränkungen, Regeln und Beschränkungen für die eigenen vier Wände gibt es in NRW dagegen nicht; Familie und Freunde dürfen in die Wohnung eingeladen werden. Ein Ausflug zur privaten Ferienwohnung und Zweitwohnung ist zwar zulässig, doch sind alle angehalten, insbesondere über Ostern auf touristische Reisen zu verzichten. Ansammlungen im öffentlichen Raum von mehr als zwei Personen sind mit Ausnahmen untersagt.

Rheinland-Pfalz

„Bürgerinnen und Bürger bleiben aufgefordert, generell auf private Reisen und Besuche – auch von Verwandten – zu verzichten“, appelliert Ministerpräsidentin Malu Dreyer und verzichtet auf Verbote. Familienbesuche sind zulässig, das gilt nicht nur für Eltern und Geschwister, sondern auch für Großeltern. Und obwohl auch Freunde über Ostern prinzipiell besucht werden dürfen, sollten die sozialen Kontakte möglichst auf Angehörige des eigenen Hausstandes beschränkt werden. Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person und im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstandes zulässig. Sonst gilt: Mindestabstand 1,5 Meter.

Saarland

„Jeder wird angehalten, die physischen und sozialen Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstandes auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren“, macht die Landesregierung klar. „Personen, die nicht dem eigenen Hausstand angehören, dürfen weder besucht noch in der eigenen Wohnung empfangen werden.“ Wer die eigenen Wohnräume verlässt, braucht einen triftigen Grund. Besuche bei Freunden, bei Familie oder Bekannten sind nicht gestattet. Ausnahmen gelten nur für Lebenspartner mit getrennten Wohnungen. Sport und Bewegung an der frischen Luft sind allein, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person und mit im selben Haushalt lebenden Personen zulässig; das gilt auch für Motorradtouren.

Sachsen

„Der Besuch von Familienangehörigen ist nur zulässig, wenn sie am gleichen Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet sind“, heißt es seitens der Landesregierung in Dresden. Ausnahme: der Lebenspartner; innerhalb des Freistaates Sachsen dürfen Paare sich treffen. Sport und Bewegung in frischer Luft sollen vorrangig im Umfeld des Wohnbereichs stattfinden. Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung sind verboten. Ihre Zweitwohnungen dürfen die Sachsen dagegen aufsuchen.

Sachsen-Anhalt

Familienbesuche („Familie innerhalb unseres Landes“) sind zulässig, größere Familientreffen („eine große Party mit allen Cousins, Geschwistern und Großeltern im Schrebergarten“) sollten dagegen unterbleiben, sagt Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne. Touristische Reisen sind untersagt, das gilt auch für die Fahrt zum Zweitwohnsitz. Auch Ausflüge aus einem anderen Bundesland nach Sachsen-Anhalt werden mit 400 Euro Bußgeld geahndet; die Polizei kontrolliert „sehr intensiv“. Der Osterspaziergang ist erlaubt, allerdings nur allein, zu zweit mit Sicherheitsabstand und mit Mitgliedern des eigenen Haushalts.

Schleswig-Holstein

Vom 9. bis 19. April gelten zwischen Nord- und Ostsee gelockerte Corona-Einschränkungen: Bis zu zehn Familienangehörige dürfen sich treffen, privat und öffentlich; das gilt für Ehegatten, Geschiedene, eingetragene Lebenspartner, Lebensgefährten, Geschwister und in gerader Linie Verwandter. Wer in einem anderen Bundesland wohnt und seine Familie in Schleswig-Holstein besuchen möchte, darf einreisen. „Unabhängig davon gilt aber auch für Reisen zu Familienbesuchen die dringende Bitte, diese auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn Risikogruppen, also ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen oder Raucher betroffen sind“, mahnt die Landesregierung in Kiel. Aufenthalte an der frischen Luft sind nur allein, mit einer weiteren nicht im selben Haushalt lebenden Person und mit Personen aus dem eigenen Hausstand zulässig. Das Einreiseverbot für Touristen, Tagesausflügler und Zweitwohnungsbesitzer besteht fort; wer bereits in seiner Ferienwohnung ist, darf im Land bleiben – sofern diese nicht auf den Inseln und Halligen liegt.

Thüringen

„Jede Person ist angehalten, die physisch sozialen Kontakte zu anderen Menschen außer zu den Angehörigen des eigenen Haushalts auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren“, appelliert die Landesregierung in Erfurt. Der Besuch von Familie und Freunden ist grundsätzlich erlaubt, sofern die Person nicht in einem Seniorenheim lebt. Der Osterspaziergang erfolgt auch in Thüringen allein, zu zweit oder im Kreise der Angehörigen des eigenen Haushalts – Mindestabstand 1,5 Meter.

Überall im Bundesgebiet kontrolliert die Polizei die Einhaltung der österlichen Corona-Regeln. Credit: Landespolizei Schleswig-Holstein

+++ Heinsberg-Studie in der Kritik +++

10.04.2020

Kaum hatten Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Studienleiter Hendrik Streeck die ersten Zwischenergebnisse der Corona-Studie aus Gangelt (Kreis Heinsberg) präsentiert (siehe „Erste Corona-Studie aus ‚Germany’s Wuhan‘“, 09.04.2020), da traten bereits die Kritiker auf den Plan.

Insbesondere an den Aussagen, die Mortalitätsrate in Heinsberg sei mit 0,37 Prozent fünfmal niedriger als im übrigen Deutschland und bei 15 Prozent der Probanden seien Antikörper gegen das Virus gefunden worden, entzündete sich Widerspruch.

Den richtigen Antikörpertest verwendet?

Den fundiertesten Vorbehalt formuliert der Charité-Virologe Christian Drosten, Vorgänger von Streeck am Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn: Den Antikörpertest des Herstellers Euroimmun gebe es in zwei Versionen, für Antikörper vom Typ IgG und IgA. „Ich hoffe, es ist nicht das IgA dabei, denn dann wären das praktisch alles falsch Positive.“ Damit wäre der Test positiv ausgefallen, obwohl die Probanden nicht immun gegen das Coronavirus sind.

Gründlichkeit vor Schnelligkeit

Streeck reagiert zurückhaltend: „Ich sage noch mal deutlich: Wir haben ein Zwischenergebnis präsentiert. Ich kann mich derzeit nicht zu weiteren Ergebnissen äußern. Wir arbeiten daran, das Endergebnis so schnell, aber selbstverständlich auch so verlässlich wie möglich zu präsentieren. Eines gilt für mich als Wissenschaftler immer, auch in Zeiten wie diesen: Gründlichkeit vor Schnelligkeit.“

Prof. Dr. Christian Drosten ist seit 2017 Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor an der Charité in Berlin. Einer seiner Forschungsschwerpunkte sind neuauftretende Viren. Credit: Charité, Berlin

+++ Erste Corona-Studie aus „Germany’s Wuhan“ +++

09.04.2020

Bis Mitte Februar war Gangelt eine unbekannte Kleinstadt im äußersten Westen Deutschlands. Nach einer Karnevalssitzung mit 400 Teilnehmern war es für deren 12.446 Einwohner mit der Beschaulichkeit allerdings schlagartig vorbei: Denn einer der Jecken war der unbekannte „Patient Null“, der das Coronavirus in den Kreis Heinsberg einschleppte, das sich von hier aus auf ganz Nordrhein-Westfalen ausbreitete, bislang 21.961 Menschen infizierte und 384 das Leben kostete.

Anfang April begannen der Bonner Virologe Hendrik Streeck und dessen Team, in der von der nordrhein-westfälischen Landesregierung beauftragten repräsentativen Pilotstudie „Covid-19 Case-Cluster-Study“ Ausbruchsgeschehen, Dunkelziffer und Übertragungswege in „Germany’s Wuhan“ (The Guardian) zu erforschen, um Rückschlüsse für ganz Deutschland ziehen zu können. Insgesamt 1.000 Menschen und 300 ausgewählte Haushalte wurden eingehend analysiert: mittels PCR-Tests, bei dem ein Abstrich aus dem Rachen genommen wird, Antikörpertests im Blut und der Untersuchung von Fernbedienungen, Türklinken und Toilettenwasser.

Nach Auswertung von 509 der 1.000 an der zehntägigen Untersuchung teilnehmenden Bewohner legte Streeck heute seine wissenschaftlich repräsentativen Zwischenergebnisse vor. Diese erste für Deutschland repräsentative Stichprobe der Bevölkerung basiere auf einer konservativen Berechnung, betonte der Virologe. 15 Prozent der Getesteten hätten mittlerweile eine Immunität gegen das Virus ausgebildet, womit die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu versterben, bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten bei 0,37 Prozent liege. Die von der Johns-Hopkins-University für Deutschland errechnete Rate sei mit 1,98 Prozent fünfmal höher. Momentan sei davon auszugehen, dass die Immunität nach einer Coronavirus-Infektion etwa sechs bis 18 Monate anhalte.

"Phase zwei": Lockerung der Coronavirus-Auflagen zulässig

Der Landrat des Kreises Heinsberg Stephan Pusch zeigte sich erleichtert: „Der Kreis Heinsberg ist an einer riesengroßen Katastrophe vorbei geschlittert.“ Die restriktiven Schutzmaßnahmen zeigten Wirkung, die Kurve der Infektionszahlen flache ab. Dies ist nicht zuletzt der zupackenden Politik des Landrates zu verdanken: Pusch hatte unter anderem mit der raschen Schließung von Kitas und Schulen zur Eindämmung des Virus‘ beigetragen; nach Einschätzung der Experten ist Heinsberg der Entwicklung im übrigen Deutschland damit um zwei bis zweieinhalb Wochen voraus.

Angesichts dieser positiven Entwicklung und der „aktiven und disziplinierten“ Mitwirkung der Bevölkerung hält Streeck eine schrittweise Lockerung der strengen Coronavirus-Auflagen für zulässig („Phase zwei“). Wichtig bleibt jedoch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln. Von Lockerungen ausgenommen bleiben vorerst die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, sie müssten weiterhin streng geschützt werden.

Prof. Dr. Hendrik Streeck, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. Credit: Katharina Wislsperger, UK Bonn

+++ Hamburger Intensivmediziner empfiehlt Kontaktsperren-Lockerung im April +++

08.04.2020

Während der WHO-Regionaldirektor für Europa Hans Henri P. Kluge trotz „positiver Signale“ vor einer raschen Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen in Europa warnt und die Situation als unverändert „sehr besorgniserregend“ beschreibt, spricht sich der Ärztliche Leiter der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) Stefan Kluge für einen Einstieg in den Ausstieg aus: „Man muss das dosiert machen, aber ich glaube, dass im April definitiv eine Lockerung erfolgen muss“, sagte er heute auf einer Pressekonferenz im UKE.

Den Scheitelpunkt der COVID-19-Pandemie erwartet Professor Kluge im Sommer: „Das UKE rechnet damit, dass die Welle in den nächsten Wochen kommt. Nach neuesten Berechnungen, unter anderem der Kolleginnen und Kollegen der Universität Hamburg, soll der Höhepunkt im Juni erreicht sein.“

Verdoppelungszeit und Reproduktionsrate
Eine Lockerung des Shutdown solle man einerseits von der Entwicklung der Verdoppelungszeit abhängig machen: „Diese sollte bei ungefähr zehn Tagen liegen, was in Deutschland inzwischen der Fall ist.“ Die Verdopplungszeit könne aber nicht das alleinige Maß sein: „Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Reproduktionsrate, die mittlerweile bei 1 liegt. Das heißt, ein Infizierter steckt im Durchschnitt nur noch einen weiteren Menschen an.“ Ebenso wichtig sei die Stabilisierung der Zahl der Neuerkrankungen, die ungefähr der Zahl gesund entlassener Menschen entsprechen sollte.

Abstand und Hygiene
Auf Lockerungen der Kontaktsperren angesprochen, empfiehlt der Intensiv- und Notfallmediziner: „Unter bestimmten Bedingungen könnten zu einem noch nicht festgelegten Zeitpunkt schrittweise Schulen, Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet werden. Zudem könnte die Kontaktsperre zunächst in Regionen mit niedrigen Infektionsraten und freien Kapazitäten im Gesundheitssystem gelockert werden. Doch selbst bei einer Lockerung der Kontaktsperre werden Schutzmaßnahmen wie Abstand halten und allgemeine Hygieneregeln weiterhin eingehalten werden müssen.“

Wichtig ist für Kluge vor allem eine gute Exit-Strategie aus der Kontaktsperre: „Im Moment sehen wir noch kein Abflachen, wann die große Welle kommt, wissen wir nicht. Es kann sein, dass wir einen zweigipfligen Verlauf haben, wenn die Maßnahmen gelockert werden.“

Über 11.000 Spezialisten arbeiten im UKE unter einem Dach zusammen. Credit: University Medical Clinic Hamburg Eppendorf

+++ "Corona nicht mal ein Peak in der Jahressterblichkeit" +++

08.04.2020

„Verdoppelungszeit“ lautet das Zauberwort. Binnen 12,7 Tagen hat sich die Zahl der getesteten Infektionsfälle in Deutschland der Johns-Hopkins-Universität zufolge verdoppelt, laut Robert-Koch-Institut liegt die Verdopplungszeit bei fast 15 Tagen – Stand: 8. April.

Vor einer Woche war die Situation noch eine gänzlich andere: „Heute ist es so, dass sich etwa alle fünfeinhalb Tage die Zahl der Neuinfektionen verdoppelt“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 28. März in ihrem „Corona“-Audio-Podcast. „Gemessen an der Zeit vom Anfang, als die Verdopplung alle zwei Tage war, ist das schon ein Fortschritt. Aber dieser Zeitraum muss sich noch verlängern. Er muss in Richtung von zehn Tagen gehen, damit unser Gesundheitssystem nicht überfordert wird.“

Bislang wollte die Bundesregierung über Lockerungen der Corona-Maßnahmen nachdenken, sobald die Verdopplungszeit auf zwölf bis 14 Tage gestiegen ist. Doch nun tauchen Fragen nach der Belastbarkeit der publizierten Daten auf: Wissen wir eigentlich, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind? Da symptomfreie Infizierte zum Test gar nicht erst zugelassen werden und daher nicht in die Statistik eingehen, bleibt die Datenlage schwammig.

Und so gießt RKI-Chef Lothar Wieler denn auch kräftig Wasser in den Wein: „Ein Exit suggeriert vielleicht, dass man einfach die ganzen Maßnahmen aufhebt und dann so lebt wie vor dieser Epidemie. Ich persönlich kann mir das momentan nicht vorstellen. Ich kann mir vorstellen, dass es schrittweise bestimmte Änderungen gibt.“

Frühjahrsgutachten: „Wirtschaft unter Schock“
Diese schrittweisen bestimmten Änderungen hält Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther nach Ostern durchaus für möglich: „Wir beginnen demnächst eine Phase, in der wir aller Voraussicht nach gewisse gesellschaftliche Dinge wieder ermöglichen.“ Am 14. April kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder zusammen, um über Lockerungen des Shutdown zu beraten – ökonomisch höchste Eisenbahn: „Wirtschaft unter Schock“ haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihr Frühjahrsgutachten überschrieben.

„Corona nicht mal ein Peak in der Jahressterblichkeit“
Der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel hält die Corona-Maßnahmen ohnehin für übertrieben: „Dieses Virus beeinflusst in einer völlig überzogenen Weise unser Leben. Das steht in keinem Verhältnis zu der Gefahr, die vom Virus ausgeht.“ In Hamburg gebe es bislang kein einziges Todesopfer, das direkt an den Folgen des Sars-CoV-2 gestorben sei, sämtliche 23 Opfer hatten Vorerkrankungen. „Die Corona-Sterblichkeit wird nicht mal als Peak in der Jahressterblichkeit auftauchen. Wir haben ein gutes Gesundheitssystem, und ich bin überzeugt, dass wir die Pandemie gut beherrschen können."

Der Johns-Hopkins-Universität zufolge beläuft sich die Verdopplungszeit der Corona-Fälle in Deutschland am 8. April auf 12,7 Tage. Credit: Statista

+++ Run auf App „Corona-Datenspende“ +++

07.04.2020

Auf Fitnessarmbänder und Smartwatches zugeschnitten ist die App „Corona-Datenspende“ des Robert-Koch-Instituts (RKI). Deren Verwendung erfolgt freiwillig. Das RKI interessiert sich u.a. für Körpertemperatur, Ruhepuls und Aktivitätsniveau der Teilnehmer, da sich diese Vitalzeichen bei einer akuten Atemwegserkrankung wie COVID-19 meistens deutlich ändern.

Das RKI hofft auf zehn Prozent der zehn Millionen Nutzer mobiler Geräte in Deutschland als App-Nutzer; die Resonanz ist überwältigend: Bereits am ersten Tag, dem 7. April, luden über 50.000 Nutzer die App herunter und gaben ihre Zustimmung zur wissenschaftlichen Datenauswertung. Die App dient nicht der Nachverfolgung von Kontaktpersonen, sie erfasst keine persönlichen Daten wie Name oder Anschrift der App-Nutzer. Sie werden lediglich einmalig um die Eingabe von Postleitzahl, Geschlecht, Alter in 5-Jahres-Schritten, Gewicht in 5 kg-Schritten sowie um Körpergröße in 5 cm-Schritten gebeten.

Aktuell werden alle über GoogleFit und AppleHealth verbundenen Geräte sowie Geräte von Fitbit, Garmin, Polar und Withings/Nokia unterstützt. Die App steht im App Store sowie im Google Play Store zum Download bereit.

https://corona-datenspende.de/#start

Corona-Datenspende-App des Robert Koch-Instituts. Credit: RKI

+++ Tracking versus Shutdown: Vorbild Südkorea +++

07.04.2020

Südkorea hat es im Kampf gegen das Coronavirus erfolgreich vorgemacht: Früherkennung statt Shutdown. Dafür willigten die 51,6 Millionen Südkoreaner ein, ihre Daten aus Mobiltelefonen und Kreditkarten preiszugeben.

Da 82 Prozent von ihnen ein Smart Phone nutzen und der öffentliche Raum dank 900.000 Funkmasten und eines dichten Netzes an Überwachungskameras nahezu lückenlos überwacht wird, lassen sich die Bewegungsprofile jedes Einzelnen rund um die Uhr nachvollziehen. Auf diese Weise können die Gesundheitsbehörden die Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig machen, Ansteckungsketten nachverfolgen und das Virus räumlich eingrenzen.

Dieses Wissen geben die Behörden an die Bevölkerung weiter: Spezielle Apps weisen die Südkoreaner darauf hin, wo neue Infektionen aufgetreten sind und welche Räume sie daher meiden sollten. Der Lohn für diese Einbuße an Privatsphäre sind 10.331 Infizierte, 6.694 Genesene und nur 192 Todesfälle.

Israelischer Geheimdienst erfasst sogar Lichtverhältnisse
In Israel ging der geschäftsführende Ministerpräsident Benjamin Netanyahu noch einen Schritt weiter. Wenngleich ohne parlamentarische Mehrheit, riegelte der wegen Betrug, Bestechlichkeit und Untreue angeklagte Likud-Politiker die Staatsgrenzen ab, verhängte eine Ausgangssperre und beauftragte den Inlandsgeheimdienst Schin Bet ohne jede parlamentarische Aussprache, die bislang auf den Anti-Terror-Kampf beschränkten Überwachungstechnologien auf sämtliche 6,4 Millionen israelischen Smart-Phone-Nutzer auszuweiten.

Nun wertet Schin Bet nicht nur die GPS-Daten, sondern zudem Bewegung, Beschleunigung, etwaige Bluetooth-Nutzung, Lichtverhältnisse, sämtliche Inhalte sowie zehn weitere Merkmale aller Mobiltelefonnutzer in Israel aus. Nach Erfassung jedes positiven Corona-Tests erhalten der Infizierte und dessen Kontaktpersonen eine Textnachricht mit der Aufforderung, sich in Quarantäne zu begeben.

Zusätzlich haben 1,6 Millionen Israelis freiwillig die App „Hamagen“ („Schutzschild“) des israelischen Gesundheitsministeriums installiert, die ihrem Nutzer anzeigt, ob und ggf. wo er in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu einem COVID-19-Infizierten hatte.

Polnische Pflicht-App
Die App-Lösungen in Europa gleichen derzeit noch einem Flickenteppich: Bislang hat lediglich die Regierung in Warschau die Verwendung einer App zur Pflicht gemacht. Mithilfe von „Kwarantanna Domowa“, der „Hausquarantäne“, kontrolliert die Polizei inzwischen 300.000 COVID-19-Infizierte, ob sie sich an die ihnen auferlegte Quarantäne halten: In unregelmäßigen Abständen werden die Betroffenen per SMS aufgefordert, ein Selfie aufzunehmen und an die Polizei zu schicken, die anhand der GPS-Daten den Standort überprüft.

EU entwickelt Pepp-PT
Die Europäische Union sucht noch nach einer auf gemeinsamen Standards basierenden EU-App. Sie würde eine abgestimmte Lockerung des Shutdown erleichtern, müsste aber den strengen Brüsseler Datenschutz-Richtlinien unterliegen: Die Nutzer müssten über die Speicherung ihrer persönlichen Daten informiert werden und ihr Einverständnis erklären. Und die Daten müssten nach Überwindung der Coronavirus-Pandemie gelöscht werden.

Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing (Pepp-PT) heißt die gegenwärtig von 130 europäischen Experten, u.a. vom Robert-Koch-Institut und vom Heinrich-Hertz-Institut, entwickelte Basissoftware, auf die App-Entwickler aufsetzen und den innereuropäischen Datenaustausch und Datenschutz gewährleisten sollen.

Die Freiwilligkeit ihrer Nutzung ist zugleich die große Herausforderung: Werden 60 Prozent der Bevölkerung die App nutzen, wie die Entwickler hoffen? 76,5 Prozent der Deutschen nutzen mobile Telefonie, insbesondere die Risikogruppe der Senioren jedoch nicht.

+++ 14 Wissenschaftler legen „flexible, risikoadaptierte Strategie“ vor +++

06.04.2020

Vierzehn Wissenschaftler, koordiniert von Clemens Fuest (ifo Institut, München) und Martin J. Lohse (Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Würzburg), haben sich Gedanken gemacht, wie Deutschland das Coronavirus erfolgreich bekämpfen und zugleich die Rückkehr zur Normalität des gesellschaftlichen und damit wirtschaftlichen Lebens einleiten kann.

Nun haben sie ihre „Empfehlungen für eine flexible, risikoadaptierte Strategie“ vorgelegt.

Die von Bund und Ländern eingeleiteten Maßnahmen verfolgen das Ziel, durch eine zeitliche Streckung der Infektionszahlen einer Überlastung des Gesundheitssystems vorzubeugen und damit die Anzahl der schweren Erkrankungen und Todesfälle zu reduzieren.

Diese Maßnahmen haben Nebenwirkungen: Sie treffen medizinische Risikogruppen, sozioökonomisch schlecht gestellte Menschen, Senioren, Behinderte, Alleinerziehende sowie Familien mit kleinen Kindern. Die Schließung der Schulen verstärkt die im OECD-Vergleich ohnehin großen gesellschaftlichen Ungleichheiten. Arbeitslosigkeit führt oft zu psychosomatischen Erkrankungen und verkürzter Lebenserwartung.

Und die verlorengehende Wertschöpfung der Wirtschaft liegt nach vier Wochen Shutdown bei 4,3 bis 7,5 Prozent des BIP, das entspricht 150 bis 260 Milliarden Euro.

Eine wirksame Schutzimpfung oder eine breit anwendbare Therapie werden voraussichtlich nicht vor 2021 zur Verfügung stehen. Da die gegenwärtigen Restriktionen bis dahin nicht beibehalten werden können, empfehlen die 14 Autoren den schrittweisen Übergang zu einer am jeweils aktuellen Risiko orientierten Strategie, die eine Lockerung von Beschränkungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld mit weiterhin effektivem Gesundheitsschutz verbindet. Handlungsbedarf ergibt sich jetzt sofort.

Eine bei der Bundesregierung angesiedelte nationale „Corona Task Force“ sowie regionale Task Forces der Bundesländer formulieren die kombinierten Maßnahmen aus effektivem Gesundheitsschutz und stufenweiser Lockerung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Beschränkungen; sie bereiten die politische Entscheidungsfindung vor, begleiten die Umsetzung und kommunizieren diese.

Maßnahmen Gesundheitsschutz
Im Fokus der risikoadaptierten Strategie steht der Schutz der Risikogruppen. Mithilfe großflächiger Testungen wird die Ausbreitung des Erregers und der Anstieg der Immunität in der Bevölkerung überwacht.

Die Produktion von Schutzkleidung und Schutzmasken in Deutschland wird massiv gesteigert und die Produktionskapazität für Impfstoffe und Medikamente in Deutschland gesichert. Die Beatmungskapazitäten werden regional und überregional koordiniert und bedarfsgerecht stabilisiert.

Maßnahmen Gesellschaft und Wirtschaft
Die graduelle und risikoadaptierte Öffnung erfolgt nach vier Kriterien:

Risiko der Ansteckung mit SARS-Cov-2
Risiko einer schweren COVID-19-Erkrankung
Relevanz des Bereiches für Wirtschaft und gesellschaftliches Leben
Möglichkeit der Einführung und des Einhaltens von Schutzmaßnahmen

Die konkreten Maßnahmen können je nach (1) Region, (2) Personengruppe, (3) gesellschaftlichem Lebensbereich und (4) wirtschaftlichem Sektor variieren.

Die starke Vernetzung der gesellschaftlichen Bereiche, der Unternehmen und Sektoren untereinander limitiert die Differenzierungsmöglichkeiten. Eine zentral gesteuerte und damit planwirtschaftliche Wiederaufnahme der Produktion wäre somit zum Scheitern verurteilt. Die Taskforce kann den Einrichtungen und Unternehmen daher lediglich Rahmenbedingungen und Kriterien empfehlen.

Die sukzessive Öffnung von Einrichtungen und die Wiederaufnahme der Produktion erfolgt unter Beachtung der Vorsichtsmaßnahmen des Gesundheitsschutzes nach folgenden Kriterien:

  • Sektoren mit niedriger Ansteckungsgefahr (hochautomatisierte Fabriken, weniger vulnerable Personen, z. B. Kindertagesstätten und Schulen)
  • Berücksichtigung von Wechselwirkungen: Eltern können u. U. nicht zur Arbeit gehen, solange Kindertagesstätten und Schulen geschlossen sind
  • Hohe Wertschöpfung (z. B. verarbeitendes Gewerbe) dient als Kriterium für prioritäre Öffnung
  • Beschränkungen mit hohen sozialen/psychische Belastungen werden vorrangig gelockert
  • Regionen mit niedrigeren Infektionsraten und weniger Verbreitungspotential werden eher geöffnet
  • Bereiche und Regionen mit hoher herausgebildeter natürlicher Immunität werden bevorzugt geöffnet
  • Regionen mit freien Kapazitäten in der Krankenversorgung werden eher geöffnet

Maßnahmen Kommunikation
Die „flexible, risikoadaptierte Strategie“ kann nur gelingen, wenn die Bevölkerung aufrichtig, sachlich und überzeugend informiert wird.

Dazu gehört, die Risiken und die bedeutenden Anstrengungen und Kosten der schrittweisen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Normalisierung realistisch zu benennen.

Die Beschäftigten müssen bereit sein, die Arbeit in den zu öffnenden Sektoren wieder aufzunehmen, das heißt: Sie müssen Vertrauen in die fortlaufenden Maßnahmen der Pandemiebekämpfung fassen.

Um die betroffenen gesellschaftlichen Einrichtungen und Wirtschaftsakteure in die Lage zu versetzen, eigene Vorkehrungen für die Öffnung zu treffen, müssen die entsprechenden Pläne rechtzeitig erarbeitet und kommuniziert werden. Nur so kann eine risikoadaptierte Strategie die gewünschte Wirkung entfalten.

Fazit der 14 Autoren: „Die Umsetzung der hier beschriebenen Strategie ist zweifellos herausfordernd. Gleichwohl können die anstehenden Aufgaben mit Zuversicht begonnen werden. Kaum ein Land verfügt über so gute Voraussetzungen und Ressourcen wie Deutschland, um die Corona-Pandemie erfolgreich zu bestehen.“

+++ Google-Bewegungsdaten gegen Corona +++

06.04.2020

Google unterstützt den weltweiten Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus und stellt den Behörden in zunächst 131 Ländern Bewegungsdaten in anonymisierter Form zur Verfügung. Dabei greift das Unternehmen auf die in den Nutzerprofilen aufgezeichneten Aufenthaltsorte zurück, deren Auswertung zusätzliche Anhaltspunkte zum Verständnis der Verhaltenstrends liefert – im internationalen, nationalen wie auch im regionalen Vergleich.

So gingen im März die Besuche von Restaurants, Cafés und Geschäften in Deutschland um 77 Prozent und in Italien sogar um 94 Prozent zurück, während lediglich 19 Prozent der Südkoreaner ihre diesbezüglichen Lebensgewohnheiten änderten.

Und während die Deutschen im März begannen, öffentliche Grünanlagen zu meiden (-49%) und die Parks in Italien nahezu leer blieben (-90%), strömten die Südkoreaner ins Freie (+51%).

Große Unterschiede weisen auch die Bewegungsdaten im „Öffentlichen Nahverkehr“ (Deutschland: -68%, Italien: -87%, Südkorea: -17%) und am „Arbeitsplatz“ (Deutschland: -39%, Italien: -63%, Südkorea: -12%) auf; hier schlägt sich der „Shutdown“ in Deutschland und Italien augenfällig nieder.

Länderbezogene Daten unter https://www.google.com/covid19/mobility/

Shutdown: Hamburgs Mönckebergstraße. Credit: Aanderud

+++ Sechs Millionen Schutzmasken in Berlin und Hamburg eingetroffen +++

04.04.2020

Während am späten Abend ein Airbus-Flugzeug mit vier Millionen in China produzierten Schutzmasken an Bord in Hamburg gelandet ist, trafen kurz zuvor zwei Millionen Atemschutzmasken und 300.000 Schutzkittel Made in China in Berlin ein. Die Lieferung war am Sonnabend auf dem Flughafen Leipzig/Halle eingetroffen und von der Bundeswehr umgehend in die Hauptstadt gebracht worden.

Von den in Hamburg eingetroffenen Schutzmasken wird Airbus einen Teil nach Toulouse fliegen, von wo aus sie an Krankenhäuser in den Airbus-Heimatländern Spanien, Frankreich und Großbritannien verteilt werden. Die in Berlin eingelagerten Masken werden am Montag an Krankenhäuser und Pflegeheime verteilt.

+++ Liebesleben in den Zeiten der Corona +++

04.04.2020

Ausgangsbeschränkung, Kontaktverbot, Abstandsregel – für liebesbedürftige Singles ist die Corona-Zeit eine harte und bei Regelverstoß auch kostspielige Prüfung. „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über…“ war gestern, heute sind Blind Date im Restaurant, Small Talk in der Bar und Shoppen im Rotlicht verboten.

„Haben Sie Sex mit Menschen, die Ihnen nahestehen“, lautet eine gängige Empfehlung. Am nächsten steht sich so mancher selbst und hilft seiner Phantasie im Internet auf die Sprünge. „Sexuelle Freude lässt sich trainieren“, verspricht Mariah Freya, Gründerin eines Portals für Online-Sexkurse.

Umsätze von Online-Erotikshops verdoppelt

Doch auch beim Safer Sex mit sich selbst ist in den Zeiten der Corona besondere hygienische Umsicht geboten. Das gilt für die eigenen Hände ebenso wie für die verwendeten Spielsachen. Die Bestellungen insbesondere von Druckwellen-Vibratoren und Vibrationskissen haben sich bei den Online-Erotikshops in jüngster Zeit verdoppelt.

Und wer schließlich doch eine nahestehende Person zum Austausch von Zärtlichkeiten gefunden hat, greift derzeit den Sexperten zufolge besonders gern zum per Fernbedienung steuerbaren Paarvibrator.

+++ US-Behörden fangen 200.000 deutsche Schutzmasken in Bangkok ab +++

03.04.2020

Wildwest in Fernost: Während die Zahl der Coronavirus-Fälle in den Vereinigten Staaten unaufhörlich steigt - im Bundesstaat New York um über 10.000 an einem einzigen Tag –, gehen die US-Behörden bei der Beschaffung dringend benötigter Artikel zunehmend robust vor.

In Bangkok haben die US-Behörden eine von der Berliner Polizei bestellte und bereits bezahlte Lieferung von 200.000 in China produzierten FFP-2-Schutzmasken des Herstellers 3M abgefangen. Berlins Innensenator Andreas Geisel kritisierte das Vorgehen als „Akt moderner Piraterie“ und forderte die Bundesregierung auf, in Washington auf die Einhaltung internationaler Regeln zu pochen: „So geht man mit transatlantischen Partnern nicht um. Auch in globalen Krisenzeiten sollten keine Wildwest-Methoden herrschen.“ Auch Frankreich und Kanada sind von derartigen US-Methoden betroffen.

+++ Bundesgesundheitsminister vorsichtig optimistisch: „Kurve flacht leicht ab“ +++

03.04.2020

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist bei den Neuinfektionen vorsichtig optimistisch: „Wir sehen einen ersten Trend, dass die Steigerungen der Neuinfektionen abflachen“, sagte der CDU-Politiker beim Besuch eines Logistikzentrums für medizinische Schutzausrüstung im thüringischen Apfelstädt.

Dieser Trend müsse sich in den nächsten Tagen allerdings noch verfestigen. Wichtig sei, dass die vorgeschriebenen Maßnahmen eingehalten würden. 40 Prozent der Intensivbetten in Deutschland sind Spahn zufolge derzeit nicht belegt.

Deutschland gut mit Intensivbetten ausgestattet

Deutschland verfügt dem Statistischen Bundesamt zufolge im internationalen Vergleich über eine hohe Versorgungsdichte mit Intensivbetten in Krankenhäusern.

Aktuell kommen in Deutschland 33,9 Intensivbetten auf 100.000 Einwohner, die Kapazitäten werden derzeit weiter ausgebaut. Österreich (28,9 Intensivbetten je 100.000 Einwohner) und die Vereinigten Staaten (25,8) weisen eine ähnlich hohe Dichte auf, während die gegenwärtig besonders stark von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Staaten Spanien (9,7) und Italien (8,6) deutlich schlechter abschneiden.

+++ Robert-Koch-Institut ändert Haltung zu Mundschutz +++

02.04.2020

Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) hat überraschend seine Position zum Mundschutz geändert, ohne diesen Meinungswandel jedoch wissenschaftlich belegen zu können: Die vorsorgliche Verwendung eines Mundschutzes kann das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern, heißt es nun beim RKI.

Das gilt auch für Menschen ohne Symptome. Denn obwohl nicht jeder mit dem neuartigen Coronavirus Infizierte Symptome aufweist und erkrankt, gibt dieser den Erreger unter Umständen dennoch weiter. Da diese prophylaktische Verwendung einer Maske noch nicht wissenschaftlich belegt ist, hatte das RKI den Mundschutz bislang nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen.

In den thüringischen Städten Jena und Nordhausen sowie in Österreich ist das Tragen einer Schutzmaske in bestimmten Situationen, etwa beim Einkaufen und in Verkehrsmitteln, mittlerweile Pflicht. Stephan Pusch, Landrat in der nordrhein-westfälischen Corona-Hochburg Heinsberg, ist skeptisch: „Bislang hat mir kein Virologe gesagt, dass das (Tragen einer Maske) notwendig sei.“

Weltweites Vorbild Südkorea
In Südkorea besteht dagegen seit langem die Pflicht zum Tragen einer Schutzmaske mit Virenfilter. Südkoreanische Fachleute zogen deren konsequente Verwendung einem allgemeinen Shutdown mit seinen gravierenden wirtschaftlichen Folgen vor. Südkoreas Präsident Moon Jae-in, die koreanischen Parlamentarier, jeder Koreaner am Arbeitsplatz – sie alle tragen Maske.

Bereits im Februar rief Präsident Moon Jae landesweit die höchste Warnstufe für Infektionskrankheiten aus, und die Regierung ging auf breiter Front gegen die Epidemie vor: Großveranstaltungen wurden abgesagt, Schulen, Museen und Büchereien geschlossen, Arbeit im Home-Office angeordnet.

Die Behörden testen umfassend, um positive Corona-Fälle aufzuspüren, zu isolieren und zu behandeln. Mehrmals täglich versendet die Regierung Warnungen und Hinweise per SMS auf das Mobiltelefon buchstäblich jedes Südkoreaners und ermittelt über eine App den Aufenthaltsort aller Corona-Fälle. Auch die „Kampagne der sozialen Distanz“ trägt dazu bei, dass Südkorea das exponentielle Wachstum der Coronavirus-Infektionen abbremsen konnte.

Mit 9.976 Infizierten, 169 Todesfällen und 5.828 Genesenen (Stand: 2. April) ernten die 52 Millionen Südkoreaner den Lohn ihrer Disziplin.

+++ Hohe Bußgelder bei Verstößen gegen Corona-Regeln +++

02.04.2020

Angesichts unverändert ausgeprägter Ignoranz – allein in Hamburg stellt die Polizei täglich eine dreistellige Zahl an Verstößen gegen die Coronavirus-Regeln fest – haben etliche Bundesländer eigene Bußgeldkataloge in Kraft gesetzt. Die Strafen für Zuwiderhandlungen sind teilweise drastisch.

Passanten, die in Berlin ohne Ausweis angetroffen werden, zahlen bis zu 75 Euro Bußgeld. Wer den Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen missachtet oder sich in einer fremden Wohnung aufhält, wird mit bis zu 500 Euro bestraft. Längere Besuche in Alten- oder Pflegeheimen werden mit einer Geldstrafe von bis zu 1.000 Euro geahndet. Wer an Veranstaltungen, Versammlungen oder Zusammenkünften von mehr als drei Menschen teilnimmt, begeht eine Straftat. Im Wiederholungsfall können Geldbußen von bis zu 25.000 Euro verhängt werden.

In Brandenburg wird von heute an ein Bußgeld von bis zu 500 Euro fällig, falls jemand an öffentlichen oder privaten Veranstaltungen teilnimmt oder mit Personen Kontakt hat, die nicht zum eigenen Haushalt gehören; ausgenommen sind lediglich Menschen, die andere pflegen. Bis zu 2.500 Euro zahlt, wer gegen die Abstandsregel von 1,5 Metern in Warteschlangen verstößt oder zulässt, dass sich mehr als die erlaubten zehn Personen in Wartebereichen aufhalten. Und wer einen Laden ohne Ausnahmegenehmigung öffnet, muss mit bis zu 10.000 Euro Strafe rechnen.

Auch in Hamburg gelten von morgen an umfassende Kontaktbeschränkungen. Innensenator Andy Grote wies auf die unterschiedliche Ahndung privater und gewerblicher Verstöße hin: „Bußgelder, die einen persönlich betreffen - Abstand halten und nicht in zu großen Gruppen unterwegs sein – fangen immer bei 150 Euro an. Gewerbebetriebe, die geschlossen sein müssten, dies jedoch missachten, müssen mit Bußgeldern zwischen 2.500 und 5.000 Euro und im Wiederholungsfall mit bis zu 25.000 Euro rechnen.“

In Nordrhein-Westfalen gilt bereits seit vergangener Woche ein Bußgeldkatalog für Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen. Wer sich mit mehr als zwei Personen trifft, die nicht dem eigenen Haushalt angehören, muss mit 200 Euro Bußgeld rechnen. Ein Picknick oder das Grillen im öffentlichen Raum werden mit 250 Euro bestraft.

Im Saarland muss bis zu 200 Euro zahlen, wer ohne triftigen Grund das Haus verlässt oder mit mehr als einer nicht im Haushalt lebenden Person unterwegs ist. Wer in Kirchen, Moscheen und Synagogen Gottesdienste abhält, muss mit einer Strafe von bis zu 2.000 Euro rechnen. Gleiches gilt für das unbefugte Betreten eines Alten- und Pflegeheims.

Auch in Sachsen droht dem eine Geldbuße von 150 Euro, der ohne triftigen Grund seine Wohnung verlässt. Bei kleineren Verstößen kann die Polizei vor Ort Verwarngelder bis 55 Euro aussprechen.

+++ Bonner Virologe: Wenig Eigeninitiative beim Robert-Koch-Institut +++

01.04.2020

Seit Oktober 2019 leitet Hendrik Streeck das Institut für Virologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Ein halbes Jahr später ist der 42-jährige Forscher einer der gefragtesten Interviewpartner der deutschen Medien. Virologe wurde er, weil er den Film „Outbreak“ mit Dustin Hoffman so toll fand. Nun heißt das Virus nicht Ebola wie 1995, sondern Covit-19.

"Wenig Eigeninitiative beim Robert-Koch-Institut"
Streeck wundert sich, dass das Robert-Koch-Institut bislang nicht im deutschen Epizentrum des Coronavirus-Ausbruchs, im nordrhein-westfälischen Gangelt im Kreis Heinsberg, tätig geworden ist: „Während das Bundesgesundheitsministerium gut und schnell reagiert, sehe ich nur wenig Eigeninitiative des RKI“, rügt Streeck im Gespräch mit der FAZ. „Meines Erachtens wäre es tatsächlich Aufgabe des RKI gewesen, genau dieses Ausbruchsgeschehen in Gangelt zu erforschen, um Rückschlüsse für ganz Deutschland ziehen zu können. Was wir jetzt machen, hätte das RKI unmittelbar anschieben müssen.“

Dunkelziffer ermitteln
In Gangelt hätte längst in einer repräsentativen Stichprobe die Infiziertenzahl erhoben und Infektionswege dokumentiert werden können: Welche Situationen sind typisch für eine Ansteckung? Wo lauern die größten Gefahrenherde? Und vor allem: Wie hoch ist die Dunkelziffer der Corona-Infizierten tatsächlich? „Wir reden sehr viel über Modellierungen“, begründet Streeck die Notwendigkeit dieser Studie. „Bei diesen muss aber nur ein Faktor falsch sein, und das Ganze fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt Daten sammeln.“

Keine Hinweise auf Coronavirus in Restaurants
Da das Robert-Koch-Institut, die oberste Bundesbehörde für Infektionskrankheiten, diese Studie bislang weder geplant, geschweige denn durchgeführt habe, werde er sie nun realisieren: „So eine Studie muss gemacht werden, damit wir für die Politik – und auch für die Bürger – Antworten finden.“ Denn möglicherweise wären derart weitreichende Maßnahmen gar nicht nötig: „Es gibt zum Beispiel bisher keine Hinweise, dass Corona in Friseursalons oder in Restaurants verbreitet wird.“ Daher hat die nordrhein-westfälische Landesregierung Streeck und dessen zwanzigköpfiges Team mit der Studie im besonders vom Coronavirus betroffenen Landkreis Heinsberg beauftragt.

Schutzbedürftige zielgenauer schützen
Um in absehbarer Zeit zum normalen öffentlichen Leben zurückzukehren, müsse man nun Nuancen finden, betont Streeck. Es gelte, besonders verwundbare Menschen effektiv zu schützen: „Die Gefahr ist groß, wenn dieses Virus ins Krankenhaus, ins Pflegeheim und ins Altenheim kommt.“ Daher regt der Bonner Virologe beispielsweise wöchentliche Coronavirus-Tests für das medizinische und pflegerische Personal an. Dann seien in absehbarer Zeit Lockerungen einiger Maßnahmen durchaus vorstellbar.

+++ Bei deutschen Familienunternehmen versiegt der Cash-Flow +++

01.04.2020

Bosch: Kurzarbeit. Miele: Kurzarbeit. Sennheiser: Kurzarbeit. Bei 65 Prozent der deutschen Familienunternehmen hat sich die Unternehmenstätigkeit halbiert, zwei Drittel von ihnen werden bis Ende der Woche Kurzarbeitergeld beantragen.

Jedes vierte deutsche Familienunternehmen verfügt über Liquidität für maximal drei Monate, bei 28 Prozent versiegt nach acht Wochen der Cash-Flow, bei fünf Prozent geht nach höchstens 14 Tagen das Licht aus.

Die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten schnellen, unbürokratischen Kreditvergaben scheitern bislang an den Bonitätsprüfungen der Banken.

„Wenn jemand vorher schon keinen Kredit gekriegt hat, dann wird sich die Bank schwertun, ihm heute einen Kredit zu geben“, sagt Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, im Interview mit dem Journalisten Gabor Steingart. „Selbst wenn für diese Kredite bis zu 90 Prozent Ausfallgarantien des Bundes gegeben werden. Die Banken sind da in einer Zwickmühle, aus der man sie nur befreien kann, indem der Bund eine (auf drei Monate befristete) 100-Prozent-Garantie übernimmt. Wenn der Finanzminister jetzt keinen Weg findet, schnell Gelder in die Unternehmen zu bringen, fällt unser gesamtes Wirtschaftssystem in sich zusammen.“

+++ Medienexperte kritisiert Corona-Beiträge von ARD und ZDF +++

31.03.2020

„Systemjournalismus“, „Hofberichterstattung“ und „Gleichförmigkeit“: Medienwissenschaftler Otfried Jarren geht hart mit der Berichterstattung des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens über das Coronavirus ins Gericht. Da ARD und ZDF lediglich eine Handvoll Experten und Politiker zu Wort kommen ließen, inszenierten sie Bedrohung und exekutive Macht zugleich und betreibe damit „Systemjournalismus“. Eine „besondere Form der Hofberichterstattung“ wirft Jarren, Professor emeritus am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich, im Fachdienst „epd Medien“ insbesondere dem Norddeutschen Rundfunk vor.

„Die Chefredaktionen haben abgedankt“, moniert der Kommunikationswissenschaftler. Ihm fehlen „alle Unterscheidungen, die zu treffen und nach denen zu fragen wäre: Wer hat welche Expertise? Wer tritt in welcher Rolle auf?“ Eine echte Debatte unter Experten finde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht statt, gesendet würden stattdessen einzelne Statements.

Mit dieser Meinung steht Jarren nicht allein. Die freie Medienjournalistin und Moderatorin Vera Linß kritisiert im DLF Kultur, die Themen Überwachung und Datenschutz kämen in der Berichterstattung über die Bekämpfung des Coronavirus deutlich zu kurz. Viele Journalisten fühlten sich derzeit offenbar verpflichtet, die Krisenstrategie der Bundesregierung „als eine Art Service-Journalismus“ weitgehend kritiklos zu senden.

Schwach im TV, gut im Netz

Im Vergleich zu den privaten Nachrichtensendern eher „schwach aufgestellt“ ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen auch in der Wahrnehmung des RDN-Redakteurs Matthias Schwarzer, der mit dem zur Madsack Mediengruppe gehörenden RedaktionsNetzwerk Deutschland über 50 Tageszeitungen mit 6,8 Millionen Lesern erreicht. Eine Lanze bricht Schwarzer dagegen für das öffentlich-rechtliche Medienangebot im Netz: „Was ARD und ZDF in diesen Zeiten leisten, ist tatsächlich öffentlich-rechtlich im allerbesten Sinne.“

+++ Wie lange „Shutdown“? Vier Wochen kosten 152 Milliarden Euro +++

30.03.2020

Die Wirtschaftsforscher sind sich einig: Die Politik muss rasch einen klugen Ausgleich zwischen Gesundheit und Wirtschaft finden. Denn so wichtig die aktuellen Maßnahmen aus gesundheitspolitischer Sicht sind, so dramatisch sind deren Auswirkungen auf unsere Wirtschaft.

Vier Wochen Shutdown und eine rasche Erholung der Wirtschaft haben im Best Case Produktionsausfälle in Höhe von 152 Milliarden Euro zur Folge. Doch sind vier Wochen realistisch? „Von besonderer Relevanz für politische Entscheidungen ist die Frage, welche Kosten eine Verlängerung des Shutdown verursacht“, betont das Münchner Ifo-Institut. Bei drei Monaten Auszeit und verzögertem Neustart steigt der Wertschöpfungsverlust auf 729 Milliarden Euro.

„Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest düster. Nach den Berechnungen seines Institutes kostet eine einzige Woche Shutdown-Verlängerung Deutschland bis zu 1,6 Prozentpunkte BIP bzw. bis zu 57 Milliarden Euro – im Worst Case jeden Bundesbürger 9.000 Euro.

"Blindflug beenden, Datenbasis verbessern"

Die Politik müsse ihren Blindflug beenden und ihre Datenbasis verbessern, fordert daher Gabriel Felbermayr, Präsident des ebenso renommierten Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Die derzeit verfügbaren Coronavirus-Daten seien nicht ausreichend, um derart weitreichende politische und wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen: „Wir brauchen sehr schnell regelmäßige Breitentests, um verlässliche Daten über die Verbreitung des neuen Coronavirus in der Bevölkerung zu gewinnen. Andernfalls kann die Politik nicht verantwortungsvoll entscheiden, ob und wann die derzeitigen Notmaßnahmen gelockert werden können.“

Angesichts der weitreichenden Entscheidungen, die politisch und wirtschaftlich gefällt werden müssen, sind nach Felbermayrs Auffassung laufend aktualisierte Informationen vonnöten, die darüber Aufschluss geben, wie stark die Gesamtbevölkerung bereits infiziert oder immunisiert ist und wie die sozio-ökonomischen und demographischen Charakteristika der Risikogruppen sind. Um die Labore nicht zusätzlich zu belasten, sollten hierfür weniger aufwendige Antikörpertestverfahren eingesetzt werden. Derartige Breitentests ließen sich binnen weniger Wochen realisieren.

Rückkehr ins normale Leben vorbereiten

„Wir können Deutschland nicht viele Monate im Mindestbetrieb fahren“, resümiert Felbermayr. „Das ist sehr teuer, untergräbt die wirtschaftliche Basis für die Bekämpfung der Epidemie und führt zu weiteren gesundheitlichen Schäden, beispielsweise Depressionen. Um aber mit minimalem Risiko wieder mehr geschäftliche und soziale Aktivität zuzulassen, braucht es eine gute Messinfrastruktur. Bildlich gesehen befinden wir uns im Blindflug, die Voraussetzungen für einen kontrollierten Landeanflug zur Rückkehr ins normale Leben sind nicht gegeben.“

+++ Hamburger Chefarzt warnt: „Gipfel der Durchseuchung noch nicht erreicht“ +++

30.03.2020

Der Chefarzt der Asklepios Klinik Hamburg-Barmbek, Dr. Gerian Grönefeld, warnt vor verfrühten Exit-Strategien. Diese wären „hochsträflich“: „Wir befinden uns immer noch in der Phase, in der die Fallzahlen steil ansteigen“, betont der Kardiologe. „Der Gipfel der Durchseuchung ist noch längst nicht erreicht.“

Mediziner würden sich aktuell fühlen, als stünden sie am Vesuv und warteten auf den Vulkanausbruch. „Wir wissen nicht, wann genau er kommen wird“, sagte der Chefarzt. „Aber eins ist klar: Er wird kommen - vielleicht in den nächsten Tagen, vielleicht in einigen Wochen, vielleicht auch erst in einem Jahr.“ Frühestens nach Ostern kann bewertet werden, ob es vertretbar wäre, einzelne Beschränkungen schrittweise wieder zu lockern, sagt Grönefeld.

Mit 112 Fällen pro 100.000 Einwohner weist Hamburg aktuell die höchste Infektionsdichte auf; mit 107 Fällen folgt Bayern auf Rang 2, der bundesweite Durchschnitt liegt bei 69 Infektionen pro 100.000 Einwohner.

+++ Wissenschaftler uneins über Corona-Strategie +++

29.03.2020

Während sich das Coronavirus fortgesetzt verbreitet, die Politik am Konzept der „sozialen Distanz“ festhält und RKI-Präsident Lothar Wieler warnt: „Wenn wir es nicht schaffen, die Kontakte der Menschen über die nächsten Wochen zu reduzieren, können wir schon bald Millionen Infizierte in Deutschland haben“, vertreten andere Wissenschaftler völlig abweichende Positionen.

Zu ihnen zählt der emeritierte Professor für Medizinische Mikrobiologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und heutige Gastprofessor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Sucharit Bhakdi. In einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert er am 26. März eine dringende Neubewertung der Reaktion auf Covid-19. „Es ist ausdrücklich nicht mein Anliegen, die Gefahren der Viruserkrankung herunterzuspielen oder eine politische Botschaft zu kolportieren“, betont der in Washington D.C. geborene Sohn thailändischer Diplomaten. „Der Grund meiner Besorgnis liegt vor allem in den wirklich unabsehbaren sozio-ökonomischen Folgen der drastischen Eindämmungsmaßnahmen, die derzeit in weiten Teilen Europas Anwendungen finden und auch in Deutschland bereits in großem Maße praktiziert werden.“ Bhakdi wirft im Folgenden fünf Fragen auf:

Statistik
In der Infektiologie – begründet von Robert Koch selbst – wird traditionell zwischen Infektion und Erkrankung unterschieden. Eine Erkrankung bedarf einer klinischen Manifestation. Deshalb sollten nur Patienten mit Symptomen wie etwa Fieber oder Husten als Neuerkrankungen in die Statistik eingehen. Mit anderen Worten bedeutet eine Neuinfektion – wie beim COVID-19 Test gemessen – nicht zwangsläufig, dass wir es mit einem neuerkrankten Patienten zu tun haben, der ein Krankenhausbett benötigt. Derzeit wird aber angenommen, dass fünf Prozent aller infizierten Menschen schwer erkranken und beatmungspflichtig werden. Darauf basierende Hochrechnungen besagen, dass das Gesundheitssystem im Übermaß belastet werden könnte.

Frage: Wurde bei den Hochrechnungen zwischen symptomfreien Infizierten und tatsächlichen, erkrankten Patienten unterschieden – also Menschen, die Symptome entwickeln?

Gefährlichkeit
Eine Reihe von Coronaviren sind – medial weitgehend unbemerkt – schon seit Langem im Umlauf. Sollte sich herausstellen, dass dem COVID-19 Virus kein bedeutend höheres Gefahrenpotential zugeschrieben werden darf als den bereits kursierenden Coronaviren, würden sich offensichtlich sämtliche Gegenmaßnahmen erübrigen. In der international anerkannten Fachzeitschrift „International Journal of Antimicrobial Agents“ wird in Kürze eine Arbeit erscheinen, die diese Frage adressiert. Vorläufige Ergebnisse der Studie sind schon heute einsehbar und führen zu dem Schluss, dass das neue Virus sich von traditionellen Coronaviren in der Gefährlichkeit nicht unterscheidet. Dies bringen die Autoren im Titel ihrer Arbeit „SARS-CoV-2: Fear versus Data“ zum Ausdruck.

Frage: Wie sieht die gegenwärtige Auslastung von Intensivstationen mit Patienten mit diagnostizierten COVID-19 im Vergleich zu anderen Coronavirus-Infektionen aus, und inwiefern werden diese Daten bei der weiteren Entscheidungsfindung der Bundesregierung berücksichtigt? Wurde die obige Studie in den bisherigen Planungen zur Kenntnis genommen? Auch hier muss natürlich gelten: Diagnostiziert heißt, dass das Virus auch maßgeblichen Anteil an dem Krankheitszustand des Patienten hat, und nicht etwa Vorerkrankungen eine größere Rolle spielen.

Verbreitung
Laut eines Berichts der „Süddeutschen Zeitung“ ist nicht einmal dem viel zitierten Robert-Koch-Institut genau bekannt, wie viel auf COVID-19 getestet wird. Fakt ist jedoch, dass man mit wachsendem Testvolumen in Deutschland zuletzt einen raschen Anstieg der Fallzahlen beobachten konnte. Der Verdacht liegt also nahe, dass sich das Virus bereits unbemerkt in der gesunden Bevölkerung ausgebreitet hat. Das hätte zwei Konsequenzen: Erstens würde es bedeuten, dass die offizielle Todesrate – am 26.03.2020 etwa waren es 206 Todesfälle bei rund 37.300 Infektionen, oder 0.55 Prozent – zu hoch angesetzt ist; und zweitens, dass es kaum mehr möglich ist, eine Ausbreitung in der gesunden Bevölkerung zu verhindern.

Frage: Hat es bereits eine stichprobenartige Untersuchung der gesunden Allgemeinbevölkerung gegeben, um die Realausbreitung des Virus zu validieren, oder ist dies zeitnah vorgesehen?

Mortalität
Die Angst vor einem Ansteigen der Todesrate in Deutschland (derzeit 0.55 Prozent) wird medial derzeit besonders intensiv thematisiert. Viele Menschen sorgen sich, sie könne wie in Italien (10 Prozent) und Spanien (7 Prozent) in die Höhe schießen, falls nicht rechtzeitig gehandelt wird. Gleichzeitig wird weltweit der Fehler begangen, virusbedingte Tote zu melden, sobald festgestellt wird, dass das Virus beim Tod vorhanden war – unabhängig von anderen Faktoren. Dieses verstößt gegen ein Grundgebot der Infektiologie: Erst wenn sichergestellt wird, dass ein Agens an der Erkrankung bzw. am Tod maßgeblichen Anteil hat, darf die Diagnose ausgesprochen werden. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften schreibt in ihren Leitlinien ausdrücklich: „Neben der Todesursache muss eine Kausalkette angegeben werden, mit dem entsprechenden Grundleiden auf der Todesbescheinigung an dritter Stelle. Gelegentlich müssen auch viergliedrige Kausalketten angegeben werden.“ Derzeit gibt es keine offiziellen Angaben darüber, ob zumindest im Nachhinein kritischere Analysen der Krankenakten unternommen worden, um festzustellen, wie viele Todesfälle wirklich auf das Virus zurückzuführen seien.

Frage: Ist Deutschland dem Trend zum COVID-19-Generalverdacht einfach gefolgt? Und: gedenkt es, diese Kategorisierung weiterhin wie in anderen Ländern unkritisch fortzusetzen? Wie soll dann zwischen echten Corona-bedingten Todesfällen und zufälliger Viruspräsenz zum Todeszeitpunkt unterschieden werden?

Vergleichbarkeit
Immer wieder wird die erschreckende Situation in Italien als Referenzszenario herangezogen. Die wahre Rolle des Virus in diesem Land ist jedoch aus vielen Gründen völlig unklar – nicht nur, weil die Punkte 3 und 4 auch hier zutreffen, sondern auch, weil außergewöhnliche externe Faktoren existieren, die diese Regionen besonders anfällig machen. Dazu gehört unter anderem die erhöhte Luftverschmutzung im Norden Italiens. Laut WHO-Schätzung führte diese Situation 2006 auch ohne Virus zu über 8.000 zusätzlichen Toten allein in den 13 größten Städten Italiens pro Jahr. Die Situation hat sich seitdem nicht signifikant verändert. Schließlich ist es darüber hinaus auch erwiesen, dass Luftverschmutzung bei sehr jungen und älteren Menschen das Risiko viraler Lungenerkrankungen sehr stark erhöht. Außerdem leben 27.4 Prozent der besonders gefährdeten Population in diesem Land mit jungen Menschen zusammen, in Spanien sogar 33.5 Prozent. In Deutschland sind es zum Vergleich nur sieben Prozent. Hinzu kommt, dass Deutschland (…) in Sachen Intensivstationen deutlich besser ausgestattet ist als Italien – und zwar etwa um den Faktor 2,5.

Frage: Was wird unternommen, um der Bevölkerung diese elementaren Unterschiede nahezubringen und den Menschen verständlich zu machen, dass Szenarien wie in Italien oder Spanien hier nicht realistisch sind?


Kekulé: „Mit dem Rücken zur Wand“
Völlig anders bewertet Alexander Kekulé, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle, die Situation: „Wir sind in einer ganz schwierigen Situation, stehen mit dem Rücken zur Wand!“ Deutschland sei auf die Covid-19-Pandemie nur unzureichend vorbereitet.

Zugleich warnt er vor „Superhorrorszenarien“ hinsichtlich der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland. Prognosen, denen zufolge 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Coronavirus in Kontakt kommen werden, nennt er eine „harte Ansage“: „Auf Deutschland umgerechnet würde das heißen: 250.000 bis eine halbe Million Menschen würden an dieser Krankheit sterben.“ Kekulé geht von anderen Zahlen aus: „Etwa 10 Prozent müssten ins Krankenhaus, jeder 20. muss auf die Intensivstation, etwa jeder 200. stirbt“.

Ziel müsse es sein, die Ausbreitungswelle über drei Jahre zu verteilen. Dies würde das deutsche Gesundheitssystem „irgendwie hinkriegen“. Jenseits von rund 200 Fällen sei die Ausbreitung nicht mehr zu stoppen, dies sei „der Punkt ohne Wiederkehr, der Kipppunkt“. Kekulé drückt es plastisch aus: „Man kann das mit dem Austreten einer Zigarette vergleichen, bevor sie einen Waldbrand verursacht.“

Risikogruppen sollten "dringend" Vorräte anlegen
Über die Tragweite der bereits getroffenen Maßnahmen ist sich natürlich auch Kekulé im Klaren: Die Bevölkerung stehe „psychologisch enorm unter Druck. Wir können die Menschen in Deutschland natürlich nicht sechs Monate in die Häuser stecken.“

Risikogruppen, also „Menschen, die sehr betagt sind, in Deutschland die Altersgruppe 70+, Menschen mit Atemwegserkrankungen, Herzerkrankungen jeder Art und Diabetes“, empfiehlt der Wissenschaftler „dringend“, sich aufgrund der steigenden Ansteckungsgefahr Vorräte anzulegen. „Sie sollten sich natürlich Vorräte zu Hause anlegen, wenn sie nicht jemanden haben, der ihnen das bringt, vor allem Medikamente.“

Weitere Stimmen folgen.

+++ Zahlen im Definitionsstreit: an oder mit Covid-19 verstorben? +++

28.03.2020

Immer wieder äußern Skeptiker Zweifel an den publizierten Covid-19-Zahlen: Sind die in den Krisenregionen in Italien und Spanien, aber auch in Deutschland positiv-getesteten Verstorbenen sämtlich dem Coronavirus und der von ihm ausgelösten Lungenerkrankung Covid-19 zum Opfer gefallen? Oder waren sie zwar infiziert, verstarben aber an ihren Vorerkrankungen?

Insbesondere die erschreckend hohen italienischen Zahlen - 92.472 Infizierte und 10.023 Tote (Stand: 28. März 2020, 18:28h) befeuern die Debatte. Dem nationalen italienischen Gesundheitsinstitut ISS zufolge lag das Durchschnittsalter der bislang positiv-getesteten Verstorbenen bei rd. 81 Jahren: Zehn Prozent der Verstorbenen waren über 90 Jahre, 90 Prozent über 70 Jahre alt.

80 Prozent der Verstorbenen wiesen zwei oder mehr, jeder zweite drei oder mehr chronische Vorerkrankungen auf, insbesondere Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes, Atemprobleme und Krebs. Bei weniger als einem Prozent der Verstorbenen handelte es sich dem ISS zufolge dagegen um gesunde Personen, und lediglich rd. 30 Prozent der Verstorbenen waren Frauen.

Das italienische Gesundheitsinstitut ISS unterscheidet durchaus zwischen durch das Coronavirus Verstorbenen und mit dem Coronavirus Verstorbenen, doch ist in vielen Fällen ungeklärt, ob die Betroffenen am Virus, an ihren chronischen Vorerkrankungen oder an einer Kombination aus beidem verstarben.

+++ Vertrauliches Strategiepapier dringt auf „überfällige“ Corona-Massentests +++

27.03.2020

Südkorea setzt seit Beginn der Coronavirus-Pandemie auf Massentests und die Isolierung Erkrankter, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Auf Ausgangsbeschränkungen für Millionen von Menschen hat die Regierung in Seoul bislang verzichtet. Der Erfolg gibt ihr eindrucksvoll Recht: Die Kurve flacht ab.

Nun reifen in Berlin Überlegungen, dem südkoreanischen Beispiel zu folgen. Das am 18. März von Bundesinnenminister Horst Seehofer in Auftrag gegebene vertrauliche Strategiepapier „Wie wir Covid-19 unter Kontrolle bekommen“ drängt auf die größtmögliche Erhöhung „überfälliger“ Testkapazitäten.

Von Montag, 6. April, an sollen, so die Forderung der Strategiepapier-Autoren, täglich 50.000 Tests möglich sein, vom 13. April an 100.000 pro Tag und von Ende April an täglich 200.000 Tests; derzeit sind wöchentlich bis zu 500.000 Coronavirus-Tests möglich.

Zielgruppe der Massentests sollten „sowohl Personen mit Eigenverdacht als auch der gesamte Kreis der Kontaktpersonen von positiv getesteten Personen“ sein. Die bislang verfolgte Methode „Wir testen, um die Lage zu bestätigen“ muss nach Meinung des international zusammengesetzten Expertenteams von der Zielsetzung „Wir testen, um vor die Lage zu kommen“ abgelöst werden.

+++ Bosch-Medizintechnik entwickelt revolutionären Corona-Schnelltest +++

26.03.2020

In weniger als zweieinhalb Stunden kann mit dem von Bosch entwickelten Schnelltest eine Infektion festgestellt werden – direkt am Ort der Behandlung, im Krankenhaus oder in der Arztpraxis. Zeitaufwendige Laboruntersuchungen und damit lange Wartezeiten auf das Ergebnis entfallen.

„Mit dem Covid-19-Schnelltest wollen wir einen Beitrag zur möglichst raschen Eindämmung der Corona-Pandemie leisten. Infizierte Patienten können schneller identifiziert und isoliert werden“, sagt der Bosch-Vorstandsvorsitzende Dr. Volkmar Denner. „Im Kampf gegen das Virus ist Zeit einer der entscheidenden Faktoren.“

Im Bosch-Labor erzielte das innerhalb von nur sechs Wochen zur Marktreife entwickelte Analysegerät Vivalytic eine Genauigkeit von über 95 Prozent und erfüllt damit die Qualitätsstandards der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Mehr auf: https://www.bosch-presse.de/pressportal/de/de/gegen-corona-pandemie-bosch-entwickelt-covid-19-schnelltest-209792.html

+++ Bundestag beschließt Corona-Nachtragshaushalt +++

25.03.2020

Nach halbstündiger Aussprache hat der Bundestag die Entwürfe der Bundesregierung für ein Nachtragshaushaltsgesetz 2020 und der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD für ein Wirtschaftsplanstabilisierungsfondsgesetz angenommen.

Neben den Regierungsfraktionen stimmten auch FDP, Grüne und Linke dafür, die AfD enthielt sich. Zum Nachtragshaushaltsgesetz liegt bereits die Stellungnahme des Bundesrates vor; er hat keine Einwendungen erhoben.

Für 2020 rechnet die Bundesregierung mit einem deutlich rückläufigen Bruttoinlandsprodukt. Insgesamt werden mit dem Nachtragshaushaltsgesetz zusätzliche Ausgaben von 122,5 Milliarden auf dann 484,5 Milliarden Euro veranschlagt.

Damit wird die zulässige Kreditobergrenze gemäß Artikel 115 Grundgesetz überschritten. Der Bundestag stimmte überein, die Corona-Pandemie als außergewöhnliche Notsituation zu definieren, die sich der Kontrolle des Staates entziehe.

+++ Bundestag befürwortet Milliarden-Paket im Kampf gegen Corona-Pandemie +++

25.03.2020

Einmütig haben alle sechs Fraktionen im Bundestag das milliardenschwere Hilfspaket im Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie befürwortet.

Das Rettungspaket soll heute im Eilverfahren durch den Bundestag und am 27. März durch den Bundesrat gebracht werden. Es sieht Hilfen für Kleinunternehmen und Solo-Selbstständige, für Familien und sozial Schwache sowie für Krankenhäuser und Ärzte vor.

Um den Nachtragshaushalt in Höhe von 156 Milliarden Euro zu finanzieren, wird die in der Verfassung verankerte Schuldenbremse mit Kanzlermehrheit außer Kraft gesetzt.

Großunternehmen sollen mithilfe eines bis zu 600 Milliarden Euro umfassenden Wirtschaftsstabilisierungsfonds unterstützt werden. Er soll in Kürze gegründet werden.

Sprecher aller Fraktionen dankten den Helfern, die in dieser Krise "den Laden am Laufen halten": Ärzten, Pflegern, Polizisten, Mitarbeitern in den Supermärkten und in der Logistik - Danke!

+++ 50 Mrd. € Corona-Soforthilfen für Kleinstunternehmen und Solo-Selbständige +++

24.03.2020

Die Bundesregierung will bis zu drei Millionen von der Coronavirus-Krise hart getroffene Kleinstunternehmen und Solo-Selbständige schnell und unbürokratisch unterstützen. Deren Bedarf an Soforthilfe zur Überbrückung akuter Liquiditätsengpässe ist besonders dringlich, da sie in der Regel keine Kredite erhalten und über keine Sicherheiten oder weitere Einnahmen verfügen.

Insgesamt 50 Milliarden Euro umfassen die vom Bundeskabinett beschlossenen finanziellen Sofortmaßnahmen. Dabei handelt es sich um Zuschüsse, nicht um Kredite, betont Bundesfinanzminister Olaf Scholz: „Es muss also nichts zurückgezahlt werden.“

Maßnahmen
Finanzielle Soforthilfe (steuerbare Zuschüsse) für Kleinstunternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Soloselbständige und Angehörige der Freien Berufe bis zu zehn Beschäftigten:

Bei bis zu fünf Beschäftigten (Vollzeit): bis EUR 9.000,00 Einmalzahlung für drei Monate

Sechs bis zehn Beschäftigte (Vollzeit): bis EUR 15.000,00 Einmalzahlung für drei Monate

Sofern der Vermieter die Miete um mindestens 20 Prozent reduziert, kann der ggf. nicht ausgeschöpfte Zuschuss auch für zwei weitere Monate eingesetzt werden

Voraussetzungen
Der Antragsteller darf vor dem 11. März 2020 nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sein; die nach diesem Stichtag eingetretenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten müssen Folge der Coronavirus-Krise sein.

Antragstellung
Der Antrag soll möglichst elektronisch gestellt werden. Für die Antragsstellung wird eine eidesstattliche Erklärung benötigt, derzufolge das eigene Unternehmen aufgrund des Coronavirus existenzgefährdet oder von Liquiditätsengpässen bedroht ist. Die Bearbeitung und Bewilligung des Antrages, die Auszahlung und ggf. Rückforderung der Mittel erfolgt durch die Bundesländer und Kommunen. Eine Kumulierung mit anderen Coronavirus-Beihilfen ist grundsätzlich möglich.

Alle Ansprechpartner auf https://www.corona24.info/hotlines-wirtschaft.html

+++ Umfassendes Kontaktverbot, aber keine Ausgangssperre +++

22.03.2020

In einer Videokonferenz haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidenten der Länder am Sonntagnachmittag auf ein umfassendes Kontaktverbot verständigt:

Ansammlungen von mehr als zwei Personen sind grundsätzlich verboten. Ausgenommen sind Familien und in einem Haushalt lebende Personen

Der Kontakt zu anderen wird auf ein Mindestmaß beschränkt

In der Öffentlichkeit müssen Personen einen Abstand von 1,50 Meter zueinander einhalten

Gastronomiebetriebe bleiben geschlossen, Friseure und Kosmetikstudios dürfen von Montag an nicht mehr öffnen

Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen werden von Ordnungsbehörden und Polizei überwacht und sanktioniert

Der Weg zur Arbeit, Hilfe für andere und individuelle Bewegung an der frischen Luft sind fortgesetzt erlaubt

Ausnahmen gelten für zwingend notwendige Zusammenkünfte aus geschäftlichen, beruflichen und dienstlichen sowie aus prüfungs- und betreuungsrelevanten Gründen

Die Punkte gelten zunächst für zwei Wochen

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte in einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag nachdrücklich deutlich, die heute mit den Ministerpräsidenten beschlossenen Einschränkungen der öffentlichen Kontakte seien Regeln, keine Empfehlungen. Die Polizei werde die Einhaltung überwachen und Verstöße sanktionieren.

Sachsen verhängt von Montag 0.00 Uhr an für den gesamten Freistaat eine Ausgangsbeschränkung: Das Verlassen der eigenen vier Wände ohne triftigen Grund ist untersagt. Lediglich Wege zur Arbeit oder zum Einkaufen bleiben erlaubt.

+++ Siegt Samstag die Vernunft? Oder kommt Sonntag die Ausgangssperre? +++

20.03.2020

„Wir werden uns das Verhalten der Bevölkerung an diesem Wochenende anschauen“, erklärt Kanzleramtschef Helge Braun. „Der Samstag ist ein entscheidender Tag, den haben wir besonders im Blick.“ Am Sonntagabend will Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder in einer Telefonkonferenz über eine Ausgangssperre in ganz Deutschland beraten.

+++ Hohe Bußgelder bei Verstößen gegen Ausgangsbeschränkungen +++

20.03.2020

Von Sonnabend, 21. März 2020, 0:00 Uhr, an gelten im gesamten Freistaat Bayern zunächst zwei Wochen lang „grundlegende Ausgangsbeschränkungen“: Erlaubt sind dann nur noch der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern sowie Sport und Bewegung an der frischen Luft – allein oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Lebensmittelgeschäfte bleiben ebenso geöffnet wie Banken und Sparkassen. In Kliniken, Alten- und Behinderteneinrichtungen gilt ein generelles Besuchsverbot mit Ausnahmen enger Angehöriger. Die Gastronomie darf in den kommenden 14 Tagen nur noch individuell bedienen, das heißt To Go, Drive In und Lieferungen. Friseure, Bau- und Gartenmärkte werden geschlossen.

Überwacht und kontrolliert werden die neuen Maßnahmen von Polizei- und Ordnungsdiensten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnte: „Wer dagegen verstößt, muss mit hohen Bußgeldern rechnen!“

Baden-Württemberg:
Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen mit mehr als drei Personen sind nicht mehr erlaubt. Ausnahmen gibt es nur für Familien und Paare. Von Sonnabend (21. März) an bleiben Restaurants geschlossen. Der Grenzverkehr mit Corona-Risikogebieten wird streng kontrolliert. Berufspendler dürfen über die Grenze zur Arbeit fahren, Shopping jenseits der Grenze ist dagegen verboten.

+++ Bayern: erste Ausgangssperre +++

19.03.2020

In Bayern gibt es 1.243 bestätigte Corona-Fälle und vier Todesfälle (RKI vom 18. März 2020). Bayern war als erstes Bundesland betroffen, nun setzt die bayrische Staatsregierung drastische Maßnahmen um; am 16. März hat sie landesweit den Katastrophenfall festgestellt.

Für die 6.500-Einwohner-Stadt Mitterteich gilt ab sofort eine Ausgangssperre. Die vom Landratsamt Tirschenreuth verhängte Maßnahme ist eine Premiere und zunächst bis zum 2. April befristet.

Seit dem 17. März sind alle Freizeit-Einrichtungen geschlossen; wochentags bis 22:00 Uhr sowie sonn- und feiertags von 12:00 bis 18:00 Uhr öffnen dürfen lediglich Einrichtungen zur Gewährleistung der Grundversorgung:

  • Supermärkte
  • Apotheken
  • Drogerien
  • Tankstellen
  • Post
  • Gartenmärkte
  • Reinigungen

Gaststätten dürfen von 06:00 bis 15.00 Uhr öffnen, danach dürfen sie nur noch Lebensmittel liefern oder zum Mitnehmen verkaufen (Take-Away).

Angesichts der sich abzeichnenden Materialengpässe bei Masken, Brillen und Schutzkleidung, insbesondere aber bei Beatmungsgeräten hat das Gesundheitsministerium eine Allgemeinverfügung für eine Meldepflicht für Beatmungsgeräte in den Praxen der niedergelassenen Ärzte erlassen.

Die Leitungen der Praxen niedergelassener Ärzte in Bayern sind verpflichtet, unverzüglich die Gesamtzahl der in der jeweiligen Praxis vorhandenen Beatmungsgeräte an das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege unter beatmungsgeraete@stmgp.bayern.de zu übermitteln.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung und der Behandlung schwerkranker Menschen Beatmungsgeräte beschlagnahmt und zentral nach Bedarf verteilt werden müssen. Hierfür muss zunächst der Bestand festgestellt werden.

Eindringliche Warnung vor Betrügern: „Seien Sie skeptisch!“

Die Polizei warnt vor Betrügern, die die aktuelle Unsicherheit der Bürger ausnutzen könnten. Skepsis ist geboten, wenn Unbekannte vor der Haustür stehen, sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben, Zutritt zur Wohnung fordern oder eine Schluckimpfung gegen das Virus verkaufen wollen.

In derartigen Fällen soll man die Notrufnummer 110 anrufen: „Beherzigen Sie unsere Tipps, dann sind Sie immun gegen die Tricks der Kriminellen“, empfiehlt die Polizei. „Im Zweifel rufen Sie uns an, wir machen auch Hausbesuche und haben schon so einige Betrüger verarztet.“

„Für einige wird es lebensgefährlich“

„Auch wenn 80 Prozent wahrscheinlich nur mit leichten Symptomen zu leben haben, wird es für einige lebensgefährlich“, betont Ministerpräsident Markus Söder.

„Deswegen hat jeder die Verantwortung, auf diese Herausforderung zu reagieren. Das ist ein Stresstest für unser Gesundheitssystem, aber auch ein Charaktertest für unsere Gesellschaft.“

+++ Aktuelles aus Bund und Bundesländern +++

18.03.2020

"Größte Herausforderung seit II. Weltkrieg"

Angesichts einer exponentiell steigenden Zahl von Coronavirus-Infektionen in Deutschland – laut Robert-Koch-Institut (RKI) aktuell 8.198 Infektions- und zwölf Todesfälle – hat das RKI seine Risikoeinschätzung aktualisiert: Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt.

Erstmals in ihrer 15-jährigen Kanzlerschaft wandte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am 18. März an die deutsche Bevölkerung:

Das Coronavirus verändert zurzeit das Leben in unserem Land dramatisch. Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.

Richtschnur all unseres Handelns: die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, sie über die Monate zu strecken und so Zeit zu gewinnen. Zeit, damit die Forschung einen Impfstoff entwickeln kann. Aber vor allem auch Zeit, damit diejenigen, die erkranken, bestmöglich versorgt werden können.

Deutschland hat ein exzellentes Gesundheitssystem, vielleicht eines der besten der Welt. Das kann uns Zuversicht geben. Aber auch unsere Krankenhäuser wären völlig überfordert, wenn in kürzester Zeit zu viele Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der Corona-Infektion erleiden.

Wir müssen aus Rücksicht voneinander Abstand halten. Der Rat der Virologen ist eindeutig: kein Handschlag mehr, gründlich und oft die Hände waschen, mindestens eineinhalb Meter Abstand zum Nächsten und am besten kaum noch Kontakte zu den ganz Alten, weil sie besonders gefährdet sind.

Die Bundesregierung und die 16 Landesregierungen greifen bereits zu einschneidenden Maßnahmen, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen: „Öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen, bei denen es zu einer Begegnung von Menschen kommt, sowie Versammlungen sind unabhängig von der Zahl der Teilnehmenden untersagt“, heißt es in der von der Hamburger Justizbehörde herausgegebenen „Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Coronavirus“, die sich im Wesentlichen mit den Verfügungen der übrigen 15 Bundesländer deckt.

Etwa 20 Prozent der Coronavirus-Infektionen verlaufen den Experten zufolge schwer oder kritisch. Da ein Impfstoff frühestens in zwölf Monaten verfügbar sein wird, sind alle Anstrengungen darauf ausgerichtet, die Zahl zeitgleich infizierter Menschen so gering zu halten wie möglich.

Gelingt es nicht, die Fallzahlenkurve signifikant abzuflachen, wird die Zahl der zu behandelnden Patienten die Kapazität der deutschen Krankenhäuser ebenso übersteigen, wie dies in Italien und im Elsass der Fall ist.

Anonymisierte Überprüfung von Smart-Phone-Bewegungsprofilen

„Wir sind am Anfang einer Epidemie, die noch viele Wochen und Monate in unserem Land unterwegs sein wird“, betont RKI-Präsident Lothar Wieler und belässt es nicht bei bloßen Empfehlungen: Um zu überprüfen, ob die behördlichen Verfügung zur Eindämmung des Coronavirus eingehalten werden, analysiert das RKI mittlerweile die anonymisierten Bewegungsdaten der Telekom-Kunden. „Wenn wir sehen, dass die Menschen die Maßnahmen gar nicht umsetzen, wissen wir, warum Infektionszahlen hoch bleiben“, sagt Professor Wieler.

Zusammen gegen Corona. Wer sich schützt, schützt uns alle.

Bundesweit sind nahezu alle Einrichtungen des öffentlichen Lebens geschlossen. Hiervon ausgenommen sind lediglich Einrichtungen, die der Versorgung und Gesundheitsfürsorge der Bevölkerung dienen, also Supermärkte, der Lebensmitteleinzelhandel, Wochenmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Waschsalons, Tierbedarf, Baumärkte und Großhandel.

Ältere Mitbürger und Menschen mit Vorerkrankungen sollten nicht unnötig in die Öffentlichkeit gehen. Organisieren Sie Nachbarschaftshilfen! Unterstützen Sie Hilfsbedürftige in Ihrem Viertel! Übernehmen Sie deren Einkäufe! Unter dem Hashtag #NachbarschaftsChallenge haben sich erste Gruppen organisiert, um anderen zu helfen.

Baden-Württemberg: School's Out bis Ostern

18.03.2020

Für alle Fragen zum Coronavirus hat das Landesgesundheitsamt die Hotline (0711) 90 43 95 55 eingerichtet (Montag bis Sonntag, 09:00 bis 18:00 Uhr).

In Baden-Württemberg gibt es 1.609 bestätigte Corona-Fälle und zwei Todesfälle (RKI vom 18. März 2020). 56 Prozent der Infizierten sind männlich, deren Durchschnittsalter beträgt 46 Jahre.

Da sich das Coronavirus auch in Baden-Württemberg schnell ausweitet, hat die Landesregierung eine neue Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus beschlossen. Sie tritt am 18. März 2020 in Kraft.

Sämtliche Kultur-, Sport- und Vergnügungsstätten werden bis auf weiteres geschlossen, Kultur-, Sport- und Vergnügungsveranstaltungen werden untersagt. Dies gilt auch für Zusammenkünfte in religiösen Einrichtungen. Alle rd. 5.000 öffentlichen und privaten Schulen und die rd. 8.900 Kindergärten werden zunächst bis zum Ende der Osterferien geschlossen.

Geöffnet bleiben (auch an Sonn- und Feiertagen):

  • Einzelhandel für Lebensmittel
  • Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste
  • Getränkemärkte
  • Apotheken
  • Sanitätshäuser
  • Drogerien
  • Tankstellen
  • Banken und Sparkassen
  • Poststellen
  • Frisöre, Reinigungen, Waschsalons
  • Zeitungsverkaufsstellen
  • Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel
  • Hofläden und Raiffeisenmärkte

Gaststätten dürfen von 06:00 bis 18:00 Uhr Speisen und Getränke anbieten, sofern sie gewährleisten, dass die Gäste mindestens 1,5 Meter Abstand voneinander halten. Dies gilt für Tische und Stehplätze.

Besuche in Krankenhäusern werden bis auf unabdingbare Ausnahmen auf ein Mindestmaß reduziert; Gleiches gilt für Besuche in Alten- und Pflegeheimen. Großeltern sollten nicht zur Kinderbetreuung herangezogen werden. Es wird empfohlen, alle nicht unbedingt notwendigen privaten Veranstaltungen abzusagen und nur noch die Hälfte der sonst üblichen Sozialkontakte zu pflegen. Arbeitgeber sollten ihren Mitarbeitern Home-Office und Überstundenabbau anbieten.